-Volleyball: Zahlen für die Duelle in der Premiumklasse -Volleyball: Zwischenbilanz nach Champions League Vorrunde

Volleyball: Zahlen für die Duelle in der Premiumklasse

25.10.

Nach viel, viel Radsport sorge ich hier mal für ein wenig Abwechslung. Die ausgewählte Sportart: Volleyball.

Vorgestern hat die Champions League bei den Herren begonnen. Zwei 3:2 Auswärtssiege für Friedrichshafen und Haching, heute folgen die Berliner ins Turnier und komplettieren das Feld der deutschen Startet. Ich habe mir im Vorfeld die finanzielle Situation bei den Herren angeschaut. Der Fokus liegt auf der Champions League. Ein paar Aspekte zu wirtschaftlichen Hindernissen in der Bundesliga stehen auch mit drin.

Eine Kurzversion des unteren Textes wurde am Dienstag u.a. auf SPON veröffentlicht. Hier gibt es die ausführliche Variante mit ein paar Dokumenten, die in meiner Recherche eine Rolle gespielt haben.



Hier geht es erstmal nur um die Vereine der Männer. Die DVL hat sich schon auf Facebook beschwert. Wenn man etwas richtig anpacken will, geht halt nicht das komplette Paket. Ein paar andere Themen wären auch eine Berichterstattung wert. Liebe Kollegen bedient euch. Ich würde mich wahrscheinlich nicht vor 2013 an diese Themen machen, also raus damit. Wer mir dazu etwas sagen oder zeigen will, kann mir jederzeit schreiben oder anrufen. Dann schauen wir mal.

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1.) Die DVL sucht einen neuen Geschäftsführer. Gerrit Pülm von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ASNB scheidet zum Jahresende aus, war nur Interimsspitze. Sein Vorgänger Markos Beens, ursprünglich vom Basketball, hielt es nicht länger als eine Saison aus.

2.) Thomas Krohne ist seit ein paar Monaten neuer DVV-Präsident. Seine Doppelfunktion hat er nicht aufgeben: Krohne ist geschäftsführender Gesellschafter von sportsman, denen auch Laola1.tv gehört, die bekanntlich viel Volleyball bringen.

©jsachse



——— Berlin, 23. Oktober 2012 ———

Die Volleyball-Champions-League beginnt, drei deutsche Clubs sind dabei. Doch wo in anderen Sportarten in diesem Wettbewerb Millionen verdient werden, müssen die Vereine in dieser Sportart draufzahlen. Wer mit den Großen mitspielen will, geht ein finanzielles Risikogeschäft ein.

Als Robert Harting die Meisterschale in die Berliner Max-Schmeling-Halle trug, tobten die 6500 Zuschauer. Der Olympiasieger im Diskuswurf eröffnete in der vergangenen Woche die neue Saison der Volleyball-Bundesliga, Harting war der Star-Gast. Eine Lasershow folgte, danach das Duell der Dauerrivalen Berlin und Friedrichshafen. Eine große Show zum Auftakt. Keine Woche später das nächste Volleyballfest, diesmal in Bayern: Der Vizemeister der vergangen Saison, Generali Haching, mietete gegen die BR Volleys zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Olympiahalle in München. Knapp 4.000 Zuschauer wollten die Revanche vor Ort mitverfolgen.

Die Volleyball-Top-Vereine in Deutschland bemühen sich, ihre Sportart auf eine große Bühne zu heben. Doch spiegelt der Andrang bei den lang geplanten und groß inszenierten Events tatsächlich den Alltag im deutschen Profivolleyball?

Zum ersten Mal seit Einführung des Wettbewerbs wird Deutschland mit drei Mannschaften vertreten sein. Berlin, Friedrichshafen und Unterhaching werden sich unter anderem mit den Top-Teams aus Italien und Russland messen.

Der sportliche Glanz hat einen Haken: “Champions League zu spielen ist wichtig und auch gut für das Image. Aber es bedeutet einen finanziellen Aufwand für den Verein”, sagt Josef Köck, Manager von Generali Haching. Er weiß, wovon er spricht: Sein Verein war in den vergangenen zwei Jahren in der Königsklasse vertreten. Es ist ein finanzielles Risikogeschäft, das die deutschen Vereine für die Teilnahme in Kauf nehmen müssen.

