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Tour de France 2012: 5. Etappe

5.07.

Hier im Ziel in Saint-Quentin herrscht Dauerregen. Der Wecker klingelt zum richtigen Zeitpunkt, muss mir noch Gummistiefel zulegen.

flamme rouge in Saint Quentin ©jsachse



Eine Etappenvorschau spare ich mir heute. Vorletzte Flachetappe bevor es am Samstag in die Vogesen geht. Marcel Kittel musste heute nach etwa 40 Kilometern das Rennen beenden. Erst der Magen. Dann das Knie.

Meine gestrige Zusammenfassung der aktuellen Dopingermittlungen hat auf Facebook eine kleine Diskussion ausgelöst. Bislang kam keine sachliche Kritik am Artikel. Das ist schade. Vielleicht habe ich ja ein paar neue Leser gewonnen, die hier in den Kommentaren eine ernsthafte Diskussion beginnen wollen. Bin ich für zu haben, wenn diese ein gewisses Niveau erreicht.

Pietric hat sich ein paar Erklärungen zu den Chaperons gewünscht. In den nächsten Wochen gibt es die hier vielleicht detaillierter. Den grundsätzlichen Ablauf bei den In-Competition-Testings erkläre ich heute in einer kleinen Fotostory. Den Chaperon habe ich bewusst herausgesucht. Der junge Mann ist mir am Vortag in Boulogne sur Mer aufgefallen, als er seinen Fahrer verpasst hat und danach 10 Minuten durch den kompletten Zielbereich rannte, um den Athleten zu finden.

Nach jeder Etappe müssen alle Trikotträger und der Tagessieger zur Kontrolle. Das steht fest. Zusätzlich werden mehrere Namen ausgelost. Am Anti-Doping Fahrzeug klebt dann ein Zettel mit den entsprechenden Startnummern der Fahrer. Pro Chaperon ein Fahrer. Meiner bekam die 123: Mr. Stacheldrahtzaun, Johnny Hoogerland.

Namen der Fahrer, die nach der 4. Etappe zur Kontrolle mussten. ©jsachse



Im Ziel warten die Chaperons auf die eintreffenden Fahrer. Um sie herum stehen Polizisten, Teamhelfer, Journalisten, Fotografen, Kameraleute, VIPs.

Chaperon wartet auf die Ankunft der Fahrer. ©jsachse



Sobald die Fahrer eintreffen, herrscht das komplette Chaos. Ich würde euch das gerne im Video zeigen, verbietet mir die ASO aber. Also bitte vorstellen: Rechts, links sausen die Fahrer vorbei. Dazu rennen die oben benannten Berufsgruppen rum. Sicht ist versperrt. Fahrer wird nicht erkannt. Aus einem Team treffen gleich mehrere Fahrer ein, die parallel nach ihrer Startnummer gescannt werden müssen. Sehr, sehr unübersichtlich. Habe wirklich Respekt vor dem Job, bin nicht so multitasking fähig.

Chaperon mit Tunnelblick. ©jsachse



Dieses mal legte der Chaperon ne 100% Performance hin. Fahrer ist ihm nicht entwischt. War allerdings auch nicht sooo schwer, Hoogerland blieb bei seinem Betreuer auf einen Erfrischungsgetränk stehen.

Gefunden: 123. Hoogerland. Check. ©jsachse



Jetzt noch Uhrzeit eintragen. Fahrer unterschreiben lassen und ihm zum Kontrollzelt mitnehmen.

Johnny Hoooogerland. Zack. Signed. ©jsachse



Im Zelt trifft man sich dann mit anderen Fahrern. Nach und nach werden die Jungs ins Mobil reingebeten, um entweder Blut oder Urin abzugeben. Das variiert. Sollte Urin gefragt sein, werden meistens noch ein paar Flaschen Wasser gezischt, um den Blasendruck zu erhöhen.

Klassentreffen im Anti-Doping Zelt ©jsachse



Nur die Trikotträger und Tagessieger brauchen länger. Erst Live-Interviews, dann Kontrolle. Links wartet der Chaperon auf den gelben Cancellara.

Chaperon wartet auf das Gelbe. ©jsachse



Sendung mit der Maus beendet.

16.39 | 29.11.

Ich mache mich gleich auf den Weg in Richtung Kongresszentrum. Anbei schon mal die Akkreditierung, auf der man schön die Hierarchie (siehe Reihenfolge der Unterschriften) erkennen kann, die während der Frauen-WM gilt:



18.45 | 29.11.

Angekommen, Platz genommen. Noch ziemlich leer. Ein paar ältere Verbandsbosse haben sich ihre Plätzchen gesucht und sofort bei den Volunteers nach der Toilette/ Abendessen gefragt.



18.50 | 29.11.

Der große Skandal im Vorfeld: Nach der Absage von Sepp (Korruption) hat jetzt auch Olli (Schnee) abgesagt. Sein Vertreter wird nicht unbedingt für mehr Stimmung an den Lostöpfen sorgen.

Hier gibt es das Regelwerk zur Auslosung.


19.07 | 29.11.

Sven Voss mit der Probeanmoderation. Info: Erst sollte Beckenbauer Kahn vertreten, der steckt in Salzburg fest. Jetzt also Stimmungskanone Netzer.


19.25 | 29.11.

Ein paar Reden, ein „Was bisher geschah“ Filmchen und immer wieder Steffi Jones, Steffi Jones, Steffi Jones.

Und habe ich die Info hier richtig aufgeschnappt? Das ZDF hat gerade die Live-Übertragung auf Grund der WikiLeaks Enthüllungen abgesagt und streamt jetzt nur im Netz? Ohoh das Timing für diesen Tag wird immer unglücklicher.


19.38 | 29.11.

Die Beiträge, die hier auf der Leinwand laufen, sind allesamt vom ZDF. Moderiert wird die Veranstaltung von Sven Voss, ebenfalls ZDF. Das öffentlich-rechtliche begreift sich wieder einmal als Mitfeier-Organ, nicht als unabhängiges Medium.


20.06 | 29.11.

Ein paar nicht ganz qualifizierte Worte zu den deutschen Gegner:
Kanada klingt erstmal attraktiv, für das Eröffnungsspiel in Berlin auf jeden Fall ein feines Los.
Nigeria als Afrika-Meister wurde letzte Woche weggeputzt.
Frankreich rundet die Gruppe A ab. Die drei Gegner haben alle einen vernünftigen Namen, Equatorial Guinea & Co bleiben uns erspart.


20.55 | 29.11.

Ich muss mich etwas unorthodox aus dem Kongresszentrum verabschieden, Akku ist fast alle 🙁 Gehe noch ein bisschen Anzugluft schnuppern.


23.42 | 29.11.

Auf Grund eines User-Wunsches nun doch noch ein Nachtrag. So zur nächtlichen Stunde vielleicht etwas missverständlich 😉 Hier ist Losfee Adriana Karembeu. Goodnight.


12.55 | 18.12.

Mache mich gleich auf den Weg. Vorher werde ich noch ein bisschen die Sitze der zahlreichen Sportverbände rund ums Stadion checken. Zwischen 14:30 – 15:00 Uhr dann hier mehr.


15.28 | 18.12.

Nach einem Abstecher durch die Stadionküche (irgendwie im falschen Fahrstuhl gelandet) sitze ich endlich am Platz.


15.33 | 18.12.


15.37 | 18.12.

Kurz zu den Aufstellungen. Tzavellas also in der Startelf. Beim BVB Großkreutz für Kuba, Götze rückt nach rechts. Bilanz nach 6 Minuten: Zwei Knallkörper im Dortmunder Auswärtsblock, eine Torchance für Frankfurt.


16.03 | 18.12.

Mir ist kalt trotz extrem durchdachter Kleiderwahl. Das Spiel ist so höhepunktstark wie ein Dart EM-Qualifikationsspiel. Guter Zeitpunkt meine Sitznachbarn vorzustellen. Links ein Kollege/ Fan, der sich jedes Eintracht-Spiel mit dem Presseausweis auf die Medientribüne mogelt und das BVB-Beleidigungsvokabular perfekt beherrscht. Rechts ein Kollege, der 10min. nach Anpfiff Platz genommen hat und sich seitdem sekündlich tiefer in seine Winterjacke eingräbt. Geballte journalistische Tatkraft.

Und plötzlich läuft Gekas allein aufs Tor zu, umkurvt nicht wirklich konsequent Weidenfeller. Dieser pariert zur Ecke, die ein Eintracht-Spieler knapp links vorbei köpft.


16.24 | 18.12.

Nach 30 Minuten finden sich endlich Gründe dem Spiel mehr Aufmerksamkeit zu schenken als der Kälte. Die Eintracht mit drei guten Torchancen, aber kein wirklicher Drive. Kurz vor Halbzeit folgt ein Dortmunder Schlussspurt. Daraus resultierend: Ebenfals drei Gelegenheiten, alle inkl. Sahin. Jetzt 900 Sekunden Aufwärmen.


16.35 | 18.12.

Bender raus, da Silva rein. Grund kann nur eine Verletzung sein. Meine Sitznachbarn trinken noch Äppler, beginne die 2. Halbzeit Solo.


16.47 | 18.12.

Der Schiedsrichter Deniz Aytekin darf sich übrigens ab 2011 FIFA-Schiedsrichter nennen (Quelle: DFB).


16.51 | 18.12.

Dortmund wird wechseln. Lewandoski zieht Trainingsklamotten aus, wahrscheinlich für Barrios.


16.52 | 18.12.

Ups doch falsch gesehen. Kuba ist es, der für Kagawa reinkommt.


17.02 | 18.12.

Weiterhin ein bemerkenswert schwaches Spiel. Beide Teams spielen ihre Angriffe nicht zu Ende, Stichwort Kältefußball. Klopp mit dem letzten Wechsel (diesmal wirklich Lewandowski/ Großkreutz raus), Skibbe hält seine Reservejungs ganz konservativ mit Laufen warm.


17.09 | 18.12.

Die offensive taktische Grundordnung im BVB-Mittelfeld jetzt: #Götze #Lewadowski #Kuba

Tzavellas verlässt das winterliche Grün. Mit Fenin richtet Skibbe die Frankfurter offensiver aus.


17.15 | 18.12.

Synchron zur 1. Halbzeit vergibt Barrios kurz vor Schluss. Gekas macht es im Gegenzug besser: 1:0 Eintracht Frankfurt.


17.24 | 18.12.

Dortmund hält sich an die Mainstream-Medien-Vorberichte und verliert nach 10 Jahren wieder ein Bundesligaspiel. Verabschiede mich kurz, muss den PK-Raum finden, könnte mich ja wieder verlaufen. Eventuell gibt es später noch einen Nachtrag aus dem Zug nach Berlin.


20.54 | 18.12.

Die Eintracht hat für Bundesliga-Verhältnisse eine ungewöhnlich große Mixed-Zone. Eine echte Herausforderung für die Kollegen beim Stimmenfang. Viel Trubel, sehr unübersichtlich.

Bei der PK stand ich neben BVB-Pressesprecher Josef Schneck. Vor ein paar Jahren habe ich mich bei ihm (BVB-Öffentlichskeitsarbeit) um ein Praktikum beworben, war aber die nächsten 2 Jahre ausgebucht. Jetzt freue ich mich über die Absage von damals, wäre sonst vielleicht in die Vereinsspur geraten. Nee, nee. Auf der Journalisten-Seite fühle ich mich wohl.



Klopp und Skibbe waren sich in der Analyse einig: Unentschieden wäre in Ordnung gewesen. Dann folgte die Schlüsselminute, in der Barrios vergab und Eintracht erfolgreich konterte. Beide Teams sind mir ihren Hinrundenbilanz glücklich. Die Winterpause scheint für den BVB genau richtig zu kommen. Nur eine Nachfrage. PK beendet.

Etwa 90 Minuten nach Spielende warteten immer noch 5 japanische Kollegen in der Mixed-Zone auf Shinji Kagawa. Ob er zu dem Zeitpunkt nicht schon längst im Mannschaftsbus gen Dortmund saß?


23.53 | 26.01.

Die RFEC hat also gesprochen und sich für ein „poltisches Urteil“ entschieden. Anders kann ich diese halbherzige Entscheidung nicht interpretieren. Für einen Freispruch wäre der öffentliche Druck zu groß gewesen. Bin wirklich auf die Begründung des spanischen Sportverbandes gespannt, warum man AC nicht zu vollen 2 Jahren verurteilt. Ein Kronzeuge war er nun wirklich nicht.


Wie geht’s weiter?

  • • Freitag 16:00 Uhr wird sich AC gemeinsam mit Bjarne Riis auf einer PK äußern
  • • AC hat theoretisch 10 Tage Zeit das Urteil anzufechten
  • • RFEC fällt bis zum 9. Februar finales Urteil
  • • Der Weg zur CAS ist wahrscheinlich. Entweder durch AC (Ziel: Keine Sperre) oder durch die UCI bzw. WADA (Ziel: 2 Jahre).

  • 00.30 | 27.01.

    Der Tourtitel von 2010 wird AC bei endgültiger Urteilsverkündigung aberkannt werden. Sein Nachfolger wäre Andy Schleck, der mit seinem Bruder ebenfalls fleißig Geschichte geschrieben hat. Passt also wunderbar ins Bild der vergangenen Toursieger (siehe DOPINGsucks).


    Bleibt es bei dem einen Jahr, dürfte AC übrigens nach der Tour wieder ins offizielle Renngeschehen eingreifen. Die Hälfte seiner Sperre hätte er bereits abgesessen.


    Leseempfehlung:
    Thomas Kistner über die WADA, die jetzt beweisen soll, ob sie unabhängig agieren kann.


    Zum Abschluss darf sich AC persönlich zu Wort melden. Hier plädierte er bereits während der Tour 2010 auf Unschuld. Schließlich konnte er nicht ahnen, dass er sich unsportlich verhält…
    [Hinweis: Video bricht embedded leider nach ein paar Sekunden ab. Bis ich den Fehler gefunden habe, bitte direkt auf YouTube anschauen.]



    So goodnight.


    09.26 | 27.01.

    Morjen. Noch ein Nachtrag zur oben aufgeführten Toursiegerliste. Dort wird mit Carlos Sastre nur ein Toursieger aufgeführt, dem bislang kein Dopingvergehen nachgewiesen wurde. Ausgerechnet ihn werden wir dieses Jahr bei der Tour nicht sehen können, da sein neues Team GEOX-TMC vergangene Woche etwas überraschend keine Wildcard-Einladung erhalten hat.


    11.09 | 27.01.

    Gestern Abend bin ich noch davon ausgegangen, dass AC bei einer 1-jährigen Sperre theoretisch in diesem Jahr wieder alle Rennen nach der Tour bestreiten dürfte. Andrew Hood hat sich auf Velonews ebenfalls seine Gedanken zum Einstiegsdatum gemacht. Seine wichtige Anmerkung:

    „Contador has not raced since winning the 2010 Tour de France on July 25, but a lag time between Contador’s alleged offense — on the Tour’s second rest day on July 21 — and the date he was notified of his doping offense will come into play. This question becomes particularly important bans are typically pegged to the date of official notification. According to several reports, Contador was not officially notified until August 23 or 24. There are other reports that say that the official UCI notification didn’t come until as late as September 30.“

    Falls der Beginn der Sperre auf den 30. September 2010 datiert werden sollte, könnte AC in 2011 keine der drei großen Rundfahrten fahren. Die Vuelta beginnt bereits am 20. August.


    19.03 | 27.01.

