-Dr. Fuentes – Coming Soon -Dr. Fuentes und der Profisport – Prozessauftakt -Nach der Fuentes Anhörung: Wohin schwimmt dieser Prozess? -Fuentes Urteil gesprochen – Revision abwarten

Nach der Fuentes Anhörung: Wohin schwimmt dieser Prozess?

30.01.

Medienhaufen in Madrid (30.1. ©twitter.com/EuroHoodyt)

Medienhaufen in Madrid (30.1. ©twitter.com/EuroHoodyt)



Mittlerweile versammeln sich zum dritten Mal alle Gewerke rund um den Fuentes Prozess in Madrid. Nach vielen Verhandlungsfragen begann erst gestern Mittag der eigentliche Prozess, indem Dr. Fuentes als erster Angeklagte verhört wurde. Erst von der Staatsanwaltschaft. Anschließend von den Nebenklägern. Seine Anhörung im Madrider Gerichtsgebäude ist seit heute Mittag beendet. Gerade spricht seine Schwester Yolanda. Als nächstes müssen die drei ehemaligen Teammanager und Sportlichen Leiter Rede und “Antwort” (dazu unten mehr) stehen.

Ich bin gespannt, wie lange die nicht-spanischen Journalisten von ihren Redaktionen vor Ort noch bezahlt werden. Der riesige Medienrummel aus den ersten Tagen könnte sich mit der Taxiabfahrt von Fuentes auf die harten Dauerberichterstatter komprimieren. Das thematisch sehr passende El Clásico heute Abend werden sich ein paar Kollegen im Sinne des Praxistests vielleicht noch geben.

Kernaussagen Fuentes

An erster Stelle: Fuentes hat seinen erweiterten Kundenkreis vor Gericht bestätigt. Konkret beschrieb er seinen Kundenkreis im Jahr 2006 und sprach von Bluttransfusionen bei Nicht-Radsportlern. Das hat er zuvor gegenüber Medien ebenfalls getan, aber seine Aussage vor der Justiz war wichtig, da sie einfach mehr Wucht hat. Leichtathletik, Boxen, Tennis und Fußball nannte er gestern explizit. Am Abend im ZDF Interview erinnerte Stefan Matschiner an möglicherweise weitere Sportarten wie Formel 1.

Über den Fußballbezug habe ich bereits gestern in der Nachbarschaft bei fussballdoping.de eine erste Zusammenfassung formuliert.

Fuentes erzählt am Dienstag, er habe in den 80ern die Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Dr. Batres (nicht anwesend) begonnen. Zu diesem Zeitpunkt sei Fuentes noch für den spanischen Leichtathletikverband tätig gewesen. Batres, Fuentes und der jeweilige Athlet seien die einzigen Personen gewesen, die über die jeweilige Behandlung inkl. Codes/ Nummern der Sportler Bescheid gewusst hätten.

Bei der Behandlung hätte er nie Fremdblut reinfundiert, sondern nur mit Eigenblut gedopt. Diese Transfusionen wären nie innerhalb eines Wettbewerbes durchgeführt worden und nie von Teamärzten. Hamilton hatte was anderes berichtet, sprach im WDR-Magazin SportInside von Transfusionen während der Tour de France 2004 u.a. von seinem damaligen Phonak Teamarzt, dem Deutschen Thomas Klimaschka.

Drei seiner Kunden erwähnte er namentlich. Natürlich alles Radsportler: Santiago Botero, Unai Osa und Roberto Heras. Diese und alle weiteren Athleten seien nur verbal über mögliche Risiken informiert worden. Fuentes hätte nie schriftliche Verträge mit den Sportlern abgeschlossen. Aus meiner Sicht als Laie wäre das ein Punkt, der gegen Fuentes verwendet werden könnte. Im Sinne der vernachlässigten gesundheitlichen Aufklärung und rechtlichen Absicherung.

Auffällig: Fuentes gab bislang nur Doping via Bluttransfusion zu. Bei allen anderen Mittelchen von Actovegin bis hin zu Epo fand er jeweils eine Ausrede. Mal waren die Mittel für seine unter Krebs leidende Tochter, für seinen kürzlich verstorbenen Vater oder seinen Helfer Alberto Leon, der sich 2011 das Leben nahm.

