König Teamarbeit – besonders für Freiberufler!

24.04.

Vor einem Jahr hätte ich diesen Blogeintrag nie schreiben können. Eine größere Teamarbeit mit freien Kollegen hielt ich für utopisch. Zu viel Konkurrenz in allen Bereichen. Kampf um Themen, Informanten, Kunden. Insbesondere die Freien müssten doch auf ihr Alleinstellungsmerkmal im hart umkämpften Markt des Journalismus achten, dachte ich.

©jsachse

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Heute weiß ich’s besser. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Team von freien Journalisten bietet jede Menge Vorteile. Insbesondere im Vergleich mit etablierten Redaktionsstrukturen kann ein Paket von freien Journalisten punkten.

In den folgenden Äußerungen konzentriere ich mich auf aufwändigere Geschichte. Bei einer Recherche über 1-2 Tage kommen die folgenden Vorteile nicht zu tragen, da wird ein einzelner Freier in der Regel effektiver arbeiten können. Mir geht es um größere Recherche, die sich unter Umständen auf ganz Deutschland (oder größer) beziehen.

Flexibilität

Bei einer aktuellen Recherche arbeite ich mit mit zwei Kollegen aus Rheinland-Pfalz und Bayern zusammen. Ich selber sitze in Berlin. So bilden wir ein Dreieck, indem wir viele Recherche Standorte ganz vernünftig abdecken. Es ist uns möglich zahlreiche Gesprächspartner direkt zu treffen. Die Reisekosten – oft ein Problem für Freie, da nur selten von Redaktionen finanziert – halten sich mit dieser Struktur in Grenzen.


Einfacher Recherche Radius auf einer größeren Karte anzeigen

Anja Perkuhn (München), Daniel Drepper (Mainz) und ich haben für unsere Recherche in der deutschen Justiz ein Seminyak-Stipendium erhalten. Auf der Karte habe ich manuell (sehr grob) den 200km Radius rund um unsere primären Bürositze eingezeichnet. Bei mir nennt sich dieses Büro schlichtweg Homeoffice.

Die 200km sind eine Wegstrecke, die für jeden mit knapper Zeit und wenig Ausgaben mit einem Halbtagestrip gut machbar sind. Gut, wir decken noch nicht ganz Deutschland ab, aber die meisten größeren Städte. Allein für den Norden und östliche Teil Deutschlands müssen wir ein paar Kilometer mehr abfahren.

Neben dem geographischen Aspekt wird die Flexibilität unter freien Kollegen durch einen weiteren Faktor ergänzt, der bei festangestellten Kollegen in der Regel nicht ganz so flexibel steuerbar ist: Die Zeit.

Ein freier Journalist kann seine Zeit besser einteilen, da er von Redaktionen nicht in feste Schichten eingeteilt wird. Wenn er eine intensive Recherchewoche für ein Thema benötigt, kann er diese einplanen. In Verbindung mit weiteren freien Kollegen, kann so eine unheimliche Flexibilität entstehen, in der eine Thema dauerhaft abwechselnd oder in wichtigen Phasen auch zeitgleich angegangen werden kann.

Produktivität

Je länger die Recherchezeit, desto stärker schwanken meine Motivationsphasen. Unter Kollegen kann man sich gegenseitig in den Hintern treten. Oder anders gesagt: Es ist ok, wenn man sich eine Auszeit nimmt, zwischendurch an einer anderen Geschichte arbeitet. Man wird durch den fortlaufenden Austausch mit den Kollegen nicht den Zugang zu der Geschichte verlieren.

Gegenseitig pushen. Für mich ein ganz wichtiger Aspekt, um mit der Zeit nicht schludrig zu werden und Geschichten nicht zu (unabgeschlossene) endlos Recherchen vollkommen zu lassen.

Tools

Mittlerweile sind jede Menge Tools auf dem Markt, die ein “Collaborative Working” über den ganzen Globus ermöglichen.

Copyright der Logos liegt bei denen im folgenden Text verlinkten Anbietern.

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Ich persönlich arbeite mit gar keinen ausgefallen Programmen. Meine drei wichtigsten Tools in der Zusammenarbeit mit Kollegen setzt sich aus drei Klassikern zusammen.

(1) Dropbox
(2) Evernote
(3) Google Drive

In der Dropbox werden alle wichtigen Dateien abgelegt. Hier liegt das Teamarchiv für die aktuelle Geschichte. Alle O-Töne, die Recherchedokumentation und Primärquellen.