    Jetzt hat sich die UCI doch zu Wort gemeldet. Der Inhalt der Pressemittelung war absehbar. Die 1-Jahres Sperre von Contador ist natürlich noch nicht final:

    27.01.2011
    „Following the confusion generated by yesterday’s announcement by the Spanish Cycling Federation (RFEC) on the case of Alberto Contador – particularly concerning the „interim decision“ of which the rider was notified – widely covered by the media, the UCI is obliged to clarify that this information cannot in any way be considered as an anticipation of the definitive decision in the case.
    To date, Alberto Contador has not received a sanction and the UCI still awaits – in accordance with the provisions of its own regulations and those of the World Anti-Doping Code – to be informed of the decision of the RFEC Disciplinary Commission that should be provided as soon as possible.
    The document that was forwarded to the UCI this afternoon by the RFEC only represents one element of the disciplinary proceedings undertaken by the Spanish Federation – and upon which the rider may express an opinion before being subject to the ruling – and cannot be used for the purpose of a potential appeal to the Court of Arbitration for Sport (CAS) in Lausanne.
    Only the definitive decision, that must be issued by the RFEC, can fulfil this purpose – within the time period established by the regulations – for the UCI, for WADA and for the rider himself.
    Considering the major media interest in the case, the UCI regrets the inappropriate speculation that has characterised the proceedings and expresses its desire that this affair be drawn to a conclusion in an orderly fashion.“
    UCI Press Service


    Die UCI wartet auf den RFEC. Der RFEC wartet auf Contador. Die WADA weiß auch noch nicht. Der CAS könnte vorsorglich schon mal den Dienstplan erstellen. Wer, Wann und Wie lange? Ich wollte erst selbst ran, wurde freundlicherweise aber dann von Niclas Hellberg beim Bau dieser kleinen Grafik unterstützt:



    Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die WADA überhaupt zur CAS gehen kann. Wer weiß Bescheid? Wer darf alles vor die CAS ziehen?

    Keine Angst. Ich werde hier nicht bis zum finalen Urteil des obersten Sportgerichthofes live bloggen. Morgen Abend nach den Wortmeldungen von Contador & Riis soll erstmal Schluss sein.


    10.28 | 28.01.

    Ein paar Lesetipps am Freitag-Vormittag:
    • Die L’Equipe hat Tourdirektor Christian Prudhomme interviewt (englisch via google translate).
    Cyclingnews hat bei McQuaid nachgefragt, ob SaxoBank durch den Dopingfall Punkte im UCI-Ranking von 2010 verlieren könnte und dadurch ggf. keine ProTour Lizenz für die jetzige Saison erhält. Die Antwort des UCI-Präsidenten: „The ProTeam points will stay the same“.
    • Tatsächlich gibt es mit Richie Porte einen Fahrer im Contador Team SaxoBank, der von einer Sperre profitieren könnte und daraus keinen Hehl macht. Schließlich könnte er zum neuen Kapitän aufsteigen (via velonation).

    Eine große Überraschung werden wir heute Nachmittag 16:00 Uhr auf Mallorca in der Pressekonferenz wohl nicht erleben. Ein plötzliches Coming Out von AC ist undenkbar. Warum sollte er auch? Ein Jahr Sperre verkraftet er in seinem Alter locker. Gut die Geldeinbußen von 3,1 Millionen Euro wiegen schwerer, sind bei seinen bisherigen Einnahmen wohl verkraftbar.

    Auch von Bjarne Riis darf man keine neue Strategie erwarten. Seine halbherzige Einstellung zum Thema Doping hat schon vor Jahren im Zuge der T-Mobile Affäre sein erzwungenes Dopinggeständnis offenbart. Er braucht Contador in dieser Saison und wird mit ihm gemeinsam um das Startrecht kämpfen. Sonst wird es eng an die Erfolge der letzten Jahr anzuknüpfen und Hauptsponsor SaxoBank könnte sein Interesse verlieren.

    Es riecht also weiterhin nach einem Rechtsstreit in Richtung CAS.


    17.00 | 28.01.

    PK neigt sich dem Ende entgegen. Livefeed, Twitter-Comments, VeloNews-Ticker.

    Die Quintessenz: Contador wird das Urteil des RFEC wie erwartet anfechten und will seine Unschuld beweisen.

    Ab zum Kundentermin… später mehr.

    Nein. Eigentlich gibt es nichts mehr zu sagen. Es ist das altbekannte Spielchen. Die Dopingsünder drehen den Spieß um. Nein, nicht Contador hat betrogen, sondern er selbst ist Opfer des Systems. Ein System, in dem unschuldige Sportler verurteilt werden. Wer kann erahnen, dass Clenbuterol im Fleisch ist? Wer hat das Zeug in meine Zahnpasta getan? Irgendwer muss mir beim Tanzen Drogen in den Drink gemixt haben… Taschentuch raus. Schnüff.


    21.24 | 02.07.

    So ein richtiges Liveblogging wird dort schwieriger als erwartet. Tagsüber bleibt kaum Zeit, hoffentlich beruhigt sich das bald, könnte mein Zeitmanagement hier auch noch effektiver gestaltet. Ein paar Gedanken zum Sturz-Tour-KickOff:


    1. Die Tourfans
    Die Menschen vor Ort haben mich schwer beeindruckt. Die Radsport verrückten Fans werden ja jährlich hervorgehoben, aber heute habe ich es hautnah erlebt und bin wirklich fasziniert von den vielen Leuten, die bereits 3-4 Stunden vor Ankunft der Fahrer den kompletten Schlussanstieg bevölkert haben und in der knalligen Sonne ausharren. Wie wird es in ein paar Tagen in Alpe d’Huez werden?




    2. Die Temposünder
    Der Weg heute morgen nach dem Start in Richtung Ziel war schon ein kleines Happening, ein echtes Wettrennen. Auf der Autobahn ging es hoch her. Jedenfalls in meiner Phantasiewelt. Es tummelten sich nur Tourwagen auf der Rennstrecke. Ich lieferte mir ein spannendes Duell mit dem Katjuscha Rennbus, gab dann aber bei Tempo 150 (+20 km/h über dem erlaubten Limit) auf, erreichte aber noch vor Saxo Bank, Leopard Trek und den Eurosport Kollegen das Ziel. In your Face!




    3. Der Contador Rückstand
    Sind wir doch ehrlich. Der Sturz von Contador wird dieser Tour richtig gut tun. Mit einer eher Berg orientierten Mannschaft und der Schwäche als erste Mannschaft starten zu müssen, wird AC morgen weitere Zeit verlieren und mit bestimmt 2 Minuten Rückstand in die Berge gehen. Dort wird er auf Attacke fahren. Sein Start bleibt eine Farce, aber aus rein sportlicher Perspektive wird die Tour jetzt auf jeden Fall interessant.


    4. Die Teamtaktik
    Wie oben schon erwähnt muss Saxo Bank morgen als erstes starten, was bei einem Zeitfahren immer als Nachteil zu werten ist, da die Konkurrenten noch keinen Zeiten zur Orientierung vorgegeben haben. Je später man starten darf, desto leichter fällt die Kontrolle über das Rennen. Als Grundlage für die Startreihenfolge dient die Mannschaftswertung, bei der täglich die besten 3 Fahrer gewertet werden. Bei der heutigen Etappe hat beispielsweise das Team BMC von Cadel Evans auf ein erfolgreiches Finale geachtet, was später auch gelang. Dazu folgt gleich ein kurzer O-Ton mit Marcus Burghardt, der übrigens seit zwei Tagen als einer der wenigen deutschen Radprofis via Twitter kommuniziert.


    22.00 | 02.07.


    14.47 | 03.07.

    Schreibe täglich eine Twitterschau für ZDF-Online, indem die Top-Themen aus dem Fahrerfeld abgebildet werden. Hier ist die Zusammenfassung der gestrigen Etappe.

    Jetzt schnell 200m rüber zur Aufwärmzone. Statements einfangen.


    20.35 | 03.07.

    Musste gerade lachen, als ich meine letzte Nachricht gelesen habe. Schnell und 200m war wohl nichts. Habe mich lange, lange durch die Zuschauer, Streckenabsperrungen und in diverse Himmelsrichtungen gekämpft. Die wilden Contador Jungs sind mir dennoch vor die Kamera gefahren. Kein Tag ohne Alberto!


    20.56 | 03.07.

    Abendgedanken.

    Der MZF Plan
    Mit knapp einer halben Minute Rückstand auf den Sieger ist die Contador Crew im maximal möglichen gefahren, war eine ordentliche Leistung der Kletterer. Andere Mannschaften haben deutlich mehr als erwartet verloren. Sanchez (Euskaltel) kann sein Podium jetzt schon abschminken. Ivan Basso (Liquigas) verliert 53sec. auf Evans.

    Das Gelbe
    Die Deutschen Medien hätte es sich so gerne gewünscht, um wieder etwas mehr positive Aufmerksamkeit auf die Tour zu lenken. Aber in allen drei Teams lief es einfach nicht gut: Der frühe Sturz von Eisel kostete Martin am Ende die entscheidenden Sekunden. Bei den Teams von Gerdemann und Klöden fehlte der letzte Punch. Jetzt trägt es Thor Hushovd und wird es morgen auch behalten. Am Dienstag beim Anstieg zur Mur-de-Bretagne muss er das Ding aber erstmal verteidigen.


    11.37 | 04.07.

    Die Twitterschau zur 2. Etappe steht auf zdf.sport.de online.


    12.20 | 04.07.

    Bin jetzt endlich auch dauerhaft übers iPhone online, Yes wichtig. Mittlerweile im Zielort Redon angekommen. Ich bin die letzten 30km der heutigen Strecke abgefahren, ist hügeliger als man denkt. Dazu erneut das faszinierende Bild: Viele Menschen sitzen bereits Stunden vorher an der Straße und genießen. Was? Das Hier und Jetzt.


    22.58 | 04.07.

    Heute schließe ich den Tag mit keinem langen Text, sondern einer kleinen Bilderserie. Ich habe mich beim ersten Massensprint dieser Tour unter die Zielfotografen gemischt. Mit nicht ganz so vielfältigen technischen Möglichkeiten ist die folgende Bilderserie entstanden:













    23.12 | 04.07.

    Nach drei (oder vier?) Nächten in Nantes beginnt jetzt erst die wirkliche Reise durch Frankreich. Jede Nacht geht es in ein anderes Hotel. Die neue Location ist ein wirklicher Traum. Ich empfehle euch das Dörfchen Plouharnel in der Bretagne. Richtig süß, keine Touristen und direkt an der Atlantikküste. Die Muscheln waren lecker. Jetzt noch Twitterschau schreiben. Good Night.




    20.28 | 05.07.

    Oh ja das Landesinnere der Bretagne ist wirklich schön, bin ganz überrascht. Nach den sportlichen Aufnahmen von gestern folgen heute echte Naturkracher.







    20.46 | 05.07.

    Hier ist es allerdings auch deutlich kühler als in den letzten Tagen an der Küste und im Vendée Departement. Passender Zeitpunkt eine Lehrgeld-Liste zu erstellen. Dinge, die ich bei meiner nächsten Tour besser oder gar nicht mehr mache:

    1. Nur Sommerklamotten einpacken. Da werde ich in den Alpen noch leiden müssen. Keine Regenjacke, keine Gummistiefel… ohoh.
    2. Timing. Optimistisch der Zeitplanung des Navis vertrauen. T -1 Stunde ist seit gestern meine Richtlinie.
    3. Ohne Orientierung „rüber“ zu den Mannschaftsbusen laufen. Beim MZF in Les Essarts habe ich bestimmt eine halbe Stunde mit der Suche nach den Fahrern verbracht und anschließend die selbe Zeit benötigt, um den Ort auch wirklich zu erreichen.
    4. Bei der Anfahrt zum Start einer Etappe den PPO ignorieren, einen kleinen Punkt auf der täglichen Etappenkarte. Wer ihn nicht ansteuert, findet nur schwer den Eingang zum Etappenort und darf cruisen bis zum geht nicht mehr.

    to be continued….


    21.15 | 05.07.

    Zum Sportlichen. Fast alles für die Tonne, aber die letzten Kilometer haben es gerissen. Nicht nur mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass Contador heute attackieren wird. Nicht um Zeit gut zu machen, sondern einfach nur Muskeln spielen zu lassen und sich trotz frühen Rückstandes in Erinnerung zu rufen. Etappensieger Evans wirkt aktuell bärenstark. In den längeren Etappen wird seine Form bald auf Blut und Bein geprüft werden.



    Diese ersten kleinen Prüfungen unter den Favoriten haben in der Vergangenheit schon öfters den späteren Weg im Hochgebirge vorgezeichnet. Stand heute sieht es für Andy Schleck dann gar nicht mehr so gut aus. Sein Bruder Frank könnte doch ein bedeutenere Rolle spielen, als von mir angenommen. Ein Foto muss ich jetzt doch noch raushauen. Auf dem Bild von links nach rechts: George Hincapie (Edelhelfer, 16x Tour de France Teilnehmer, 14x beendet, Ex-Begleiter von Armstrong), Andy Rihs (Co-Owner BMC und alter TM von Floyd Landis) und Cadel Evans.


    21.22 | 05.07.

    Die Twitterschau zur letzten Etappe steht natürlich auch schon längst online.


    22.30 | 06.07.

    Ich kann hier leider nur über das iPhone online gehen. Bei dem schönen Apartment heute verzichte ich aber gerne auf die WWW-Rundum-Betreuung.

    Heute morgen war Foto-, Video- und primär Recherchezeit. Sind ein paar schöne Geschichten dabei. Ich warte mal ab, was wir im ZDF davon verwenden, ergänze die Pakete dann hier. Unter anderem habe ich versucht mit Andreas Klöden zu plaudern. Ich spreche bewusst von plaudern, auf ein Interview wollte ich noch gar nicht hinaus. Deutliche Abfuhr. Der Junge ist saukalt und deswegen extrem interessant. Ich habe mir vorgenommen in den kommenden Tagen jeden morgen auf ihn zuzugehen bis er mit mir eine Unterhaltung führt. Ohne Kamera, Diktiergerät, kein Stift und Schreiblock. Mich zunächst einfach nur interessieren wie es ihm geht. Habe ihn auf Twitter darüber informiert. Hoffe es klappt!

    Wenn die iPhone-Datenleitung es zulässt, folgen gleich noch ein paar Bilder von Carhaix. Ach ja. Im Startort habe ich heute morgen meine Akkreditierung verloren, vermutlich beim Regenguss und ins Auto stürmen. Heute Nachmittag, über 100km weiter in Cap Frehel, kehrte sie wie von Geisterhand um meinen Hals zurück, ARD-Kollegin hatte sie auf der Straße gefunden und mitgebracht. Fetten Dank an die Produktion und Finderin.


    22.32 | 06.07.

    Nachgetragen: Meine Twitterschau zur 4. Etappe auf ZDF-Online.


    22.54 | 06.07.















    11.59 | 07.07.

    Twitterschau zur 5. Etappe steht online.

    Und Klöden hat geantwortet und ich bleibe dran.


    22.27 | 07.07.

    Grüße aus Le Mans, habe gerade schon einen ersten Blick auf die Rennstrecke geworfen. Zufälligerweise habe ich mir in diesem Jahr meine ersten Livebilder vom 24h Rennen reingezogen inklusive dem fiesen Crash. Bin gar nicht Motorsport interessiert, aber das Rennen hat irgendwie seinen Charme, geht schön auf die Kondition.


    08.34 | 08.07.