Der Europäische Volleyballverband CEV listet in den “finanziellen Regularien” [--> mehr Details] alle erforderlichen Ausgaben genau auf. So mussten die drei deutschen Clubs bereits wenige Tage nach Ende der Ligasaison Ende April die ersten 25.000 Euro für die Teilnahme an der Gruppenphase auf das CEV-Konto überweisen. Zu diesem Zeitpunkt kann normalerweise noch von keiner seriösen finanziellen Kalkulation für die neue Saison gesprochen werden. Für das Erreichen der K.o.-Runden verlangt der CEV weitere Gebühren.

Doch es sind nicht nur die Antrittsgelder, die die Vereine belasten. Der Heimverein muss Gebühren für das CEV-Personal inklusive der Schiedsrichter, Lizenzen und medizinischen Versicherung für die Spieler sowie Reiskosten zahlen. “120.000 bis 130.000 Euro”, sagte Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys, koste den Verein die Auftritte in diesem Wettbewerb. Zwar verteilt der CEV nach jedem Spiel Preisgelder an die Vereine, am Ende erhält der Champions-Legaue-Gewinner mindestens 50.000 Euro. Unterm Strich müssen alle Clubs, selbst die erfolgreichen, aber mehr einzahlen, als sie durch Preisgelder verdienen.

Der Verband rechtfertigt sich: Die in den „finanziellen Regularien“ definierten Preisgelder „sind ein Mindestbetrag. Sie orientieren sich an den Einnahmen der CEV in der Champions League“, sagt Thorsten Endres, ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen Volleyball Liga und jetzt CEV-Direktor. Auf Nachfrage antwortet Hachings Manager Köck: „Wir haben die letzten zwei Jahre nur die Beträge aus den Regularien bekommen.“

Im Gegensatz zum Fußball, wo die Vereine mit der Champions League zweistellige Millionenbeträge verdienen, ist der Wettbewerb im Volleyball finanziell nicht lukrativ. “Es ist keine Geschichte, mit der man schwarze Zahlen schreibt. Auch nicht, wenn man Champions-League-Sieger wird”, sagt Stefan Mau, der als Manager des VfB Friedrichshafen die Bilanzen aus dem Jahr des eigenen Champions-League-Triumphes 2007 kennt.

Weitere Zahlungen können folgen, wenn Regeln nicht befolgt werden [--> mehr Details]. Ein Beispiel: Im Schnitt müssen 1.000 Zuschauer in der Gruppenphase ein Heimspiel in der Königsklasse besuchen. Gelingt dies nicht, zahlt der Verein 3.000 Euro Strafe an den CEV. Die offiziell angegeben Zuschauerzahlen von Unterhaching aus der vergangenen Saison (1.050, 1.150, 1.017) lassen erahnen, dass der Verein alles unternommen hat, um diese Strafe nicht zu zahlen.

Auch für die TV-Übertragungen sind die Clubs verantwortlich. Für jedes Heimspiel müssen die Vereine ein Satelliten-Signal zur Verfügung stellen, das die Bilder in alle europäischen Länder übertragen kann. Da in Deutschland kein Sender für die Übertragungsrechte im Volleyball zahlt, tragen die Vereine die Produktionskosten selbst. Allein für die drei Heimspiele in der Vorrunde bedeutet das einen Gesamtaufwand von rund 30.000 Euro. Im Gegensatz zu Deutschland gehört die Vermarktung der Bildrechte in anderen Ländern zur zentralen Einnahmequelle.

Der Verband glaubt dennoch an die Attraktivität seines Wettbewerbs: “Wenn das so negativ wäre, dort zu spielen, dann frage ich mich, warum wir diese Saison so viele Bewerbungen hatten wie noch nie”, sagt CEV-Direktor Thorsten Endres. Die Antwort liefert Friedrichshafen-Manager Mau: Durch die Teilnahme an der Champions League “bekommen wir Spieler, die sonst nicht bei uns spielen würden.”