Ebenfalls auffällig: Fuentes legte Wert darauf, dass er für Athleten nur medizinisch gearbeitet habe und keine Trainingspläne erstellt habe. Er hätte auch nie für Teams gearbeitet. Fuentes konnte nicht sagen, trotz offensichtlicher Geldkofferübergabe zwischen den beiden, ob Manolo Saiz vom Doping seiner Athleten wusste. Seine ebenfalls angeklagte Schwester Yolanda hätte ihn nicht beim Doping unterstützt.

Amüsant: Sein eigener Hämatokritwert läge bei 52, prallte Fuentes gestern irgendwann.

Die Probleme des Prozesses

Ich sehe zwei Kernprobleme. Beide waren vorher schon bekannt und wurden gestern bestätigt. Es geht in diesem Prozess nicht um Doping, sondern Hygiene, eine saubere Arbeitsweise beim Doping. Die Staatsanwälte haben keine Interesse irgendwelche Namen zu hören, fragten bei seinen Aussagen zu anderen Sportarten nicht nach.

Fuentes kann jederzeit die Aussagen verweigern. Die ersten Stunden vor der Staatsanwaltschaft war er sehr redselig. Als die Nebenkläger gestern ihren Fragenkatalog auspackten, schwieg Fuentes nur noch und beantwortete keine einzige Frage der WADA, RFEC, UCI, Manzanos Anwalt oder CONI.

Nur ein Beispiel: Die Frage, warum in mindestens acht Blutbeuteln EPO-Spuren gefunden wurden, musste Fuentes nicht beantworten. Das kann ein Spaß werden, wenn die Radfahrer auf die Zeugenbank gerufen werden.

Keine Antwort ist auch eine Antwort würde man normalerweise meinen. Schwierige These, wenn der Angeklagte über 30 Minuten gar keine Antworten mehr gibt.

Wenn ich die Tweets der Kollegen im Gerichtssaal richtig übersetzt habe, scheint Fuentes heute doch noch ein paar Fragen der Nebenkläger beantwortet zu haben.

Die Rolle der Nebenkläger

Die WADA hat ihre zugesagte Rolle bestätigt. Der Prozess soll genutzt werden, um weitere Dopingdetails herauszubekommen. Gestern wurde nur ein kleines Teilziel erreicht, indem Tyler Hamilton als Zeuge eingeladen werden darf.

Die Computer dürfen nicht untersucht werden. Die Identifizierung der Blutbeutel wahrscheinlich auch nicht. Bis Freitag muss die WADA ihren Eintrag schriftlich begründen. Dann entscheidet das Gericht.

Zu den anderen Nebenklägern kann ich nicht viel sagen. Im Vorfeld wurden keine besonderen Anträge gestellt. In der unbeantworteten Fragerunde scheinen ein paar vernünftige Fragen von der CONI und Manzano dabei gewesen zu sein. Und wenn dann eine interessante Frage durchgehen könnte…



AIGCP ausgestiegen?

Nach meinen Informationen ist einer der sieben Nebenkläger, die AIGCP, aus dem Prozess ausgestiegen. Dies schrieb mir jedenfalls gestern Nachmittag Yves Bonnamour, der seit 2001 nach eigener Definistion als “Secretary” für die AIGCP tätig ist.

Laut Bonnamour hätten sie sich 2006 am Prozess beteiligt, um Einblick in die Puerto Dokumente zu bekommen. Ihnen liege aber nur eine Liste vom 30.6.2006 vor, auf der neun Fahrer als Fuentes Kunden aufgelistet seien.

Ich versuche seit gestern Präsident Jonathan Vaughters zu erreichen, aber habe bislang keine Antwort erhalten.

[Update 13:29]

Kollege Andreas Burkert hat mir auf Twitter bestätigt, dass AIGCP seit Prozessbeginn am Montag nicht vor Ort gewesen ist.

1 Kommentar zu "Nach der Fuentes Anhörung: Wohin schwimmt dieser Prozess?"

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