    Ich habe mir mal ein Vimdeo+ Account zugelegt und kann euch jetzt endlich Videos zeigen, die ich vor zwei Tagen im Tour de France Village aufgenommen habe. Das Village ist die Kontaktbörse der Tour und wird an jedem Etappenstartort aufgebaut. Dort treffen sich VIPs, Journalisten und Fahrer vor dem Start, um News auszutauschen oder einfach Business zu machen. Bevor ihr weiterlest, könnt ihr das untere Video starten und mit der Mucke in die Stimmung des Village eintauchen.



    Natürlich sind die Speisen und Getränke hier for free. Ist ne Mischung aus nerviger Messeamtosphäre und 20er Ambiente. So richtig entspannen kann ich mich dort nicht. Zum Menschen beobachten aber sehr gut geeignet. Vor der Tour habe ich mir für meine Flipcam ein paar Objektive besorgt. Mit einem habe ich bei den folgenden Rundgang durchs „Dorf“ aufgenommen. Das Objektiv ist aber leider nicht richtig fixiert. Die Bilder schauen ein wenig nach „Fear and Loathing in Las Vegas“ aus, like it.


    09.52 | 08.07.

    Embedding der Videos scheint nicht richtig zu funktionieren, schaue mir das heute Abend an. Bitte schaut euch die Videos solange direkt auf Vimeo an (unten rechts auf den Button klicken).


    10.04 | 08.07.

    Ich bin übrigens weiterhin auf der Suche nach Paul Kimmage. Er könnte noch hier sein, hat vor zwei Tagen ein großes Interview in der Le’Equipe gegeben und seine altbekannten „Armstrong ist der Krebs für den Armstrong“ These neu aufleben lassen.


    12.26 | 08.07.

    Ich habe zwei Statements von Klöden zugerufen bekommen. Inhalt ist zweitrangig. Wir machen Fortschritte. Der Weg zum richtigen Interview ist noch verdammt steinig.


    17.33 | 08.07.

    Bitter Wiggins. Zum Trost die Twitterschau der gestrigen Etappe, die sein Teamkollege gewann.


    23.20 | 08.07.

    Ich habe mich wieder unter die Fotographen in der Zielankunft gemischt.





    Übrigens entsteht hier gerade ein interessante Wandel in der Touröffentlichkeit bezüglich Contador. Von den Pfiffen bei der Eröffnungsfeier ist nichts übrig geblieben. Der Neu-Vegetarier profitiert vom Mitleid-Effekt, der durch seinen frühen Sturz und den Zeitverlust entstanden ist. Momentan rollt er ganz unscheinbar durchs Feld. Morgen wird das anders.



    Heute morgen am RadioShack Bus habe ich bei Klöden mit Ach und Krach eine Antwort herausgequetscht, ob er die Kapitänsrolle übernimmt. Natürlich hat er das verneint. Ein paar Stunden später nach einem weiteren Sturzdesaster hat ihn sein Team ganz offiziell in einer Pressemitteilung zum alleinigen Kapitän ernannt. Jetzt wird es richtig interessant.




    10.32 | 09.07.

    Habe das falsche Profil-Video eingebunden, kann ich vom iPhone leider nicht revidieren.


    10.38 | 09.07.

    Und ich spreche von einem 2er Schlussanstieg, ist aber ein kurzer knackiger 3er, der 2er ist der vorletzte Anstieg… bissle durcheinander heute, sorry!


    15.17 | 09.07.

    „Es gibt ein paar Vollidioten im Peloton“ – G. Thomas & Co in der Twitterschau zur 7. Etappe.


    15.25 | 09.07.

    Update: Video mit Etappenvorschau stimmt jetzt!


    23.08 | 09.07.

    Liveblog bleibt heute in der Schmaldpurvariante stehen. Erstmal Schlaf pumpen. Nächsten Tage sind ruhiger (Weniger reisen, Ruhetag, 2x ARD-Sendetag). Goodnight.


    15.43 | 10.07.

    Unheimliche Atmosphäre eben im Pressezentrum nach den furchterregenden Bildern von Winokurow, Van den Broeck & Co: Erst ein Riesenaufschrei, dann total Stille. Was passiert hier nur? Warum scheiden so viele Kapitäne aus? Welche eindeutigen Mannschaftsführer sind eigentlich noch drin?

    Contador (noch, stürzt jeden zweiten Tag)
    Schleck+Schleck
    Sanchez
    Van Den Broeck
    Gesink (mehrmals gestürzt, kann kaum noch fahren, baldige Aufgabe?)
    Vandevelde + Hesjedal (mehrmals gestürzt, zu viel Zeit verloren)
    Winokurow
    Brajkovic+Horner+Leipheimer+Klöden
    Basso
    Roche
    Wiggins
    Evans
    Cunego
    Martin


    17.10 | 10.07.

    So ein Massaker habe ich noch nie bei einer Tour erlebt, Riesenmist.


    19.46 | 10.07.

    Astana Pressemitteilung zu Winokurow:
    „MEDICAL INFO – ALEXANRE VINOKOUROV
    After his crash, Alexandre Vinokourov has been transported to hospital in Aurillac. He did x-rays which revealed: A fracture of the head of the right femur. There is currently having additional scanners. He will be transferred in a few hours by helicopter to Hospital La Pitié Salpetriere in Paris. He will have surgery tonight by Professor Yves Catonne, Head of Orthopedic and Traumatology service. More information to come soon!“


    19.54 | 10.07.

    Klöden wird wahrscheinlich die Tour beenden müssen, sagt man hier, finde als offizielles Statement bisher nur Bruyneel: „When it rains, it pours I guess… @andykloedi to the hospital for X-rays after a bad crash.“


    19.57 | 10.07.

    Rolle rückwärts, Bruyneel: „Big bruises on lower back for @andykloedi. X-Rays say nothing broken. Ufff…“


    00.13 | 11.07.

    Die ASO hat eine Pressemitteilung als Reaktion auf den Fahrfehler des TV-Journalisten herausgegeben:
    „As a consequence of the accident – whose victims were Spanish rider Juan Antonio Flecha and Dutchman Johnny Hoogerland -, that occurred on the road of the Tour and which was caused by a following car, the Race Direction wishes to remind everybody that the safety measures must be strictly respected. Those were explained on the eve of the Grand Depart in Vendee and they have been reminded every day during the stage to all the vehicles present in the race through Radio-Tour.

    The concerned vehicle previously received the order from the race Direction not to pass and let Europcar team manager goes to the break to give Thomas Voeckler the bottle he was asking for. They did not take that order into account and went their way, which caused the crash of both riders. Such a behaviour is intolerable.

    The Race Direction decided to once and for all exclude both the vehicle and his pilot.

    The Race Direction wishes to remind that the cars of the Team Managers always have the priority upon all the other vehicles in the race.

    Riders and spectators’ safety must remain the absolute priority. Any refusal to obey the orders given by the Race Direction will automatically end in a definitive exclusion of the vehicle at fault.“

    Sehr minimalistische Konsequenzen der ASO. Kein Wort zu den fehlenden Hinweisen bei der Wino/ Van den Broeck Kurve… Da gibt es noch einiges zu besprechen. Ich bin sehr auf die morgigen Pressekonferenzen gespannt und habe mein Reiseplan dementsprechend angepasst. Morgen werde ich einen 160km Schlenker 11h zu Omega-Pharma Lotto ins Hotel unternehmen.


    00.29 | 11.07.

    Astana hat ein ausführliches Update geschickt. Ich veröffentliche diese Pressemitteilung ungekürzt, denn die Statements der Fahrer mit der Situationsbeschreibung haben es in sich:
    „Positioned at the front of the pack, the leader of the Astana team, Alexandre Vinokourov crashed during the descent of the Col de Pas de Peyrol. After 110km of racing, he made a long crash on the right side on the road and is driven into a ravine. He remains conscious but can’t get up. His teammates helped him to go back aside the road, but he was forced to abandon the race. He was has been transported to hospital in Aurillac. He did x-rays which revealed: A fracture of the head of the right femur. He will be transferred this evening to Hospital La Pitié Salpetriere in Paris. He will have surgery tonight by Professor Yves Catonne, Head of Orthopedic and Traumatology service.

    Alexandre today, had to make hasty farewell to the roads of the Tour de France. He says „I never expected such a dramatic end on the Tour de France. This is a terrible disappointment to me, I am so sad tonight. But I want to reassure me by telling me that it could have been much worse. The injury will stop me for quiet a long time, and I will follow the Tour on television to support the entire Astana team. I know my friends of the team won’t forget me and they will do everything to win at least one stage. “

    Dimitry Fofonov was also involved in this crash and he ended up in the ravine, a few meters near Alexandre. He didn’t suffer from any serious injuries, so he helped his leader to go back on the bottom side of the road. He said „We were well placed in the bunch, the pace was fast in the pack, and Garmin Cervelo and OmegaPharma-Lotto hardened the pace to take benefit of the descent to reduce the gap of the breakway. The floor was a bit wet and we arrived to a very tight left turn. Ahead of us, they took a wrong trajectory, Thor Hushovdt began to take his shoes off, a rider from Lotto just ahead of us wanted to cut a little to the left, whereas with Alexander we took the turn wide. The Lotto rider slipped and started to take us with him, and we found ourselves faced with a concrete column. We braked to avoid it and were forced to drop into the ravine. Alexander really hasn’t been lucky, he was ahead of me and he was stopped in its fall from a tree. I’ve crashed down and I got up immediately, I felt I had nothing serious. I told Alexander, „Come on, we go!” He answered, “ Wait, not now, I think I have something broken!“. So I came up to him and I wanted to lift him, but he was afraid that we make a bad move that could make him worse. I then saw the ambulance arrive at the top, next to the road and called for help. Remy Di Gregorio and Andry Grivko. who came down and helped Alexandre to go on the road, holding on their shoulders. At this point, we realized that Alexander could not continue. We went back directly on the race with the adrenaline but then we realized and it’s really sad! Falls, it’s part of the race, it’s part of our sport, but today, we lose our leader, it’s not easy to accept. “

    French Remy Di Gregorio was one of the first on the scene of the crash, he explains, „When I arrived, I really believed that Alexander was going to return to the race, I really hoped that, I could not believe it would end this way. But when we helped him to go up and we saw that he could not walk we understood. When we returned on our bikes, the first 10 km have been hard, we were still in shock. This kind of event shows that cycling is really a dangerous sport, I don’t want to overdo it, but sometimes we risk our lives. It’s a shame for the team because we had worked around him. And it’s sad for Alexandre, because he is a great person and for his last Tour, he deserved to finish in another way, he really had no luck. But we will continue the Tour de France to honor the team and Alexandre. „


    00.37 | 11.07.

    Abschließend drei Bilder aus dem Zielbereich. Tony Martin schien völlig am Ende, ob physisch oder psychisch, schätze beides. Neben ihm stand der ebenfalls verletzte David Millar und schien eine Menge Themen loswerden zu wollen. Schließlich Thomas Voeckler, the happy ending.






    14.22 | 11.07.

    In der neuen Twitterschau habe ich mich hauptsächlich auf die Statements zu den gestrigen Stürzen konzentriert.


    22.55 | 11.07.

    UCI-Statement zur positiven A-Probe von Alexander Kolobnev (Katjuscha). Bin auf dem Weg zum Teamhotel, ist ganz in der Nähe.


    23.26 | 11.07.

    Katjuscha Statement „suspended himself“.


    01.04 | 12.07.

    Skurrile Veranstaltung. Um das Golfgelände respektive Unterkunft der 100% russischen Katjuscha-Mannschaften schleichen diverse Journalisten auf der Suche nach Bilder und Infohäppchen. Drinnen sitzen zwei Katjuscha-Jungs mit Bierchen in der Hand und schreiben die PM zu ihrem positiv überführten Fahrer Kolobnev.

    Tagebucheintrag: Vertraue nicht dem Halbwissengeschwafel der Kollegen, befrage selbst die Primärquelle. Lass dich nicht von der Hektik anstecken, keep cool.

    Morgen wird die hetzerische Medienmeute wieder freigelassen. Der erste Dopingfall bei der Tour. Es hat sich ja nichts verändert, Skandal!


    17.57 | 12.07.

    Heute morgen habe ich ein Interview mit Tagessieger Greipel geführt. Zuvor hat die Pressesprecherin Fragen zu Cavendish verboten. Ich habe trotzdem gefragt und Greipel hat genervt von der Gelegenheit gesprochen, die sich irgendwann für einen Sieg ergeben wird. Ab morgen dürften alle Fragen erlaubt sein.


    16.08 | 14.07.

    Die ersten Fragen wurden bereits beantwortet:
    – Tony Martin kann bereits 7km vorm Gipfel am Tourmalet nicht mehr mithalten, wird bereits nach der ersten Bergetappe keine Chancen mehr auf die Top10 haben.
    – Während Voigt den kompletten Berg von vorne fährt, kann Linus als zweiter Deutscher nicht mehr mithalten, ebenso Teamkollege Fuglsang. Leopard setzt also 100% auf die beiden Schlecks.
    – Voeckler weiter vorne dabei, noch Chancen am Nationalfeiertag in Gelb zu bleiben.

    Mische mich jetzt unter die Basken an der Straße.


    16.39 | 14.07.

    Schlussanstieg is coming… jetzt stellt sich für mich die Frage: Letzen Kilometer zu Ende schauen oder früher raus und Fotos snipern?


    17.50 | 14.07.









    Eine Anmerkung zum letzten Bild: Contador fuhr nach der Etappe ziemlich waghalsig eine Schotterstraße runter, scheint gutgegangen zu sein.



    08.15 | 15.07.

    Sollte das Vimeo-Video wieder nicht im Artikel abspielbar sein, nutzt bitte diesen Direktlink.


    15.53 | 15.07.

    Die Twitterschau zur 12. Etappe.


    15.54 | 15.07.

    Klöden Storyline finished.


    06.23 | 16.07.

    Graham Bensinger ist nach Paul Kimmage der zweite Journalist, der ein ausführliches Interview mit Floyd Landis geführt hat. Das Video wurde erst gestern Nacht veröffentlicht, konnte es mir noch nicht anschauen, aber sind auf jedenfall einige interessante Aussagen enthalten.

    Wer sich die maximale Landis Dröhnung geben will, sollte direkt auf die Page gehen und dort die Einzelclips anklicken. Dort sind noch ein paar mehr Aussagen enthalten, sodass man am Ende auf gut 2 Stunden Material kommt.


    14.23 | 16.07.

    Mein Kollege hat mir den Blog „The Big Picture“ empfohlen. Sensationelle Bilder, aktuell auch von der Tour.


    14.58 | 16.07.

    Meine Tour de France wäre heute vormittag fast beendet gewesen. Nach einem etwas unüberlegten Überholmanöver meinerseits über eine durchgezogene Linie, wurde ich von einem Polizisten angehalten, der sich im toten Winkel versteckte. Gab eine ordentliche Standpauke und der berechtigte Hinweis auf den Vorfall mit Flecha/Hoogerland vor ein paar Tagen. Er versicherte mir, in den kommenden Tagen ein besonderes Auge auf meine Fahrkunstwerke zu werden. Ein weiteres Verkehrsvergehen und ich werde von der Tour ausgeschlossen. Später am Anstieg zum Plateau de Beille bin ich ihm übrigens noch zweimal begegnet, zweimal fiesen Augenkontakt, scheint mich ernsthaft zu beobachten.


    15.04 | 16.07.

    Passend zur Diskussion in den Kommentaren bitte unbedingt den Beitrag von Daniel Drepper zu „Doping im Fußball“ lesen.


