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Tour de France 2012: 5. Etappe

5.07.

Hier im Ziel in Saint-Quentin herrscht Dauerregen. Der Wecker klingelt zum richtigen Zeitpunkt, muss mir noch Gummistiefel zulegen.

flamme rouge in Saint Quentin ©jsachse



Eine Etappenvorschau spare ich mir heute. Vorletzte Flachetappe bevor es am Samstag in die Vogesen geht. Marcel Kittel musste heute nach etwa 40 Kilometern das Rennen beenden. Erst der Magen. Dann das Knie.

Meine gestrige Zusammenfassung der aktuellen Dopingermittlungen hat auf Facebook eine kleine Diskussion ausgelöst. Bislang kam keine sachliche Kritik am Artikel. Das ist schade. Vielleicht habe ich ja ein paar neue Leser gewonnen, die hier in den Kommentaren eine ernsthafte Diskussion beginnen wollen. Bin ich für zu haben, wenn diese ein gewisses Niveau erreicht.

Pietric hat sich ein paar Erklärungen zu den Chaperons gewünscht. In den nächsten Wochen gibt es die hier vielleicht detaillierter. Den grundsätzlichen Ablauf bei den In-Competition-Testings erkläre ich heute in einer kleinen Fotostory. Den Chaperon habe ich bewusst herausgesucht. Der junge Mann ist mir am Vortag in Boulogne sur Mer aufgefallen, als er seinen Fahrer verpasst hat und danach 10 Minuten durch den kompletten Zielbereich rannte, um den Athleten zu finden.

Nach jeder Etappe müssen alle Trikotträger und der Tagessieger zur Kontrolle. Das steht fest. Zusätzlich werden mehrere Namen ausgelost. Am Anti-Doping Fahrzeug klebt dann ein Zettel mit den entsprechenden Startnummern der Fahrer. Pro Chaperon ein Fahrer. Meiner bekam die 123: Mr. Stacheldrahtzaun, Johnny Hoogerland.

Namen der Fahrer, die nach der 4. Etappe zur Kontrolle mussten. ©jsachse



Im Ziel warten die Chaperons auf die eintreffenden Fahrer. Um sie herum stehen Polizisten, Teamhelfer, Journalisten, Fotografen, Kameraleute, VIPs.

Chaperon wartet auf die Ankunft der Fahrer. ©jsachse



Sobald die Fahrer eintreffen, herrscht das komplette Chaos. Ich würde euch das gerne im Video zeigen, verbietet mir die ASO aber. Also bitte vorstellen: Rechts, links sausen die Fahrer vorbei. Dazu rennen die oben benannten Berufsgruppen rum. Sicht ist versperrt. Fahrer wird nicht erkannt. Aus einem Team treffen gleich mehrere Fahrer ein, die parallel nach ihrer Startnummer gescannt werden müssen. Sehr, sehr unübersichtlich. Habe wirklich Respekt vor dem Job, bin nicht so multitasking fähig.

Chaperon mit Tunnelblick. ©jsachse



Dieses mal legte der Chaperon ne 100% Performance hin. Fahrer ist ihm nicht entwischt. War allerdings auch nicht sooo schwer, Hoogerland blieb bei seinem Betreuer auf einen Erfrischungsgetränk stehen.

Gefunden: 123. Hoogerland. Check. ©jsachse



Jetzt noch Uhrzeit eintragen. Fahrer unterschreiben lassen und ihm zum Kontrollzelt mitnehmen.

Johnny Hoooogerland. Zack. Signed. ©jsachse



Im Zelt trifft man sich dann mit anderen Fahrern. Nach und nach werden die Jungs ins Mobil reingebeten, um entweder Blut oder Urin abzugeben. Das variiert. Sollte Urin gefragt sein, werden meistens noch ein paar Flaschen Wasser gezischt, um den Blasendruck zu erhöhen.

Klassentreffen im Anti-Doping Zelt ©jsachse



Nur die Trikotträger und Tagessieger brauchen länger. Erst Live-Interviews, dann Kontrolle. Links wartet der Chaperon auf den gelben Cancellara.

Chaperon wartet auf das Gelbe. ©jsachse



Sendung mit der Maus beendet.


