Fußballdoping. Im Interesse der Öffentlichkeit.

18.02.

Das Thema Doping im Fußball hatte die breiten Medien erreicht. Nur vorübergehend. Gerüchte über Transfers und Trainerwechsel bleiben wichtiger. Ob jemand dopt, interessiert nicht. Dabei ist Recherche zu Doping so wichtig. Davon profitieren auch Sportler und Fans.

©Jonathan Sachse

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Als im vergangen Jahr der Abschlussbericht über “Doping in Deutschland von 1950 bis heute” diskutiert wurde, spielte auch Doping im Fußball in der öffentliche Debatte eine Rolle. Einige Spieler der deutschen Nationalmannschaft zogen sich bei der WM 1966 Ephedrin rein. Das war längst bekannt, wurde aber erst durch die prominente Studie ein echtes Thema. Der DFB startete eine Gegenoffensive. Gegengutachten und viele öffentliche Statements von Funktionären zum Thema Doping folgten. Auch die großen Medien begannen, fragten zum Beispiel, warum die Dopingkontrollen in Deutschland so weiter hinterher sind. Der DFB lud Journalisten zu einem Anti-Doping Hintergrundgespräch nach Frankfurt am Main ein. Fußballer trafen in Interviews komplett unvorbereitet auf Dopingfragen. Eine Kettenreaktion war entstanden.

Wenige Monate später werden Dopingfragen nicht mehr gestellt. Fußballdoping taucht auf der Medienagenda nicht mehr auf. Zurück auf Start.

Wer kennt den Fall Marque?

Der Fall Francois Marque zeigt das Medienverhalten exemplarisch. Drüben bei Fußballdoping begleiten wir den Fall des Saarbrücker Abwehrspielers seit Bekanntwerden der positiven Dopingproben. Der Saarländische Rundfunk hatte als erstes Medium berichtet. Eine kurze Meldung erschien, in der man sofort abschwächte. Das Kortison wurde “versehentlich nicht angegeben”, schrieb der SR. Das Ergebnismanagement beim DFB war noch im vollem Gange, da schien Marque schon freigesprochen.

Die meisten anderen Medien ließen die positiven A- und B-Proben des Drittliga-Spielers komplett unerwähnt. Es mag auch daran liegen, dass die Agenturen diesen Fall ebenfalls nicht meldeten. Agenturen versäumen kaum eine “umangekündigte Dopingkontrolle”. Wird ein Verstoß bekannt, bleiben die Nachrichtenticker stumm.

Wir werden über Marque weiter berichten. Allerdings kommen wir derzeit nur schwer an neue Informationen. Eine Reise nach Saarbrücken ist aktuell nicht drin. Die offiziellen Stellen des DFB und Saarbrückens sprechen nicht, solange der Fall verhandelt wird. Wir versuchen tiefer einzutauchen. Wer Hinweis geben kann und möchte: Nur zu. Auf der Website von Fußballdoping geht das auch anonym.

Systematische Analyse des europäischen Kontrollsystems

Berichterstattung über Doping ist wichtig. In jeder Sportart. Diese Aufgabe übernehmen Journalisten im Sport leider zu wenig. Doping im Fußball muss in der breiten Öffentlichkeit immer wieder thematisiert werden. Nur dann können Sportler merken, dass sie falsch handeln. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein paar Kicker mehr über ihre Gesundheit nachdenken. Mächtige Verbände können zur Veränderung gezwungen werden. Und auch Fußballfans können lernen: Es tut nicht weh, wenn der eigene Sport kritisch begleitet wird. Dadurch wird der Sport nur ehrlicher.

Heute haben wir auf Fußballdoping eine Analyse des portugiesischen Doping-Kontrollsystems veröffentlicht. Am westlichsten Zipfel Europas gab es im letzten Jahrzehnt über 100 positive Fälle. Allein deswegen lohnt es sich genauer hinzuschauen.



Das ist der Auftakt zu einer Serie, in der wir systematisch die Qualität der Anti-Doping Arbeit im europäischen Fußball analysieren wollen. Die Basis bildet dabei meine Recherche aus dem vergangen Jahr. Wer das verpasst hat: Reportage, Animationsfilm und Europakarte stehen weiter online.

Sprecht mit uns über Doping im Fußball

Die Kollegen von Klub Konkret haben mich letzte Woche nach München eingeladen, um mit mir über Whistleblower zu sprechen. Meine TV-Premiere, die viel Spaß gemacht hat. Die etwa halbstündige Sendung wird am Mittwoch (19.2.) um 21:45 Uhr auf EinsPlus ausgestrahlt und steht später auch auf der Website online.

©Jonathan Sachse

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Das möchte ich zum Anlass nehmen, um Euch Hinweisgeber direkt anzusprechen. Bei unserer Recherche im deutschen und europäischen Fußball bringt jeder Hinweis aus dem Inneren des Systems einen weiter. In den letzten Jahren haben sich sehr viele Menschen bereits Zeit genommen, um mit Daniel Drepper und mir über Doping im Fußball zu sprechen. Dabei konnten wir viel lernen und möchten dies weiter tun. Also bitte melden, ihr wertvollen Whistleblower. Die Wege sind vielfältig. Kommentiert, mailt, ruft an oder meldet euch anonym.

2 Kommentare zu "Fußballdoping. Im Interesse der Öffentlichkeit."

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