    16.06 | 16.07.

    Die Twitterschau zur 13. Etappe steht natürlich auch schon längst auf sport.zdf.de online.


    17.38 | 18.07.

    Bislang nur das bereits Bekannte: Die UCI wird 2012 2011 die „Tour of Peking“ in seinen ProTour Kalender aufnehmen. Das Rennen wird also zu einem Pflichtevent für alle Profiteams. Der Radsportweltverband will nun auch den asiatischen Markt erobern, kennen wir aus vielen anderen Sportarten. It’s all about money. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die chinesischen Fans tatsächlich das Event begeistert an der Straße verfolgen werden. Selbst Pat McQuaid muss Gähnen, als die Peking-Botschaftern zu lügen beginnt: „million of Fans has been wainting for that“


    17.48 | 18.07.

    Die armen Leute hier im Pressezentrum, werden alle durch die PK von ihrer wichtigen Arbeit abgehalten. Wer soll sich da noch konzentrieren!!! Vorschlag für zukünftige UCI-PK’s: Erst die Fragerunde eröffnen, dann Infos aufzwingen.


    17.52 | 18.07.

    Fun fact: Proudhomme ist ein echter Gentleman, verbirgt seine Gähnattacken hinter der Hand. McQuaid ist eher der Cowboy, gähnt lang und weit geöffnetem Mund, kippt immer mehr nach rechts Richtung UCI-Pressqueen, ungewohnt transparentes Verhalten.


    18.22 | 18.07.

    Kurz verlinkt: http://www.tourofbeijing.net/ und UCI Pressemitteilung.


    18.35 | 18.07.

    Anschließende Fragerunde wurde nach der ersten kritischen Dopingnachfrage beendet.


    19.39 | 18.07.

    Zahlenspielchen Update.
    20 Tage in Frankreich.
    ca. 6000km gefahren.
    6 Stunden Schlafdurchschnitt (bleibt)
    0 Autounfälle, aber einmal von der Gendarmerie angehalten.
    0 Joggingmeter.


    19.43 | 18.07.

    Abendlektüre: Twitterschau zur 15. Etappe.

    Die vom Vortag ist allerdings interessanter, habe die Statements von Armstrong zu Voeckler zusammengetragen. Er behauptet:
    „Thomas Voeckler kann die Tour gewinnen. Meine Gründe: Er ist in den letzten Tagen nicht nur am Hinterrad gefahren. Er war einer der Stärksten. Die anderen waren nicht aggressiv genug, um eine Selektion herbeizurufen. Voeckler hat 2:06 Minuten Vorsprung auf Evans. Das finale Zeitfahren ist nur 42 km lang. Er ist Franzose. Er wird keine 2:06 Minuten im finalen Zeitfahren verlieren. Es ist die Tour de France. Zudem hat er seinen Teamkollegen Pierre Rolland, der ihm in Alpe d’Huez helfen wird. Und als letztes. Der Junge kann leiden. Das wird ein Spaß. Genießt es.“

    Er wird wahrscheinlich zum Zeitfahren hier mit seinem Privatjet dazustoßen. Bewusst Timing, kann schön dem neuen Toursieger in Grenoble die Show stehlen. Aktuell fliegt er noch durch Schottland.


    17.41 | 19.07.

    Facts aus dem ZDF-Bericht von Ralf Paniczek, der eben gesendet wurde: Die UCI hat ihren Lieferanten für die Dopingproben gewechselt und ist der Beförderung der Proben nun deutlich eingeschränkt, sodass kaum noch Proben zwischen Donnerstag und Sonntag stattfinden. Die Details könnt ihr euch im Bericht anschauen, den ich hier verlinken werde, sobald er online steht.


    14.05 | 20.07.

    Zwei Linktipps:
    Twitterschau zur 16. Etappe
    Live Daten Page zur Tour mit SRM, Etappenprofil und GoogleMap Integration


    14.24 | 20.07.

    Oha, stehe endlich im Presseverteiler der UCI. Schwere Geburt, aber Grazie Mr. Carpani! Die Pressemitteilung zur positiven B-Probe von Kolobnev kam heute Mittag rein:

    „The UCI communicates that the analysis of the sample B of Alexandr Kolobnev’s urine carried out on Tuesday July 19 has confirmed the result of the adverse analytical finding notified by the Anti-doping laboratory of Châtenay-Malabry following the analysis of the sample A. In accordance with the Anti-doping rules, the UCI will request the Russian Federation to open a disciplinary procedure against the rider.“


    14.35 | 20.07.

    Habe ich gestern schon angekündigt, nur noch nicht verlinkt. Der Beitrag von Ralf Paniczek über die UCI und ihren Kampf um die Glaubwürdigkeit.


    17.03 | 20.07.

    Meine Suche nach einem Fernseher respektive Sender, der die Tour überträgt, wurde leider nicht von Erfolg gekrönt. Ich habe mir die letzten Kilometer noch via iPhone Stream reingezogen. Den ärgerlichen Abfahrt Patzer von Voeckler habe ich also noch gesehen. Wirklich bitter.


    12.05 | 21.07.

    Platz genommen in der Zone Technique, die heute nicht ganz oben auf dem Gipfel liegen kann. Ärgerliche Aktion der ASO und Gedarmerie: Auch die Radfahrer werden nicht mehr auf die letzten 8,5km nach oben gelassen. Es gibt nicht wenige, die nur Radschuhe dabei haben und jetzt auf Socken die letzten Kilometer bewältigen. Schnee liegt hier übrigens nicht mehr. Sonnenschein auf den letzten Kletter-Kilometern.



    12.44 | 21.07.

    Spannender Artikel von Tom Mustroph im Tagesspiegel zum Thema „Radsport der zwei Geschwindikeiten“, ein Ausschnitt binde ich ein, aber bitte komplett lesen, lohnt sich.

    „Für Antoine Vayer, einen Sportwissenschaftler aus Nordfrankreich, der einst das übel beleumundete Festina-Team betreute und nach dem mit diesem Namen fest verknüpften Dopingskandal des Jahres 1998 zu einem Antidoping-Aktivisten wurde, beginnt das „absolut sicher dopingfreie Peloton“ ab Position elf. Den Rang hat der einstige Mountainbiker Jean-Christophe Peraud inne. „Peraud bleibt innerhalb seiner physiologischen Grenzen. Doping ist, wenn man seine Limits überschreitet“, sagte Vayer dem Tagesspiegel. Als eine solche physiologische Grenze des gesunden und trainierten Körpers hat Vayer die Leistung von 410 Watt bei einem mindestens 20 Kilometer langen Aufstieg innerhalb einer fünf Stunden andauernden Etappe des Straßenradsports ausgemacht. Das entspricht ungefähr einer Sauerstoffaufnahme im Blut von 85 ml/min/kg. „Das ist die Grenze“, sagt Vayer. Und aufgrund dieser Berechnungen hat sich in der Vergangenheit auch der dreifache Toursieger Greg LeMond festgelegt und Klettereien bei über 410 Watt als „einfaches Doping“, bei mehr als 430 Watt als „Wunder-Doping“ und bei Überschreiten der 450 Wattmarke als „Mutanten-Doping“ bezeichnet.“

    Wetterupdate: Es beginnt im Ziel zu regnen, aber bleiben ja noch 4 Stunden…


    13.10 | 21.07.

    Als Ergänzung noch der Artikel von Andreas Schulz (Eurosport), der seine aktuelle Doping-Sichtweise auf Radsport-News veröffentlicht hat.


    16.24 | 21.07.

    Diese Attacke hatte Andy Schleck bereits in einem Interview mit der Luxemburger Zeitung angekündigt und war heute auch durch die offensive Fahrweise des Teams klar. Dennoch konnten die anderen Favoriten nicht reagieren, hatten keinen Matchplan. Der Einzige, der die 2:30 auf A. Schleck gerade noch ertragen kann, dürfte Cadel Evans sein. Er hätte aktuell 1:20 auf Andy Rückstand. Wenn er den Abstand um 20 Sekunden verringert, wäre die Minute im Zeitfahren drin. Allerdings steht vorher noch eine Bergetappe an… nungut, genug gerechnet. Jetzt erstmal Galibier.


    22.41 | 21.07.

    Meine Analyse zur heutigen Etappe werde ich morgen früh im Liveblog niederschreiben. Heute gibt es nur noch seichten Content. Ich habe bei meinen Fotos ein besonders Augenmerk auf die Zuschauer gelegt, Fahrer sind aus diesem Grund in der Regel unscharf, achtet auf die Menschen im Hintergrund. Die Atmosphäre hier war gigantisch, kann ich gar nicht beschreiben. Selbst der graue Leipheimer stufte die Crowd als Karriere-Highlight ein:
    The magnitude of the crowds today were only rivaled by the TT up Alp D’Huez in 2004.

    Ob in L’Alpe d’Huez noch einer drauf gelegt wird?











    Mit den Helikoptern werden die VIPs transportiert. Ein paar Fahrer dürfen nach langen Dopingkontrollen teilweise ebenfalls reinspringen. Frage mich, ob Lance in nem Heli oder seinem Privatjet bei der Tour landen wird.



    13.14 | 22.07.

    Schöne Ausblick, hier geht es heute hoch zum Galibier.


    13.16 | 22.07.

    Die Sendung beginnt heute schon 14:05 Uhr, übertragen in diesem Jahr zum ersten mal die komplette Etappe. Livestream: http://sport.zdf.de/


    13.33 | 22.07.

    Noch ein paar Gedanken zur heutigen Etappe, schnell heruntergeschrieben.

    Alle Trikotwertungen sind noch offen. Kann mich nicht an eine Tour erinnern, in der zwei Tage vorm Finale noch so viele Variablen enthalten waren.

    Grün: Gestern konnte das 88-Mann Grupetto das Ziel nicht innerhalb des Zeitlimits erreichen. Fahrer bekamen deswegen jeweils eine 20-Punkte Strafe in der Wertung des Grünen Trikots. Rojas war nicht im Grupetto und konnte deswegen den Abstand auf Cavdendish verkürzen. Sollte heute die identische Situation noch einmal eintreten, würde Rojas Grün erhalten.

    Berg: Nicht unwahrscheinlich, dass der heutige Etappensiege auch das Bergtrikot gewinnt. Heute werden die letzten Punkte verteilt, Wertung steht nach dem Rennen dementsprechend final. Der Toursieger könnte in diesem Jahr auch das Bergtrikot gewinnen.

    Weiß: Zweikampf zwischen Taaramae und Rolland. Der Este ist der deutlich bessere Zeitfahrer, lag im Dauphine Zeitfahrer, welches 1zu1 morgen gefahren wird, knappe 3 Minuten vor Rolland. Wenn er heute keinen Einbruch erlebt, hat er beste Chancen das Weiße in Paris zu tragen.

    Mannschaftswertung hat Garmin save, liegt 10:30 vor Ag2r.

    Weiterer spannender Aspekt dieser Showdown-Etappe: Durch die vielen offenen Resultate und der sehr kurzen Etappe (109,5km) wird es wahrscheinlich ein schnelles und hektischen Rennen werden. Viele Fahrer werden Probleme haben das Ziel innerhalb der Karenzzeit zu erreichen, die so bei 20 Minuten liegen könnte. Wer heute durchkommt, sollte auch Paris erreichen.


    13.48 | 22.07.

    Die letzten 50m…



    13.54 | 22.07.

    Twitterschau zur 18. Etappe steht online.


    14.12 | 22.07.

    Berlin könnte sich 2016/2017 als Tour-Startort bewerben (via SID-Meldung auf Radsport-News).


    15.04 | 22.07.

    Sind die schon am Schlussanstieg????


    15.15 | 22.07.

    Selbst zitieren ist ja immer blöd, wat soll’s. Zitat von heute morgen:
    „Mit einem Blick aufs Etappenprofil hoffe ich, dass der Vegetarier AC heute nicht den Landis macht und zurückschlägt.“


    10.45 | 25.07.

    Das Bild des Toursiegers… sympathisch? ja. Aber ein Zeichen für die Besserung im Radsport? nein. Zu viele ehemalige Phonak Halunken tummeln sich in seinem Team herum und Cadel Evans weigert sich ein klares Anti-Doping Statement abzugeben (Andreas Burkert, süddeutsche).


    10.49 | 25.07.

    Eine letzte Meldung bevor ich meine Tour-Berichterstattung beende. Laut der Süddeutschen Zeitung soll laut Bob Stapleton das Sponsoring Problem gelöst sein: „Ich habe nun zwei Optionen, wir gehen sogar von einem Dreijahresvertrag aus, und wir werden ein größeres Budget haben“


    10.52 | 25.07.

    CAS-Zeitplan im August:
    – 1.-3. Fall Alberto Contador
    – 22.08. Fall Jan Ullrich

    Werde nicht darüber berichten können, aber Termine dürft ihr euch dennoch rot anstreichen.


    11.17 | 02.10.

    [ Daniel]

    Gunter Gebauer, Jens Weinreich – und ich im Zug. Zur Vorbereitung lese ich nochmal Jens’ Text über Richard Pounds Forderungen an den korruptionsbekämpfenden Sport. Er schreibt: “Ich bin überzeugt, dass Richard Pound am Montag (3. Oktober) in Köln am ersten Tag der Konferenz Play the Game die beste Rede halten wird, die je ein hochrangiger Sportfunktionär zum allgegenwärtigen Korruptionsthema abgeliefert hat. Pound stellt die Existenzfrage. To be or not to be.”

    In den Kommentaren dort wird auch auf dieses Blog hingewiesen, dass auf den ersten Blick interessant wirkt.


    12.35 | 02.10.

    [ Anja]

    Nach großen, salbungsvollen Worten von Michael Vesper, dem Generaldirektor des DOSB, zur gesellschaftlichen Bedeutung des Sports und großen Worten zum DOSB selbst („Olympische Spiele 2018 in Deutschland wären klimafair gewesen!“) und der Dopingbekämpfung im Sport („Es wurde ein ausgeklügeltes System zur Erfassung und Bestrafung der Übeltäter geschaffen. Der Abstand zwischen Betrügern und Verfolgern ist kleiner geworden, davon bin ich überzeugt.“) steht eine Konferenzteilnehmerin auf und geht.
    Nicht weit, sie rollt eine lila-rote Matte aus und legt sich hinter den Stuhlreihen auf die Matte auf den Boden und hört von dort aus zu. Wahrscheinlich leichter so, diese Dinge richtig wirken zu lassen.


    12.45 | 02.10.

    [ Jonathan]

    Daniel wird es schon viel besser gehen, schließlich wurde er heute morgen von Jens Weinreich mit seiner hervorragenden Liveberichterstattung vom Sportausschuss für den Wandel in der Sportberichterstattung erwähnt. Die Zeiten der oberflächigen und oftmals fehlinformierten Agenturen ist vorbei. Jeder Journalist kann sein eigenes Massenmedium mit seinem Spezialgebiet etablieren.

    Nun gut, noch bin ich frisch rasiert. Ende der Woche wird sich das Erscheinungsbild ändern, Stichwort unseriöser Bartwuchs. Nach den morgendlichen Referaten und anschließender Q&A sitzen Anja und ich jetzt im Workshop „Korruption statt Katharsis: In den Tiefen der geheimen Sportdiplomatie am Beispiel des Fußballweltverbandes FIFA.“ Ausführlichere Texte folgen später. Ab 15h wird der Deutschlandfunk die Veranstaltungen im Podium wieder als Audio-Stream anbieten. Wir leben, Texte folgen.