5 Kommentare zu "Tour de France 2012: 5. Etappe"

  1. Vielen Dank, dass so direkt auf die Wünsche der Leserschaft eingegangen wird.

    Kurze Nachfrage: Warum dieses doch eher komplizierte Prozedere? Wann wird die Liste am Anti-Doping-Fahrzeug angeklebt? Wäre es denn nicht auch möglich, die betreffenden Fahrer während des Rennens darauf hinzuweisen, dass sie gelost wurden und sich unmittelbar nach dem Rennen zur Dopingkontrolle einfinden müssen? Dann müsste ein vielleicht überforderter Chaperon nicht durchs Zielgebiet wuseln, auf der Suche nach seinem Fahrer.


  2. Die Hauptaufgabe der Chaperons ist die 100% Kontrolle. Wenn die Fahrer sich selbständig am Kontrollwagen einfinden sollten, hätten sie nach Zieldurchfahrt eine Menge Spielraum, um alle mögliche Dinge anzustellen. So war das früher. Einen Punkt habe ich hier übrigens nicht bebildert: Bei der Urinausführung haben die Chaperons auch einen Tunnelblick.


  3. Hallo, normalerweise maße ich mir aufgrund mangelnder medizinischer und juristischer Kenntnisse nicht an, über Dopingfälle zu urteilen und mich irgendwie dazu zu äußern, aber ich will hier doch noch kurz etwas loswerden. Wir haben schon ab und an über Twitter kommuniziert und du kommst sehr sympathisch rüber. Außerdem macht deine Arbeit einen guten Eindruck und ich verfolge sie seit der letzten Tour de France sehr gerne, so auch dieses Jahr. So gerne ich deinen Blog lese, so muss ich leider ehrlich sagen, dass auch mir dieser Artikel nicht gefallen hat. Mangels Zeit kann ich da nicht auf Einzelheiten eingehen, stattdessen gibt es hier einen Kommentar, dem ich so weit zustimmen würde. Gerade die dort angesprochene Passage zu Kittel empfand ich ebenfalls als sehr kritisch. Ohne die Diskussion auf Facebook verfolgt zu haben, so lässt sich die von dir angesprochene unsachliche Kritik damit erklären, dass manche eben aufgrund solcher Zusammenhänge in den Artikeln den Eindruck bekommen, es wäre eben keine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern die oft viel zu einseitig betriebene Berichterstattung. Dementsprechend unsachlich mag dann die Kritik ausfallen.

    Wie gesagt, ich stecke zu wenig in der Materie drin, um jetzt ein Urteil darüber zu fällen, aber ich wollte als jemand, der mehrmals täglich hier rein schaut und deine Arbeit gerne verfolgt, eine Meinung dazu abgeben. Ich freue mich jedenfalls weiter auf Liveblogs und Artikel!

    Viele Grüße nach Frankreich!


  4. Zunächst einmal: Vielen Dank für deine sachliche Kritik. Du wirst es kaum glauben, aber du bist der erste “Kritiker”, der mir gegenüber auch Argumente bringt.

    Ich kann auch die Diskussion im Fall Kittel nachvollziehen. Als Blogleser wirst du wissen, dass ich mich mit seiner Situation ausführlich auseinandergesetzt habe.

    Das Ziel in dem Zeit-Artikel war es, die aktuellen Dopingdiskussionen in einem Artikel zusammenzufassen. Da habe ich keine alten Geschichten aufleben lassen, sondern nur Fälle behandelt, die aktuell behandelt werden und die aus meiner Sicht nicht vergessen werden sollten. Ich kann alle Kittel Fans verstehen, die so einen Beitrag ungerecht finden, wenn sie ihren Lieblingsfahrer gleichzeitig im Fernsehen schwer leiden ertragen müssen und heute schließlich sogar bei der Aufgabe verfolgen müssen. Die erste Tour de France und er konnte an keinem einzigen Sprint mitwirken, ist bitter.