Übrigens: Wer viel ausgeben kann, dem erlaubt das CEV-Regelwerk gravierende sportliche Vorteile. Trägt eine Mannschaft die Finalrunde der Champions League, an der die besten vier Teams teilnehmen, in der eigenen Halle aus und übernimmt dafür alle Kosten, rutscht sie nach Überstehen der Vorrunde automatisch in diese Finalrunde. Der polnische Verein Belchatów kaufte sich so in den vergangen fünf Jahren gleich dreimal ins Finale ein. Gewinnen konnte das Team den Wettbewerb trotz des erkauften Heimbonus’ aber noch nicht.

In der nationalen Liga beteiligen sich die Bundesligisten seit dieser Saison ebenfalls an den TV-Produktionskosten, um pro Spieltag wenigsten eine Partie ausstrahlen zu können. Nach einem Schlüssel, der sich an den Endplatzierungen der letzten Saison orientiert, finanzieren die Vereine die Übertragungen mit 2.000 EURO bis 8.000 EURO. Die Liga und ihre Vereine wünschen sich mehr Aufmerksamkeit. Rechnet man die BR Volleys mit ihrem außergewöhnlichen Zuschauerschnitt von 4.215 Personen aus dem Zuschauertrend heraus, besuchten in der Saison 2011/12 im Durchschnitt nur 942 Zuschauer die Heimspiele in der 1. Bundesliga – ein Abwärtstrend [--> mehr Details].

TV-Produktionsschlüssel DVL für Saison 2012/13 Quelle: DVL



Durch eine neue Regelung des Weltverbandes FIVB werden in der neuen Saison auch die Vereine in der 2. Bundesliga zur Kasse gebeten. Der FIVB stellt die sogenannten „Internationalen Transfer Zertifikate“ aus [--> mehr Details], die Bedingung sind, um ausländische Spieler unter Vertrag zu nehmen. Neu ist: Der Weltverband verlangt für jeden interkontinentalen Transfer 2.000 Schweizer Franken.

Die ohnehin finanzarmen Zweitligisten werden bei der Kaderstrukturierung in Zukunft genau abwägen, ob sich eine Investition lohnt. Darüber ärgert sich Ulrich Nordmann, Co-Trainer beim Zweitligisten TSV Giesen/48 Hildesheim, der eine mögliche Konsequenz beschreibt: “Man baut hier eine zusätzliche Hürde für die Sportler ein, zum Beispiel Auslandsstudenten, die in Deutschland spielen wollen.“

Setzen die Mannschaften in Zukunft aus Kostengründen verstärkt auf deutsche Spieler, könnte darunter die sportliche Qualität der Liga leiden. Den Bundesligavereinen bleibt kaum eine Wahl. Wollen sie sportlich den Anschluss halten, egal ob in der Champions League oder 2. Bundesliga, müssen sie zahlen.

——— Dokumente und Grafiken ———

Gesamtumsatz der Liga nach der Saison 2011/12

Finanzdaten DVL 2011 Quelle: DVL



Zuschauerstatistiken 2006/07 bis 2011/12

Zuschauerstatistiken 2011/12

Financial Regulations der CEV zur Champions League 2012/13

CEV: Financial Regulations 2012-03-30

Financial Sanctions der CEV zur Champions League 2012/13

CEV: Financial Sanctions 2012-03-30

International Transfer Certification by FIVB

FIVB: Electronic International Transfer Procedure Manual 2012/ 2013

FIVB Regelkatalog 2012

FIVB Sports Regulations 2012 (v 9) Final

8 Kommentare zu "Volleyball: Zahlen für die Duelle in der Premiumklasse"

  1. Pingback: Fußball, Volleyball und Schach « sportinsider

  2. Pingback: Berlin und Friedrichshafen gewinnen, Haching patzt

  3. Pingback: Volleyball: Zwischenbilanz nach Champions League Vorrunde | Jonathan Sachse

  4. Well maaaicmda nuts, how about that.


  5. IMHO you’ve got the right answer!


  6. What drives me nuts? My husband who refuses to share his chocolate almond nut butter and who was so disappointed today when I only bought him 6 squeeze pouches rather than the jar to get him through the week so we could save money on our food budget! (PS: He doesn’t really drive me nuts, but he is definitely nuts about Justin’s!)


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