    Zentral auf dem Bild Astrid Rawohl (DLF) und Thomas Kistner (SZ):


    12.54 | 02.10.

    [ Anja]

    „Es gibt gar keine Hoffnung“, sagt Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung. Ein Teilnehmer des Workshops „Korruption statt Katharsis: In den Tiefen der geheimen Sportdiplomatie am Beispiel des Weltfußballverbandes FIFA“ hat aus Kistners Berichterstattung zum Duell zwischen Sepp Blatter und Mohamed bin Hammam um den Posten des FIFA-Präsidenten herausgehört, dass Kistner Hoffnung hatte, Bin Hammam würde die Zustände ändern. „Es gibt gar keine Hoffnung“, sagt Kistner also und wippt mit dem Fuß. „Die FIFA ist Blatter.“

    Die Teilnehmerin mit der lila-roten Matte steht auf und verlässt den Raum. Nicht, weil sie den fröhlichen Zynismus im Raum nicht erträgt. Diesmal, weil die Diskussion auf Deutsch geführt wird, und sie schlicht kein Wort versteht.


    14.12 | 02.10.

    [ Daniel]

    “Rechtsradikalismus im Fußball” heißt das Seminar, in dem ich – endlich angekommen – jetzt sitze. Ronny Blaschke sagt, Rechtsextreme seien keine Einzelfälle. “Wir sind Lokisten – Mörder und Faschisten” – Blaschke zeigt ein Banner bei Lok Leipzig. “Wie kann die NPD das nutzen?” 2008 hat Blaschke das am Beispiel von Leipzig recherchiert. Nach drei-vier Wochen hat er gemerkt, dass er nicht weiterkommt und hat die Rechtsextremen direkt über deren Internetforum kontaktiert. Nach einigen Treffen gab es die ersten Informationen. “Schwierig war, die Rechtsextremen davon zu überzeugen, dass ich seriös arbeite.”

    Informant war “Marco Remmler” (Pseudonym). Er hat sich im Verein lange engagiert, irgendwann bekam Remmler Stadionverbot. Der parkte einen Lkw mit der Aufschrift “Rudolf Heß, Mord verjährt nicht” vor dem Stadion. Blaschke: “Mit dem Fußball kann auch Propaganda machen, wenn man Stadionverbot hat.”

    Blaschke: “Am Anfang habe ich mich noch auf Diskussionen eingelassen, aber irgendwann muss man sich auf eine kalte Recherchehaltung einlassen.” Man müsse die Aussagen der Rechtsextremen kommentieren und umrahmen, deshalb sei es zum Beispiel in einem Buch durchaus möglich (Blaschke hat vor kurzem “Angriff von Rechtsaußen” herausgegeben), ein Interview mit einem Neonazi zu drucken, in der Zeitung nicht.

    Blaschke recherchiert viel in sozialen Netzwerken und Foren. “Das ist unerträglich, aber manchmal stößt man auf Sachen, die berichtenswert ist.” Fußballfans machen zum Teil die Drecksarbeit, sagt Blaschke, zum Beispiel Sicherheitsdienst bei rechten Rockkonzerten.

    NPD nutzt Fußball-Patriotismus für sich. “Das funktioniert ohne Hetze, dass man den Fußball nutzen kann, um Propaganda zu machen.” Der Verfassungsschutz gehen laut Blaschke von 25.000 Neonazis in Deutschland aus, aber allein in Sachsen haben bei der letzten Landtagswahl 100.000 Leute NPD gewählt. Der Fußball dient als Fänger.

    Blaschke ist für die erste große Geschichte 13 mal nach Leipzig gefahren, hatte etwa 1000 Euro an Recherchekosten. Erst ist das ganze in ein Zeit-Dossier geflossen, dann 30 Minuten für DRadio Kultur, ein Kurzbeitrag für den Deutschlandfunk. “Man muss erst was recherchieren, bevor man weiß, wo man es veröffentlicht.” Freier Recherchejournalismus kann sich rentieren, muss aber nicht.

    “Mir war wichtig in dem Buch, dass sich die Leute selbst entlarven. Ich bin gegen den dämonisierenden Ton. Das geht natürlich nur, wenn man denen auch Platz gibt, zum Beispiel in einem Buch.”

    Beispiel Stephan Haase: Haase war sechs Jahre lang Landesvorsitzender der NPD in NRW. “Wir Deutsche waren immer faire und freundliche Gastgeber, ob 1936 oder 2006″, hat Haase früher gesagt. Er sitzt im Stadtrat von Lüdenscheid, hetzt dort gegen Migranten, pfeift aber gleichzeitig am Wochenende Spiele von Migrantenteams. Die Medien fuhren die große Empörungswelle, letztlich durfte Haase aber weiterpfeifen. Blaschke sagt, er sei erst der zweite Journalist gewesen, der mit Haase persönlich gesprochen hat. Natürlich sei eine tiefe Recherche für Lokalzeitungen schwierig, aber eigentlich wichtig, um die Rechtsextremen wirklich zu packen. “Nazi – trainiert – Jugendliche” reicht meist schon für eine Agenturmeldung und eine SpOn-Schlagzeile. Dabei müsse man sich sachlich und nüchtern mit denen auseinandersetzen, um zu zeigen: Wo sind die anti-demokratisch, wo gefährlich? “Natürlich haben die immer ein Forum, aber man kann es eingrenzen.”

    Rechtsextremismus im Fußball ist eine Nische in der Nische. Blaschke nennt Christoph Ruf und Olaf Sundermeyer als Kollegen, die ebenfalls dauerhaft über Rechtsextremismus im Fußball berichten, mehr fallen ihm nicht ein. Blaschke hat sich als Freier auf drei, vier, fünf Themen beschränkt, damit er sich “ohne hochzustapeln auch auf solchen Konferenzen wie hier vernünftig äußern zu können”.

    Fragen aus der Runde:
    Wie ist das mit Angst? “Der Bandleader von Kategorie C hat quer durch den Saal gebrüllt: Hey Ronny. Das ist sehr subtil, für mehr sind die zu klug. Bei einem Konzert in Bernau waren 300-400 alkoholisierte Hooligans, da weiß man nie. Die sind natürlich gefährlicher als der Blatter. Der hat seine Anwälte als Waffe. Aber ich bin ja nicht denunziatorisch, dass ich deren Adresse verrate oder so. Und wenn die anonym bleiben wollen, dann bleiben die bei mir ja auch anonym. Ich gebe denen ein differenziertes Forum. Das ist besser als das zu verschweigen.”

    “Den Leuten ist egal, ob sie die Jugendlichen mit Fußball, Kultur oder Konzerte erreichen. Der Begriff Unterwanderung spielt für die keine Rolle, das ist was ganz Normales für die.”

    Wie gestaltet sich die Szene im Verhältnis Ost-West? “Dass es im Osten eine andere politische Struktur gibt, als in NRW ist klar. Aber allein das man die Frage stellt, impliziert schon eine Relativierung, was dem ganzen nicht gut tut. In Dortmund gibt es die Autonomen Nationalisten in der Südtribüne. Bei 1860 München sind 60 Neonazis in der Kurve.” Dazu gibt es auch einen Beitrag meiner WAZ-Kollegen zu Blue Power Ueckendorf, einem Fan-Club von Schalke 04.

    Was ist mit Rechtsextremen in Polen und der Ukraine? Die werden laut Blaschke die WM wohl nutzen, wie Neonazis die WM 2006 in Deutschland genutzt haben (Anmerkung: Stichwort Owomoyela und NPD), aber die Medien reden das laut Blaschke zu sehr herbei. Man könne auch mal über die positiven Beispiele und Sozialprojekte reden. Natürlich seien die Rechtsextremen in der polnischen Liga präsent, aber die distanzieren sich von den großen, bunten Turnieren.

    Wie sieht Blaschke die Arbeit der etwa 50 Fanprojekte bundesweit? “Die haben halt kein Forum, das ist nicht sexy. Berichte funktionieren da nur im Deutschlandfunk.” Die Sonntagsreden vom 20er kann Blaschke auch nicht mehr hören. Das ist natürlich Kritik auf hohem Niveau, in anderen Ländern gibts das gar nicht, aber in Leipzig gibt es zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Zeit-Dossiers das Fanprojekt noch immer nicht auf vernünftigem Niveau.

    Schöner Vortrag, das Buch hol ich mir jetzt gleich mal persönlich von Ronny. Im Handel 16,90 Euro, mal gucken ob hier noch was geht an Rabatt. Kommt dann wohl zu dem Zehn-Bücher-Stapel auf meinem Schreibtisch in Mainz dazu.

    Morgen Abend läuft um 17.30 Uhr im Deutschlandradio Kultur ein halbstündiges Feature zum Thema. Titel: “Im Wolfspelz: Wie eine Rockband rechtsextremistische Einstellungen bei Fußballfans fördert.”

    Nächstes Thema von Ronny Blaschke ist übrigens Anti-Ziganismus, die Verfolgung von Roma im europäischen Fußball.


    15.25 | 02.10.

    [ Daniel]

    Jörg-Uwe Nieland stellt grad im großen Konferenzraum zum ersten Mal seine Analyse zur Berichterstattung über München 2018 vor, die er soweit ich weiß mit Thomas Horky gemacht hat. Ich versuche ihn zu überreden, mir die Folien später zu mailen. Dann gibts die natürlich auf danieldrepper.de und bei meinen Kollegen Jonathan und Anja.


    16.51 | 02.10.

    [ Jonathan]

    Nachgetragen die Mitschreibsel von der Podiumsveranstaltung am Vormittag, in der drei Referenten mit anschließendem offenen Q&A zu Wort kamen. Laut Andreas-Peter Weber standen dabei auch Herr Vespers und Jens Wallreich auf der Bühne.

    Zunächst zu Dr. Michael Vesper (Generaldirektor des DOSB, ehemals Grüne). Viele, viele Zahlenspielchen… in Deutschland existieren über 91.000 Vereine. Unzählige Ehrenämter, die bei einer Bezahlung eine finanzielle Last von 6 Mille bedeuten würden. Das muss man sich mal vor Augen führe – SECHS MILLIARDEN EURO!!!! Über allem steht der Fußball in Deutschland, besonders in der Berichterstattung. Die mehr als 20mio. Aktiven in anderen Sportarten spielten eine ungeordnete Rolle. Große Worte folgen, Anja hat den fast gewonnen Dopingkampf schon zitiert. Auch die Vergangenheit wird aktuell durch zwei Studien aufgearbeitet: „Wir stehen zu unserem Erbe“, schmettert Vesper und „der größte Feind beider übel (Wettbetrug/ Korruption) ist Transparenz.“ Auf mehr Details konnte er „aus Zeitgründen nicht weiter eingehen.“ In knapp einer 1 Minute waren die schwierigen Themen abgegessen. Mehr Zeit nahm sich Vesper lieber, um an die drei Grundaufgaben der Journalisten zu erinnern:
    1. Berichten, was geschieht
    2. Die Hintergründe liefern
    3. Einordnen
    …und dabei „die Distanz zwischen Subjekt und Objekt zu wahren.“ Sein Referat „Einführung in den praktischen Journalismus“ (Titeloption) setzte er fort, indem er die Journalisten in zwei Kategorien unterteilte. Auf der einen Seite die „Follower“ und dem gegenüber die „Anführer“. Die Follower seien zu brav. Die Anführer pflegten ihren persönlichen Feldzug, mit dem Ergebnis einer zu einseitigen Berichterstattung.

    Als nächstes folgte Prof. Dr. Gebauer (Sportphilosoph, FU Berlin) mit einem Knallerreferat, indem er sportgeschichtlich das Sportland Deutschland einordnete. Ich versuche ein paar Kernaussagen zusammenzufassen, bei seinem Redetempo, gelingt mir das leider nur ansatzweise:
    • Wir leben in einer Gesellschaft der Ungleichheit. Obere und mittlere Schichten vorneweg, untere bleibt chancenlos.
    • Die Rolle des Sports hat sich verändert. Er motiviert nicht mehr, bildet nicht mehr.
    • Rückblick 1: In der DDR wandelte sich das individualistische Modell zum kollektivistische Modell. Der Sport für die Bürger zum mitmachen. // Anmerkung: War das früher anders? In Deutschland gilt der Turnsport als die sportliche Ursprungsbewegung. Gemeinsames Turnen im Stadion, ein kollektives Gefühl der Körperertüchtigung für späteres Recruiting.
    • Rückblick 2: Der Westen nahm das DDR-Modell auf: Athleten als Leistungsrepräsentanten, Staat als Hauptförderer des Spitzensports, Unterstützung über die Regeln des Sports hinaus von Personen/ Unternehmen/ Vereine etc.
    • Gegenwart: Aktuell kein deutsches funktionierendes Sportmodell. Da der innere Zusammenhalt der Gesellschaft nicht mehr gegeben sei, erfülle auch der Sport keine soziale Funktion mehr.
    • Problem: Der Sportler stecke in einer biographischen Falle. Nur die wenigsten Sportlern erwerben im Laufe ihrer sportlichen Laufbahn genügend Reichtum, um auch nach der Karriere abgesichert zu sein. Auf das Leben nach den roten Teppich nach „einem lange und harten Training“ wären sie nicht vorbereitet.
    Hm, viel neues? Nach meiner Zusammenfassung hört sich das nicht mehr so an. Er konnte das irgendwie besser ausdrücken. Nun gut. Altes Wissen neu festigen hat auch was.

    Dann Jens Weinreich. Ich zitiere Kai Pahl, der von seinem Platz Michael Vesper gut beobachten konnte: „Weinreich spricht seit 5 Minuten. Vesper fängt an schwer zu atmen, macht sich für nachfolgende Diskussionen Notizen.“
    In seinem Referat suchte JW nach einem zukünftigen Modell für sportpolitischen Journalismus. Was kann ein Journalist heute? Er wird in weniger als zehn Jahren laut Google alle digitalen Daten in seiner Hostentasche tragen können. Theoretisch könnte jeder Journalist ein eigenes Massenmedium etablieren und er ist und sollte verdammt schnell sein, Journalismus in Echtzeit. Seine Funktion hat sich dabei gewandelt: „(Er) muss teilen lernen… geben lernen… kann dann auch nehmen.“ Die Zeit der Agenturen als wichtigster Informationsdienstleister neige sich dem Ende. Mittlerweile arbeite er, bei mir nicht anders, mit seinem eigenen Nachrichtenaggregator und greife gezielt auf Quellen von Leuten zurück, den er vertraue. So ganz ohne ein paar FIFA-Insights geht es natürlich nicht, nenne nur zwei seiner Geschichten:

    • Ein FIFA-Insider hätte 5 Millionen von ihm verlangt, wenn er über den möglicherweise „größten Sportkorruptionsskandal“ der Geschichte (WM 2018/2022) auspacke. Dazu weitere 5 Millionen, wenn die Veröffentlichung eine erneute WM-Vergabe zur Folge hätte.
    • Kann eine „Facebook Revolution“ auch auf den Sport angewendet werden? Vor kurzem hat Weinreich von einem an den Tahrir-Platz angelehnten Gedanken gehört, indem Anti-FIFA Aktivisten eine Belagerung des Schweizer Hauptquartiers geplant haben sollten.


    16.55 | 02.10.

    [ Anja]

    Für China war am Ende keine Zeit mehr, auch so etwas kann passieren. „Unbekannte Welten – Sportsysteme in China und Nordkorea“ hieß der Workshop, aber wenn man wie Hajo Seppelt und Robert Kempe mit einem Film über Sport und vor allem das Trainingssystem in Nordkorea in den Raum kommt (zu finden in der Mediathek), dann passiert das selbe wie dem armen Lehrkörper früher im Biounterricht: Danach will natürlich niemand mehr über etwas Anderes sprechen.