    Aus journalistischer Perspektive kann ich aber auf persönliche Befindlichkeiten keine Rücksicht nehmen. Ich bin Interessierter der Sporart Radfahren, aber keine Fan des Profisports. Beides zusammen geht aus meiner Sicht nicht, wenn man mit der notwendigen Distanz berichten will. Diese Meinung vertreten leider nicht alle Berufskollegen. Das erlebe ich in diesen Tagen so hautnah, wie ich es bislang vielleicht nur bei den Länderspielen der Nationalmannschaft sehen konnte.

    Der von dir verlinkte Kommentar, den Kollegen habe ich hier auch kennengelernt, ist schon differenzierter. So kann man eine Diskussion beginnen. Dennoch vertritt er ein Berufsbild, an das ich mich nie anschließen werde. Denn seine Argumentation beruht in großen Teilen auf Vertrauen zum Athleten. Auf dieser Website -by the way: schönes Pagedesign – führte Marcel Kittel auch ein Tourtagebuch. Das ist mir zu nah, da fehlt die Distanz für eine unabhängige Betrachtung. Ich brauche jetzt nicht die Fälle aufzählen, in denen Athleten in der Vergangenheit das Vertrauen von Fans, Journalisten & Co missbraucht haben.

    Und was gar nicht geht, sind solche Unterstellungen:

    …dies schreit schon sehr nach Effekt-Aufhänger und übertriebenem Zuspitzen, damit sich der Artikel verkaufen lässt.

    Der Kollege weiß selber, dass ich nicht nach Frankreich gefahren bin, um Geld zu machen. Dann würde ich mir andere Ziele als die Tour de France aussuchen.

    Zur Causa Erfurt bitte auch die gemeinsame Presserklärung der NADA und WADA lesen, die am 6. Juli veröffentlicht wurde.

    Noch zwei Punkte zum Thema Doping-Berichterstattung:

    (1) Viel wichtiger als die Veröffentlichung von irgendwelchen Namen ist mir, ganz ernsthaft, die Struktur im Hintergrund zu erkennen und zu erklären. Die soziologische Betrachtung ist wichtig. Dort müssen die Problemfelder erkannt werden, damit sich auch was ändern kann.

    (2) Natürlich wird auch in anderen Sportarten gedopt. Natürlich muss darüber auch berichtet werden. Ich kenne ein paar Kollegen, die das auch machen. Sind leider nicht viele. Auch dort müssen sie sich mit Anfeindungen und Beschimpfungen auseinandersetzen. Wer glaubt, dass jemand über Doping berichtet, weil er sich toll fühlen möchte, hat nichts verstanden. Muss man ein Fell für haben oder sich antrainieren.

    Soweit. Schon spät. Morgen 6. Etappe.

    Noch einmal: Vielen Dank für deinen Kommentar. Frohes Schaffen.


  5. Danke für das Kompliment, dass du mich als ersten sachlichen Kritiker benennst. Gleichwohl ist es schade, denn deine Arbeit gebietet eine gewisse Sachlichkeit, egal wie man dazu stehen mag. Leider muss man im wieder feststellen, dass Dopingdiskussionen viel zu schnell persönlich werden.
    Ich bin mir bewusst, dass an manchen Stellen zwei verschiedene journalistische Auffassungen aufeinander treffen. Da ich nicht diesem Berufsstand angehöre, möchte ich darüber nicht urteilen und auch keinen Konflikt heraufbeschwören. Ich gebe allerdings zu, dass ich eher der von dir abgelehnten Richtung zugetan bin. Ich habe mit Freunden mehrere Jahre als Fan nebenher eine Radsportnachrichtenseite betrieben. Wenn man dies neben der Hauptbeschäftigung tut, speist sich der Motivation daraus, dass man leidenschaftlicher Fan dieser Sportart ist. In dem Fall geht als Fan natürlich eine gewisse Distanz verloren. Es ist gut und richtig, dass du diesen Abstand wahrst. Ich habe keinen Zweifel daran, dass du deine Artikel gründlich recherchierst und gute Arbeit machst. Dass du hier im Blog die Hintergründe deiner Arbeit thematisierst und auch spät in der Nacht nach einem sicherlich langen Tag noch so ausführlich antwortest, spricht für sich.

    In diesem Sinne: Ebenfalls noch frohes Schaffen und einen möglichst schönen sechsten Etappentag!


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