Via Google Doc wird die Hauptgeschichte aufgeschrieben, umgeschrieben und Schritt für Schritt optimiert. Kurz vor Veröffentlichung macht es Sinn zeitgleich die Geschichte zu öffnen und via Chat/ Hangout zeitgleich am Feintuning zu arbeiten.

Evernote hängt ein wenig von den Kollegen ab. Ist nicht jedermanns Sache. Ich persönliche liebe das Tool. Für mich hat es sich zum wichtigsten beruflichen Programm entwickelt. Wenn die Kollegen es ebenfalls nutzen, macht es Sinn, hier ein gemeinsam Notizbuch anzulegen.

Es gibt noch so viele wunderbare collaborative Tools (z. B. Screenhero). Wichtig in der Teamarbeit finde ich, dass das Tool entweder schon bekannt oder sehr schnell verständlich sein muss. Wenn die Übersicht und Handhabung nicht stimmt, bleibt man zu lange vor der Kreuzung an der Schranke stehen (got it?).

Finanzierung

Tom von “Leaving Work Behind” hat letzten Sommer einen wunderbaren Beitrag über eine optimale Kalkulation für eine Bezahlung der Freien geschrieben. Seine herunter gebrochene Formel:

( (personal overheads + business overheads) / hours worked ) + tax

Das Problem: In der Regel fragen die redaktionellen Auftraggeber gar nicht nach deinem Preis. Entweder du akzeptierst deren Pauschale oder lässt es bleiben. Take or nothing.

In der Zusammenarbeit mit freien Kollegen wird sich daran nichts ändern. Es sei denn man findet Redaktionen, die einen nicht nur die Veröffentlichung, sondern auch einen Teil der Recherchezeit vergüten. Ja, auch solche Medien gibt es noch in diesem Land ;-)

Unabhängig davon sehe ich auch in der Finanzierung im Team zwei konkrete Vorteile.

Den einen Aspekt habe ich weiter oben bereits beschrieben. Als Team arbeite ich Ziel gerichteter. Eine Truppe arbeitet mit der richtigen Organisation effektiver und schneller. Die Konsequenz: Es wird Zeit eingespart, in der andere Projekte bearbeitet und zusätzliche Einnahmen generiert werden können.

Der zweite Aspekt umfasst zwei Bedingungen: Die Journalisten müssen crossmedial arbeiten können und aus verschiedenen Regionen Deutschlands kommen. Dann können die Journalisten für verschiedene Medien rund um die Bürotür veröffentlichen. Zusätzlich wird die Geschichte in zwei bis drei – nicht konkurrierenden – überregionalen Medien veröffentlicht.

Eine beispielhafte Veröffentlichungsformel könnte lauten: 3x regional PRINT + 1x ONLINE + 1x RADIO. Noch besser und nicht unrealistisch: Dazu noch 1x TV oder ein zweites Online-Medium…

…und wir werden weiterhin nicht reich, aber haben die Geschichte nicht unter Wert verkauft.

Klingt unrealistisch? Zu kompliziert? Probiert es aus.

Fest/Frei + Fest/Frei = Megakombi?

Ein letzter Gedanke: Ich glaube an die Superformel, auch wenn ich in einem solchen Anstellungsverhältnis bislang keine praktische Erfahrung gesammelt habe. Durch eine 20 Stunden Anstellung in einer Redaktion geht Flexibilität verloren. Dafür wird finanzielle Sicherheit gewonnen. In der übrigen Arbeitszeit als freier Journalist recherchiert es sich deutlich entspannter.

Wenn sich dann ein Team von Fest-Freien findet, werden die Möglichkeiten in der Teamarbeit weiter optimiert. Dies sei auch erwähnt, da ich – jetzt nicht mehr geheim – von einem solchen Anstellungsverhältnis träume.

Bock auf Teamarbeit? Gebt Bescheid!

Lasst uns gerne ein Thema gemeinsam angehen. Meldet euch, wenn Ihr Bock auf eine Zusammenarbeit habt.

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Oder wir treffen uns direkt. Ich werde zum Beispiel demnächst auf der re:publica (6.- 8. Mai) in Berlin rumlaufen.

2 Kommentare zu "König Teamarbeit – besonders für Freiberufler!"

  1. Pingback: Unser Scroll Dossier – 100 Jahre Tour de France | Jonathan Sachse

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