    Glücklicherweise gab der Film sogar noch mehr her, als sich selbst mit seinen Bildern von menschenleeren Straßen und wahlweise maschinenhaft trainierenden oder strammstehenden Koreanern: Es kam im Workshop recht schnell die Frage auf, ob das Team nun stolz auf die Reportage wäre. Da sie sich jahrelang um eine Drehgenehmigung in Nordkorea bemüht hatten, fiel die Antwort eindeutig aus: „Stolz“, sagte Kempe, „ist nicht das richtige Wort.“ Am Ende sei es nur darum gegangen, die Drehgenehmigung zu bekommen – „die wichtigste Arbeit haben der Kameramann und die Cutterin gemacht, um aus den Bildern, die wir in unserem durchgeplanten Besuchsprogramm bekommen haben, diesen Beitrag zu machen.“

    Sechs Tage lang war das WDR-Team aus den beiden Redakteuren und einem Kameramann unterwegs, geführt und angeleitet von zwei Betreuern. Straßenumfragen machen, ein sogenanntes Sporttalent auch mal Zuhause besuchen – unmöglich.

    Die Bilder sind entsprechend sehr klinisch und teilweise fast gespenstisch: Ein Tischtennis spielendes Mädchen, das roboterartige Bewegungen mit der Kelle ausführt, auch wenn die Spielpartnerin bereits nicht mehr an der Platte steht, bohrt sich ins Bewusstsein. Ein Teilnehmer mahnt aber, das bereits als typisch abzutun: „In deutschen Trainingszentren sieht das nicht anders aus. Solche Bewegungen muss man einfach üben.“

    Der Eindruck bleibt trotzdem, dass diese Welt eine weit, weit entfernte ist. Und auch die Frage von Sportphilosoph Gunter Gebauer, „eine bombastische, die man sicher jetzt so schnell nicht beantworten kann“, bleibt tatsächlich nur leicht touchiert im Raum stehen: „Welchen Zweck hat der Sport da? Macht denen das eigentlich Spaß?“
    Vor allem um internationale PR gehe es dabei, sicherlich auch um Wehrertüchtigung, um die durchgehende Militarisierung der Gesellschaft. „Das Schießen als Ausdruck der Landesverteidigung ist dort offenbar besonders fördernswert“, sagt Kemper. Und irgendwo, ergänzt Seppelt, gibt es aber auch die Menschen, die wohl Spaß am Sport haben. Hat man ihnen dort gesagt.


    17.00 | 02.10.

    [ Jonathan]

    Wie so oft bei einer Workshop-Betitelung wurde der Titel nicht wirklich eingehalten. Erarbeitet wurde unter der Betitelung „Sport-Trends und mediale Tendenzen: Wo tun sich neue Märkte auf?“ kaum etwas, dafür viel gefragt und geklagt. Das lag nicht an den Gästen. Das versprochene Format wurde einfach nicht eingehalten. Die Online-Expertenrunde mit Jürgen Kalwa, Kai Pahl und Oliver Fritsch hätte in der selben Besetzung auch bei der re:publica auftreten können. Würde mich bei der Konferenz zur digitalen Kommunikation ohnehin über mehr Sportthemen freuen. Ok, andere Baustelle…



    DAS Ergebnis kam in der Diskussionsrunde nicht zu Stande, keine Überraschung. Es wurde aber der Versuch unternommen, die Zurückhaltung in den deutschen Medienhäusern bei der Einbindung von neuen Content-Wegen zu begreifen. Teilnehmer Jens Weinreich nannte „Neid“ als ein Problem der großen Medienhäuser. Das offensichtliche Potenzial von Bloggern und neuen Kommunikationswegen will nicht erkannt werden. Prof. Dietrich Leder (Kunsthochschule für Medien Köln) sprach von einem fehlenden Entwicklungsgeld, welches vor einigen Jahren (wann?) noch in den großen Verlagen existierte.

    Aktuell wird kaum Geld und Zeit für neue Perspektiven investiert. Kein Mut auszuprobieren. Keine Geduld länger zu testen. Statt „das Profil (eines Mediums) durch eigene Inhalte zu stärken“, werden die eigentlichen Premium Inhalte durch zahlreiche Agentur Meldungen verwässert, meinte Jürgen Kalwa. Ein weiteres Problem in der Argumentation der Verlage stelle die starrische Sichtweise auf die Quantität der Userzahlen dar. Die Qualität der User wird nicht bemessen, obwohl diese den eigentlich Mehrwert bringt. Schön oft von Jens betont, auch in dieser Runde.

    Ich kenne das Problem von Agentur-Kunden im Social Media Bereich, geht in eine ähnliche Richtung. Auch diese suchen nach dem ROI, dem Return-Of-Investement in der digitalen Kommunikation, einem messbaren Wert der User. Was bringen einem die User? Wir wollen doch nur Autos/ Kleidung/ Bälle verkaufen…


    17.25 | 02.10.

    [ Daniel]

    Zu lange rumgeklickt: Abschlussdiskussion, geleitet von Herbert Fischer-Solms bislang verpasst, dumm von mir. Thema: “Deutsch-deutsche Sportgeschichte. Was war und was ist noch zu tun?” Ich versuche mal einzusteigen. Es geht um die Unterschiede zwischen DDR- und Westsport. Ich komm kaum rein, weil ich so viel verpasst habe. Sportphilosoph Gunter Gebauer sagt, im DDR-Sport sei das Bewusstsein im Gegensatz zum Westen so, dass die Sportler etwas für die Gesellschaft tut, dass er international Anerkennung sammelt – und dass ihm der Staat dafür Anerkennung in Form von Geld und Vorteilen verschafft. Dies sei im Westen so wohl nicht der Fall, hier sei der Sportler eher allein gelassen.

    Lothar Pöhlitz (Trainer im ostdeutschen und im westdeutschen Leichtathletik-Verband, DDR-Flüchtling) kritisiert den fehlenden Fokus des Sportjournalismus auf Kinder- und Jugensport. In der Bildungspolitik werde null Fokus auf den Schulsport gelegt. “Schlechter gehts nicht” sei die Situation im Moment im Schulsport. “Das hat heute unter dem Begriff Journalismus null Rolle gespielt.” Moderator Herbert Fischer-Solms sagt: “Das muss an anderer Stelle geklärt werden.”

    War das große Interesse der Bevölkerung am Spitzensport in der DDR nur Propaganda? Jochen Staadt (Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin) sagt Nein. Der Sport sei das einzige Feld gewesen, wo die Identifikation der Bevölkerung 100 Prozent war.

    Gunter Gebauer: Es gibt eine unendliche Vielfalt von Sportarten in Deutschland. “Ich rede jetzt schon fast wie Herr Vesper. Da muss man dem DOSB Recht geben. Aber das wird natürlich nicht in den Medien abgebildet. Das ist das Drama. Aber mit Kanu- oder Reitwettkämpfen lockt man kein Millionenpublikum an den Fernseher.”

    Herbert Fischer-Solms will von Gebauer wissen, wie wichtig Sportmedaillen für das Prestige eines Landes im Ausland ist? “Nicht wichtig”, sagt Gebauer. “Das Prestige eines Landes bemisst sich heute beileibe nicht daran, wie erfolgreich ein Olympiateam ist.” Beispiel: Nächstes Jahr sei in Brasilien das Jahr der Deutschen, da präsentiere sich die Bundesrepublik. Federführung: Die deutsche Industrie, dazu das Goethe-Institut und die Banken. “Und der Sport? Abwesend.” Gebauer sagt, Prestige eines Landes muss von Prestige im Sport getrennt werden.

    Hans-Georg Moldenhauer ist ehemaliger DFB-Vizepräsident und Gründungspräsident des Fußballverbandes Nordost. Er sagt: Bei Stützpunkten ist natürlich die Zielstellung, Medaillen zu holen.

    Ute Krieger (DDR-Schwimmerin und staatlich anerkanntes Dopingopfer / Frau von Andreas Krieger): “Ich glaube wir brauchen keine Medaillen.”

    Lothar Pöhlitz entgegnet: “Warum gehen alle 14 Tage zu Borussia Dortmund ins Stadion oder zu einer Leichtathletik-WM? Es gibt immer noch sehr viele, die sich für Leistung im Sport interessieren. Unser Problem mit Olympischen Spielen ist, dass unsere Sportler nicht genügend konkurrenzfähig sind. Die Leute wollen, dass wir auf einer breiteren Front konkurrenzfähig sind.” Steile These! (Die ich absolut nicht teile)

    Fischer-Solms steigt auch drauf ein: “Vier Bob- und Rodelbahnen. Ist das Geldverbrennung?” Die anschließende Diskussion habe ich nur halb mitbekommen.

    Herbert Fischer-Solms kommt zum nächsten Thema: “Sind die DDR-Dopingopfer der Stachel im Fleisch des deutschen Spitzensports?” Jochen Staadt sagt, er denkt, dass nachfolgende Generationen die Frage nach den Tätern und Schuldigen genauso scharf stellen werden, wie nach der NS-Zeit. Aber eben erst, wenn die Verstrickten und Dulder nicht mehr in entscheidenden Positionen sind.

    Ute Krieger erzählt zum Stand des DDR-Opfer-Ausgleichs: Die Geschädigten können aktuell wohl nur über eine Härtefallklausel eine Opferrente bekommen. Bisher hat diese noch nicht gegriffen bei Anträgen. Über die bestehenden gesetzlichen Regeln ist es schwer, einen Ausgleich zu bekommen. Deshalb solle das Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz nochmal angeschaut werden. Im Gesetz stünde auch, dass es nach einer gewissen Zeit nochmal angeschaut werden solle. “Aber die Ergebnisse kann ich nicht sagen, dass das eine Hilfe ist. Das ist alles sehr, sehr vage. So wie sich gewisse Gremien damit beschäftigen, ist es so, dass viel Lebenszeit vergeht. Das scheint das größte Problem der Dopingopfer zu sein. Da läuft uns einfach die Zeit davon. Das Phänomen des Aussitzens ist für die, die Entscheidungen treffen müssen, natürlich die erste Wahl.”

    Herbert Fischer-Solms fragt, was der Sport zum Zusammenwachsen der Deutschen beitragen kann. Lothar Pölitz sagt, dass es Zeit ist, dass die Deutschen darüber reden, was der andere besser machen muss. Im Sport, in der Politik. Das ist der erste Schritt, der getan werden muss. “Was müssen wir verändern im Sport? Was im Sportjournalismus?” Er kommt auf den Schulsport zurück und bittet erneut den Sportjournalismus, dort zu helfen.

    “Ist der Sport Verlierer oder Gewinner der Einheit?” Fragt Herbert Fischer-Solms. Hans-Georg Moldenhauer sagt: Der Sport ist ein Gewinner der Einheit, ganz klar. Ute Krieger-Krause: “Ich glaube weder noch. Sport ist eben Sport. Der Sport braucht keine Medaillen, der braucht begeisterte Kinder und Jugendliche. Das ist viel zu schade, als dass da in irgendeiner Weise Krüppel produziert werden.” Jochen Staadt entscheidet sich auch für Gewinner. “Der Sport hält vieles in der Gesellschaft zusammen. Die Vereine, das ist ein Engagement von Leuten vielfach ehrenamtlich für ein Gemeinwesen. Das ist ungemein wichtig.” Gunter Gebauer: “Auf jeden Fall Gewinner. Weil es möglich ist, ohne jede Feindschaft jetzt zusammen zu sein, Ost und West.”


    18.16 | 02.10.

    [ Anja]

    Christoph Heinemann vom Deutschlandfunk wurde vorhin noch schnell in die Diskussion geschoben und auf dem Sessel platziert, auf dem eigentlich WDR-Intendant Fritz Pleitgen hatte sitzen sollen. Um öffentlich-rechtlichen Sportjournalismus ging es, und Heinemann hatte laut Moderator Marco Bertolaso „nur zwei Minuten Zeit gehabt, um sich vorzubereiten“. Spontan schob Heinemann hinter die Diskussion über die Verquickung von Sport und Berichterstattern noch schnell die Idee: Man sollte Kindern schon in der Grundschule vermitteln, „dass Wirtschaft und Sport eng miteinander zu tun haben“.

    Den in gewisser Weise entgegengesetzten Ansatz präsentierte Lothar Pöhlitz etwas später in der Diskussion zur deutsch-deutschen Sportgeschichte: Seine Tochter sei Lehrerin, erzählte er, „und es ist katastrophal.“ Die Gesundheit und Sportlichkeit der Kinder meinte er damit, „das sollte man erkennen – und der Sportjournalismus sollte auch mal darauf hinweisen.“

    Was kann der Schulsport also und was sollte er? Die Knirpse fit machen? Aufklären? Werte vermitteln? Integrieren? Alles gleichzeitig? Nichts davon?
    Auf jeden Fall auch hin und wieder: ein bisschen Spaß machen. Und das hat heute sogar auch schon jemand gesagt: Ute Krause, ehemalige DDR-Schwimmerin und staatlich anerkanntes Doping-Opfer. Die sagte: „Sport braucht keine Medaillen. Er braucht begeisterte Kinder und Jugendliche.“


    18.55 | 02.10.

    [ Jonathan]

    Überarbeiten jetzt unser Cross-Live-Konzept. Good-Kölsch. Bis morgen.


    13.11 | 03.10.

    [ Daniel – Begrüßungsreden]

    Am Nachmittag wird Richard Pound seine Rede zur Korruption im Sport halten, Jens Weinreich hat sie in seinem Blog bereits ausführlich angekündigt. Bis dahin geht es um Mega-Events in Brasilien, die Rolle der EU für den Sport, eine Pressestudie, später steht auch Wettmanipulation auf dem Plan.


    13.28 | 03.10.

    [ Jonathan – Live-Links]

    Noch drei Links, die ihr beachten solltet:
    Cross-Liveblog von Anja Perkuhn
    Cross-Liveblog von Daniel Drepper
    Zum Livestream von Play the Game

    Watch live streaming video from playthegame_dshs at livestream.com

    13.45 | 03.10.

    [ Daniel – Jens Sejer Andersen]

    Jens Sejer Andersen spricht, der Däne ist Organisator von Play the Game. Er spricht Blatters FIFA an, die für ihr Verhalten in letzter Zeit nicht den angestrebten Friedensnobelpreis bekommt, sondern den Literaturnobelpreis. Am Tag der deutschen Einheit kommt er auf den Fall der Berliner Mauer und Stéphane Hessel zu sprechen. Grob gesagt: Wenn sich das Volk empört, kann es viel erreichen. “Auch im Sport kann das Unmögliche geschehen. Play the Game.” Andersen spricht über Doping in Westdeutschland und die Missbrauchsvorwürfe gegen das US-amerikanische Turntrainer-Idol Don Peters. “Gibt es auch heute Geschichten aus dem Sport, von denen der Sport weiß, die aber erst bei Play the Game 2037 enthüllt werden?” Aber Play the Game will nicht nur Geschichten erzählen. Erstmals soll es zum Ende der Konferenz allgemeine Vorschläge für Veränderungen im Sport geben. Deshalb steht der Donnerstag unter dem Titel “Change in Sport Day”. Es soll ein Cologne Consensus verabschiedet werden.


    13.49 | 03.10.

    [ Jonathan – Link Weinreich]

    Jens Weinreich sitzt zwei Plätze weiter und bloggt ebenfalls live. Fiese Tastaturlärmreihe hier.


    14.15 | 03.10.

    [ Anja – Rolle und Einfluss der Europäischen Union]

    Doris Pack vom Komitee für Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments beschreibt, wie schwierig es ist, die Zuständigkeiten herauszufinden, wenn es um Sportthemen wie Spielmanipulation auf europäischem Level geht. „Wir machen auf diese Probleme aufmerksam, wir betonen, dass die Minister zusammenarbeiten müssen, damit es Lösungen geben kann. Aber die Frage zum Beispiel bei Spielmanipulation ist immer noch, ob wir da etwas tun sollten.“ Man diskutiere das immer noch, habe viele Verhandlungen zu dem Thema gehabt, „aber es ist schwierig, genau zu wissen, wo wir als Europäisches Parlament eingreifen können. Es sollte eine rechtliche Möglichkeit für uns zum Handeln geben, wenn die Uefa diese Aufgaben nicht übernimmt.“


    14.29 | 03.10.

    [ Daniel – Sport und Fußball im Nahen Osten]

    Es spricht James M. Dorsey, Autor eines Blogs über Sport im Nahen Osten und in Nordafrika. Jens Weinreich befiehlt das Blog zur Dauerlektüre. Ich werde reinschauen. Dorsey sagt: Fußball war im Nahen Osten und in Nordafrika schon immer politisch, seit die Briten es eingeführt hatten. Sport im Nahen Osten sei schon immer eine Art Kriegsschauplatz gewesen. In Kairo gibt es zwei Teams – Al Zamalek und Al Ahly – deren in regelmäßigen Derbys gepflegte Feindschaft so groß sei wie sonst nirgendwo. Selbst die Polizeikräfte haben Angst vor den Ultras der Klubs, sagt Dorsey. Die ägyptische Revolution Anfang des Jahres sei auch durch die organisierten Fußball-Ultras möglich gewesen. Die Fans der beiden verfeindeten Klubs hätten sich gemeinsam für ihre Freiheit stark gemacht. Die Fußball-Ultras standen bei der Revolution in der ersten Reihe, sagt Dorsey – und schmähten die Polizei nach der Revolution auch im Stadion. Eindrucksvolle Videos. Fußballfans in Ägypten haben offenbar großen politischen Einfluss.


    14.33 | 03.10.

    [ Daniel – Fun Fact]

    Eigentlich wollte ich heute Fotos hochladen, aber das Kartenlesegerät liegt in der Unterkunft. Und nachdem ich gestern noch über Jonathans fehlendes Rasierer-Ladegerät lästerte: Ich habe gleich den ganzen Rasierer in Mainz liegen lassen…


    15.03 | 03.10.

    [ Anja – Studie „International Sports Press Survey“ von Thomas Horky und Jörg-Uwe Nieland]

    Jörg-Uwe Nieland beginnt mit der Präsentation der ersten Ergebnisse einer Studie über weltweiten Presseberichterstattung – analysiert wurden beinahe 18 000 Artikel in 80 Zeitungen aus 22 Ländern innerhalb von zwei Wochen, damit ist diese Studie die bisher umfangreichste ihrer Art. Play the Game hat vor sechs Jahren schon eine ähnliche Studie veröffentlicht, „die hat uns eine Orientierung gegeben für diese“, sagt Nieland.

    Die Studie zeigt unter anderem: Zwei Drittel der Artikel sind sehr personalisiert und mit einem Autoren verbunden, Nachrichtenagenturen sind nur in etwa 15 Prozent der Fälle die Hauptquelle. Etwa 10 Prozent nehmen die Texte ein, deren Primärquelle nicht deutlich erkennbar ist.

    92 Prozent der Artikel sind von Männern geschrieben worden – 2005 zeigte eine Studie annähernd gleiche Zahlen, „dort gibt es also kaum eine Entwicklung“, sagt Horky. „Das ist sehr schade“, denkt Anja, sagt es aber nicht laut, weil sie wie wahnsinnig mittippt.

    Fußball ist natürlich die Sportart, über die am intensivsten berichtet wird – vor allem in Rumänien wird das deutlich, die Fußballberichterstattung nimmt 85 Prozent der Sportartikel ein. In Deutschland sind es 60 Prozent. Auch in Südafrika ist die Berichterstattung über Fußball intensiv: beinahe 50 Prozent der Artikel beschäftigen sich mit diesem Thema. „Das zeigt deutlich die Auswirkung einer Großveranstaltung wie der Fußball-WM 2010 in Südafrika“, sagt Horky.

    Die Zusammenfassung aller Ergebnisse kurz und schmerzlos von Horky: „Artikel in Printmedien haben also einen Mangel an Qualität.“

    Nähere Informationen dazu versprechen die beiden auf den Websites: www.mhmk.de und www.dshs-koeln.de

    [Update] Play the Game hat die Ergebnisse der Studie inkl Diagramme online gestellt.


    15.52 | 03.10.

    [ Jonathan – Was sich am Sportrecht ändern muss]

    Als „sportpolitical nerd“ von J. S. Andersen vorgestellt, beschäftigte sich Hans Bruyninckx (Professor of International Relations and Global Governance) mit den Zuständigkeiten im Sport. Er spricht mehrere Frage an: Wer darf die Regeln im Sport festlegen? Für wen gelten sie? Wo liegt der Unterschied zwischen staatlicher und privater Zuständigkeit? Wer darf diese Linie bestimmen?

    Insgesamt würde die Sportwelt auf extreme Art und Weise von Regeln getrieben werden. Über jedes Detail muss ein Paragraph stehen: contract rules, sponsoring rules etc. Er unterscheidet die derzeit gültige Steuerung der Zuständigkeiten im Sport in drei Bereiche
    • public sport governance
    • private sport governance
    • networked governance (ex. IOC/ UEFA Verbindung mit UN-System)

    Diese Aufteilung der Zuständigkeiten wird all zu oft nicht eingehalten, obwohl die eigentliche verpflichtende Steuerung in vielen Fällen offensichtlich ist. Beispiel Rassismus: Rechtsradikalismus im Fußballstadion, ist keine Sache des Verbandes oder des Dachverbandes, sondern eine klare Angelegenheit für denn Staat, fällt somit unter die „public law“. Beispiel Finanzen: Verbände müssen wie jedes normale Wirtschaftsunternehmen behandelt werden. Die Bilanzen sollten offengelegt werden, Transaktionen transparent sein…

    Wenn die Sportwelt nicht bereit ist auf die offiziellen Regeln einzugehen und ihr eigene Regelwelt erschafft, muss etwas verändert werden. Oder soll auch zukünftig die Sportwelt von Diktatoren reguliert weden? Oder von Verbänden, die sich um keine Menschenrechte scheren?


    16.17 | 03.10.

    [ Anja – Gaillard Statement]

    „There is not too much to be optimistic about in the world of sport.“

    Wenn selbst William Gaillard, Berater von UEFA-Präsident Platini, keine Hoffnung hat – wie sollten wir?


    17.16 | 03.10.

    [ Daniel – Richard Pound über „Responses to corruption in Sport“]

    Richard Pound klagt an. Der Sport hat das Problem der Korruption bislang nicht angepackt. Und wird – wenn er so weiter macht – enden wie Wrestling: Irgendwo zwischen Zirkus und Farce. Die Glaubwürdigkeit des Sports und seiner Vertreter ist, so sagt es Pound, “sehr stark in Frage gestellt”. Doping wird oft als größtes Problem des Sports gesehen. Für Pound ist Doping nur eine Unterart der Korruption im Sport. Doch die Verantwortlichen lenken ab. Sie gehen das Problem nicht an, mit externen Ermittlern, Transparenz und dem Willen zur Aufklärung. Stattdessen begrenzen sie Korruption im Sport gerne nur auf Wettmanipulationen. Das IOC setze seine Mitgliedsverbände zu wenig unter Druck, sein Fazit in Sachen FIFA ist zerschmetternd:

    „In my respectful opinion, FIFA has fallen far short of a credible demonstration that it recognizes the many problems it faces, that it has the will to solve them, that it is willing to be transparent about what it is doing and what it finds and that its conduct in the future will be such that the public can be confident in the governance of the sport. At the moment, I do not believe that such confidence exists or would be justified if it did.“

    Die Medien, sagt Pound, betreiben zu wenig investigativen Journalismus. Eine Ausnahme ist Jens Weinreich. Er hat die gesamte Rede Pounds in seinem Blog veröffentlicht.


    18.15 | 03.10.

    [ Jonathan – „match fixing survey“]

    Die Ergebnisse einer „match fixing“ Studie, die an der Universität des Saarlandes am Institut für Sportwissenschaft von Dr. Werner Pitsch betreut wurde:
    • 14% der Befragten Spieler waren persönlich in ihrer Karriere in einen Spielbetrug involviert
    • Die Spielmanipulation ist nicht nur ein Phänomen der oberen Spielklassen Deutschland
    • Es geht dabei nicht primär um Bestechung mit Finanzspritzen. Schon kleine Güter (Bier, Sportequipment) können lukrativ genug erscheinen.

    Bei der vorgestellten Studie wurden 277 Sportler befragt, Zahlenhintergründe: 19% weiblich, 71% Fußballspieler aus der Saison 10/11, 92% spielten mehr als eine Saison Fußball, Durchschnittsalter 26 Jahre, ca. die Hälfte aus der Kreisklasse, nur 1,5% aus den Profiligen.

    Bei der anschließenden Q&A sprach Dr. Pitsch von einer nicht zufriedenstellenden Anzahl Probanden. Die Methoden der Untersuchung liefere ich gleich noch nach, sobald ich Nachfragen mit ihm geklärt habe.

    [Update] Und wieder muss ich mein nicht wirklich wissenschaftliches Studium eingestehen. Die Studie wurde mit der „Randomized-Response-Technique“ durchgeführt, um die Wahrscheinlichkeit auf eine ehrliche Antwort zu erhöhen. In diesem Fall haben die Probanden einen Online-Fragebogen zugesendet bekommen. Vor der eigentlichen „Hast du manipuliert?“-Frage stand der Ehrlichkeits-Check in Form der Filterfrage: „Sind sie im April, Mai oder Juni geboren?“ Wer diese Frage bejahen kann, wird aufgefordert, bei folgenden Fragen definitiv mit „Ja“ zu antworten. Wer die Filterfrage verneint, soll im Folgenden ehrlich antworten.


    19.18 | 03.10.

    [ Daniel – Match-fixing: The real story by Declan Hill]

    “Anyone can fix”, sagt Declan Hill. 2005 habe er das erste Mal gewarnt, dass es in fünf Jahren ein Riesenproblem geben wird mit Sportwetten. “Viele waren damals skeptisch. Und jetzt? Im Moment laufen 24 polizeiliche Ermittlungen wegen Wettmanipulationen.” Hill sagt, die nächste Stufe von Wettmanipulationen sei erreicht. Der asiatische Sport sei zerstört und weil Wetten mittlerweile online abgegeben werden, weil jeder von überall jedes Spiel manipulieren kann, sei der Sport bedrohter denn je. “Wir brauchen unbedingt eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur”, sagt deshalb Declan Hill. Und Hill möchte mehr Frauen sehen in hohen Sport-Funktionen. “Das stoppt die Jungs, sich wie Jungs zu benehmen.”


    19.19 | 03.10.

    [ Daniel – Spaß für jung und alt]

    Das erste Glas Sekt auf leeren Magen – abgehakt. Bis später.


    19.21 | 03.10.

    [ Jonathan – dancen]

    Zwei Brötchen, eine Boulette, eine Sekt später… im Hintergrund hardcore-beat-sporthochschule-breakdance. Daniel tanzt schon. Pause machen.


    19.55 | 03.10.

    [ Anja – Abendunterhaltung]

    Zum Glück bleibt einer von uns vernünftig und vor allem: wach für die Umgebung. Bin einem Skandal auf der Spur. Nachtschwarze, halbtransparente „Play the game“-Shirts gibt es nur ab Größe 38! Das muss ein Indiz sein. Werde noch herausfinden, für was. Hat vielleicht mit dem Gymnastikstretch-Ring in der Willkommenstasche zu tun…


    20.10 | 03.10.

    [ Daniel – Interview]

    NRWISION befragt uns zu unseren Blogs und zum Liveblog-Konzept. Sehr helle Scheinwerfer. Läuft wohl in ein paar Wochen. Gibts dann einen Hinweis zu.


    20.29 | 03.10.

    [ Jonathan – Volleygate Background]

    Bevor wir gleich die aktuellen Entwicklungen in den Untersuchungen von Mario Goijman gegen den FIVB und Acosta zusammenfassen, lohnt es sich die bereits bekannten Hintergründe vor Augen zu führen.


    20.54 | 03.10.

    [ Anja und Daniel – Mario Goijmans Volleygate]

    Vollgeschrieben sind sie, die Folien von Mario Goijman. Und sie wechseln sich so rasend schnell ab, dass die Zuhörer im Plenum ihnen meistens nur noch hinterherschauen können. Goijman entschuldigt sich für die Geschwindigkeit, aber er hat viel zu erzählen, das hatte er auch schon bei Play the game 2006. Volleygate heißt der Fall, den Goijman, ehemaliger Präsident des argentinischen Volleyball-Verbands und Organisator der Volleyball-WM 2002 in Argentinien, beschreibt und den er 2005 aufgedeckt und publiziert hat. Um massive Korruption im internationalen Volleyball ging es dabei, in Person um Ruben Acosta, den Präsidenten des Volleyball-Weltverbandes (FIVB).


    // Mario Goijman und seine letzte Folie / Foto: Anja Perkuhn

    Heute präsentiert Goijman aktuelle Entwicklungen zum Volleygate. Ganz grundsätzlich: Ruben Acosta scheint sich vor Gericht durchzuwinden. Acostas 26-Millionen-Betrug wird vor Gericht offenbar nicht als absichtlich bewertet. Goijman durfte die Entscheidung nicht anfechten, weil er nicht persönlich betroffen war, sondern den Fall nur angezeigt hatte. Persönlich betroffen war nur der Volleyballweltverband FIVB. Der hat jedoch den gleichen Anwalt wie Acosta, sagt Goijman. Es sieht nicht gut aus, deshalb fragt Goijman um Hilfe. Er und seine Mitstreiter haben kein Geld mehr für weitere Prozesse, er selbst hat kein Auto mehr, keine Kreditkarten, selbst sein Haus musste er aufgeben. Goijman ist verzweifelt. Aber: Er bereut seinen Kampf nicht. Sport sollte eine Möglichkeit sein für Bildung, Ethik und Fair-Play und nicht nur dazu da, um so schnell wie möglich Geld zu machen. “Ihr, die Journalisten, seid meine letzte Hoffnung.”

    Jens Sejer Andersen fasst zusammen: Die Situation hat sich dank Mario Goijmans Kampf seit 2005 verbessert, der neue Volleyballpräsident hat alle Zahlungen an Acosta eingestellt. “Ich bin sehr berührt davon, dass Mario so einen großen Preis bezahlt hast. Die FIVB sollte Goijman seine Ausgaben bezahlen.” Andersen will weiter für Aufklärung arbeiten. Jeder der helfen will, ist herzlich eingeladen.


    21.27 | 03.10.

    [ Daniel – Die arabische (Fußball-)Revolution 1]

    James M. Dorsey trägt nochmal vor, warum die arabische Revolution auch eine Fußballrevolution ist (siehe auch 14.29 Uhr). Fußball ist im Nahen Osten extrem politisch. Fußball ist laut Dorsey auch sehr wichtig für den Dschihadismus, für Osama Bin Laden und andere, ergänzt Dorsey jetzt. “Die Madrid-Attentäter haben zusammen Fußball gespielt. Osamas Leute hatten einen Mini-Weltcup. Als Osama im Sudan war, hatte er zwei Fußballteams, die drei Mal in der Woche trainiert haben. Auch Freitags, nach dem Gebet.”

    Anschließende Q&A:
    “Ein Diktator ist ein Vater: Die Beziehung zu seinem Volk ist wie die Beziehung von einem Vater zu seinen Kindern. Viele wollen zwar Freiheit, wollen aber ihren Führer nicht demütigen, wollen ihm einen ehrenhaften Abgang geben. Das Nationalteam von Ägypten wurde lange wie Mubaraks Team gesehen.” Die FIFA greift nur sehr selten in die politische Einmischungen in dieser Region ein. In der – ich glaube ägyptischen – Premier League gehören vier von 16 Teams dem Militär, kein einziges Team hat sein eigenes Stadion – beides ist laut FIFA-Regeln nicht erlaubt. Trotzdem unternimmt die FIFA nichts, sagt Dorsey.

    Ultras in Nordafrika sind keine Randgruppe, sagt Dorsey. Es gibt Zehntausende in Ägypten. Der Kampf zwischen Ultras und Polizei oder Militär entscheidet dort die Zukunft des Landes.


    21.41 | 03.10.

    [ Jonathan – Abendplanung]

    Während Daniel weiterhin fleißig zahlreiche Statements aus der Q&A protokolliert, lasse ich bereits die Würfel für die Abendplanung rollen. Wird irgendetwas zwischen Koffer abholen, neue Unterkunft organisieren, Wegbier, noch ein Wegbier, Ankunft und Feierabend.

    Parallel stelle ich mir die Frage, was der Unterschied zwischen einem Workshop und einer Podiumsession ist?


    00.29 | 04.10.

    [ Jonathan]

    Weitermachen. Schlafen. Weitermachen.


    08.58 | 04.10.

    [ Anja – Morjen]

    Der Konferenzkaffee rauscht in die Konferenztassen, Schokoriegel statt Frühstück gabs auch schon und das Zeitungsabo ins Gästehaus umzubestellen war tendenziell eine gute Idee, leider kommt die Post offenbar erst später – der zweite Tag von Play the Game kann losgehen.


    09.45 | 04.10.

    [ Daniel – Rai Oliviera „Mega Events – Which Brazil will we discover?]

    Brasilien steht zwischen Korruption und Aufschwung, sagt Rai. Im Vorfeld der WM-Bewerbung und -Entscheidung fehlte es an Bürgerbeteiligung. Brasilien habe als junge Demokratie noch einen langen Weg vor sich, erst vor 30 Jahren überwand Brasilien 25 Jahre Diktatur. Die WM soll den sozialen Wandel beschleunigen. Sport ist in Brasilien nicht alltäglich. Die WM soll nun dafür sorgen, dass alle Brasilianer Sport treiben können. Bisher, sagt Rai, bewegen sich nur 16 Prozent der Brasilianer genug, nur jede fünfte Grundschule habe Sportanlagen. “Ich hoffe, die nächste Play the Game findet in Brasilien statt.”


    09.47 | 04.10.

    [ Anja – Weiteres zu: Mega-Events: Which Brazil will we discover?]

    Für viele Sportler stellt sich nach ihrer aktiven Karriere die Frage: Will ich den Rest meines Lebens von Ruhm und Ehre von damals leben? Ob Raí Souza Vieira de Oliveira, als Fußballer vor allem in den Neunzigern eher bekannt als „Raí“, das wollte oder nicht, ist nicht eindeutig überliefert – zumindest nutzt er seine Bekanntheit heute, um in seinem Heimatland etwas zu bewegen. „Brasilianische Sportler verstehen mehr und mehr, wie viele Möglichkeiten sie durch ihre Bekanntheit haben“, sagt Raí. „Und auch, dass daraus gewisse Pflichten entstehen.“

    In den beiden sozialen Projekten „Gol de Letra“ (etwa: „Mit einem Wort das Ziel erreichen“, gegründet vor knapp 13 Jahren von Raí und der ebenfalls ehemalige Fußballer Leonardo) und „Atletas pela Cidadania“ sollen und wollen sich ehemalige und aktive brasilianische Sportler engagieren, um die Bildung bei Jugendlichen voranzubringen. Bisher, sagt Rai, bewegen sich nur 16 Prozent der Brasilianer genug, nur jede fünfte Grundschule habe Sportanlagen.

    Raí sieht in diesem Zusammenhang sowohl die Fußball-WM 2014 als auch die Olympischen Sommerspiele 2016 gleichzeitig als Herausforderung und als Möglichkeit für Brasilien. Das Land habe als junge Demokratie noch einen langen Weg vor sich, erst vor 30 Jahren überwand Brasilien 25 Jahre Diktatur. Die WM soll den sozialen Wandel beschleunigen: „Es ist möglich, dass wir eine wunderbare organisierte Veranstaltung auf die Beine stellen“, sagt er. „Es kann aber auch sein, dass wir zum Beispiel infrastrukturell an unsere Grenzen stoßen.“ Die Erwartungen an Brasilien seien hoch – genauso wie die Erwartungen in Brasilien an die Veranstaltungen. „Ich wäre natürlich naiv, würde ich denken, dass es nicht auch kleine Gruppen gibt, die sich dabei eher für ihre eigenen Interessen einsetzen, als für die romantische Vorstellung von solchen Veranstaltungen. Aber ich sehe auch die Möglichkeit: Sport für alle!“ Er hat das Ziel, die körperliche Betätigung in den zwölf Veranstaltungsstädten der WM bis 2014 zu verdoppeln; bis 2022 will er das im im ganzen Land geschafft haben. „Ich hoffe, dass Sport das Herz meines Landes verändern kann.“


    09.50 | 04.10.

    [ Daniel – Doin‘ work]

    So siehts aus, wenn wir so tun, als würden wir arbeiten. Jonathan, gestern, hoch konzentriert – im Hintergrund Anja


    // Foto: Daniel Drepper


    09.52 | 04.10.

    [ Daniel – John Beech „Sports Mega-Events and the Increasingly Loud ‚Anti‘ Voice]

    Der Brite John Beech schätzt, dass 250 Millionen Pfund für nicht erfolgreiche Bewerbungen für Olympia 2012 ausgegeben wurden – verschwendetes Geld. Der Rückhalt der Bürger wird immer wichtiger, auch für das IOC. So müssen Bewerber auch angegeben, ob es eine Gegenbewegung zu großen Projekten gibt. Bewerber müssen immer stärker auf mögliche Kosten von Bewerbungen schauen. So gibt es auch Touristen, die gerade wegen der Spiele im Sommer 2012 nicht nach London kommen. Gibt Bürgerjournalismus den Anti-Olympia-Stimmen mehr Raum? Beech hat Anti-Olympia-Webseiten rausgesucht und untersucht. Die ersten, die er gefunden hat, waren von 1998 gegen die Spiele in Nagano (mittlerweile abgeschaltet). London, Sochi, Chicago. Nolympia München 2018 war bisher eine der professionellsten Anti-Olympia-Webseiten, sagt Beech.


    10.25 | 04.10.

    [ Daniel – Henrik Brandt „The stadium legacy of mega events: Bright future or future burden?“]

    Wird durch die immer schrilleren Mega-Stadien, die originär für Mega-Events aus Steuergeld gebaut werden, nur Geld verschwendet? “Wir haben nur die Stadien untersucht, die speziell für die Events (um-)gebaut wurden”, sagt Brandt. 65 Stadien untersuchte Brandt mit seinen Kollegen vom IDAN. Im Schnitt kosteten die (Um-)Bauten 200 Millionen Dollar pro Stadion.

    Es gibt Stadien, die im Anschluss gut genutzt werden. So der Sapporo Dome in Japan. Dort spielen regelmäßig zwei Baseball-Teams. Auch das Stadion des FC Porto, gebaut für die EM 2004, rentiert sich. Das Gegenteil: Ecopa Stadion in Japan. 390 Millionen Dollar teuer, für die WM 2002 gebaut – aber im Jahr 2010 kaum Zuschauer. Ein übles Beispiel ist auch das Cape Town Stadion in Südafrika. Das teuerste der untersuchten Stadien (600 Millionen Dollar), jetzt macht das Stadion 5,5 Millionen Euro Verlust pro Jahr. “Das Stadion wird noch viele Jahre Verlust machen – aber wenigstens siehts gut aus”, sagt Brandt.

    Brandt macht eine Rechnung auf: Wenn ein Stadium im Schnitt weniger als zehn Mal pro Jahr ausverkauft ist, nennt er es einen “White Elephant” – also ein teures Bauwerk, das nutzlos in der Gegend herumsteht. “Warum wurden diese Stadien gebaut? Gab es dort einen Grund für den Bau, der über die ökonomischen Rechnungen hinausgeht?” Ein Stadion, das zu diesen Stadien zählt ist übrigens die “Esprit-Arena” in Düsseldorf. 2010 hatte das Stadion laut Brandt insgesamt keine 500.000 Zuschauer, das ist eine Ausverkauft-Relation von nur 8,6. “Seien sie bei dem Wort Visionen vorsichtig. Wenn Verbände das sagen, dann haben sie keinen Businessplan.” Brandt will eine weltweite Recherche starten. Nach der Konferenz werden die Daten beim IDAN veröffentlicht.


    10.37 | 04.10.

    [ Jonathan – Sonst so: Murphys Bosman?]

    Kleiner spoiler unabhängig von Play the Game, aber irgendwann doch im Zusammenhang mit dem Geschehen hier. Der Europäische Gerichtshof spricht heute ein Urteil über die Nutzung von Pay-TV in Kneipen und darüber hinaus. Der liebe dogfood wird, wachsam wie immer, aktuell bloggen, hier seine „ganz quicke Zusammenfassung“:

    „Eine englische Pubbesitzerin hat sich für ihre Kneipe für die Premier League statt eines teuren Sportbars-Abo von BSkyB, ein billiges Abo eines griechischen Pay-TV-Senders geholt, der die Spiele ebenfalls übertrug – die griechische Kommentierung spielt in einer Sportbar keine Rolle.“

    „Nicht BSkyB, sondern die Premier League hat sie vor Gericht gezerrt und das englische High Court hat den Fall an das EuGH weitergereicht. Die Kneipenbesitzerin argumentiert mit der Dienstleistungsfreiheit: wenn sie ihren VW reparieren will, ist es ihre eigene Entscheidung ob sie das in England, Frankreich oder sonstwo macht. Warum solle das beim Pay-TV anders sein?“

    [Update] Bitte neuen Artikel von dogfood beachten


    10.47 | 04.10.

    [ Anja – Before and After: Legacy, lies and lost opportunities in sports building]

    Ian Nuttall, der unter anderem die Websites http://www.stadiumbusinesssummit.com/ und http://www.xperiology.com/ betreibt, stellt den Nutall-Index vor – eine Liste von Kriterien, die erfüllt sein sollten, damit sich der Bau eines riesigen Stadions lohnt. An ihm beweist er, dass das Stadion in London, das für die Olympischen Spiele 2012 gebaut wurde, ein sogenannter weißer Elefant ist. „Es gibt keinen strategischen Plan, keine Idee, was man danach damit anstellt. Es gibt keine Partner, die schon jetzt Interesse dafür angemeldet haben.“ Und niemand, sagt er, will nach den Spielen die Laufbahn nutzen.

    Ein weiteres Beispiel aus Nuttalls Sicht für einen weißen Elefanten: Das EM-Stadion in Warschau, das ebenfalls für mindestens 500 Millionen Euro (veranschlagt waren 300) für die Fußball-EM 2012 (in Polen und der Ukraine) errichtet wird und noch keine festgelegte Verwendung hat für die Zeit nach dem Event.

    Ähnliches ahnt er für die WM 2014 in Brasilien. „Die Fragen, die sich die Brasilianer stellen müssen, sind: Bauen wir neue Stadien? Wie sieht deren zukünftige Nutzung dann aus? Reduzieren wir deren Kapazität nach der WM?“ Die durchschnittliche Besucherzahl für Fußballspiele in den betreffenden Städten selbst mit größeren Fußballvereinen liegt bei etwa 10 000. Die FIFA hat für die Kapazitäten von FIFA-Stadien die generöse Vorgabe: „Die Entscheidung liegt vor allem bei denen, die für die zukünftige Entwicklung des Stadions verantwortlich sind.“ Doch wie viel Entscheidungsfreiheit, fragt Nuttall, hat beispielsweise die WM-Stadt Fortaleza, wenn für Vorrundenspiele und ein Viertelfinale eine Mindestkapazität von 65 000 Plätzen vorgeschrieben ist?


    11.50 | 04.10.

    [ Jonathan – Stefan Szymanski: An early assesment of the economic impact of London 2012]

    Ein Dreivierteljahr vor Olympia 2012 wagt Szymanski eine erste Beurteilung des ökonomischen Effekts der Londonspiele. Er nennt ein paar zentrale Ziele der Spiele: Großbritannien in die Weltspitze der Sportnationen führen, UK als kreativen und weltoffenen Lebenstandort promoten etc. Eine besondere Schlüsselrolle spielen dabei die Problembezirke in Ost-London (Soziale Probleme, schwache Anbindung an die öffentliche Kommunikation, Überbevölkerung, hohe Arbeitslosigkeit), indem ungefähr 2 Millionen Menschen leben. Genau in diesem Gebiet wurde der Olympia Park angelegt. Resultierende Frage: Welchen nachhaltigen Einfluss werden die Spiele auf diese Problembezirke haben?

    In den Olympia Park (Virtual Tour via Guardian) wurde aus seiner Sicht eine Menge investiert, um die Umgebung attraktiv zu gestalten und beispielsweise die Infrastruktur professionell zu organisieren. Zwischen 2000-2010 ist die Anzahl der Beschäftigten in allen Bezirken kontinuierlich angestiegen, wobei die im Olympia Park Angestellten zum größten Teil nicht in London (über 6.000 Menschen) leben. Die in London lebenden Arbeiter kommen zu einem größeren Teil direkt aus der Umgebung respektive direkt aus den Problembezirken. Ob diese Förderung einen langfristigen Effekt hat, der auch nach den Spielen für eine Beschäftigung sorgt, lässt Szymanski offen. Allerdings belegt er mit Zahlen – die ich auf die Schnelle nicht mitschreiben konnte – einen Anstieg der Grundstück-Wertigkeit in Ost-London.

    Ich kann seine Prognosen an dieser Stelle kaum einordnen, möchte aber auf einen Artikel von Sally Halper (kleine PDF) verweisen, in dem er sie schon 2009 anmerkte:

    „By setting the expectation of a positive and lasting economic impact, the organisers of London 2012 are setting themselves an ambitious target. Given that just about all of the Olympiads before Sydney in 2000 lost money, as Michael Payne points out in his book, Olympic Turnaround (20) – possibly this expectation is unrealistic.“


    12.41 | 04.10.

    [ Jonathan – Fußball und Extremismus 1]

    Gerade berichtet Ronny Blaschke über Rechtsradikalismus im Fußball und die schwierige Recherche in dieser Thematik. Am Sonntag saß Daniel bereits in Blaschkes Deutschlandfunk-Workshop, seine ausführliche Dokumentation findet ihr hier (14:12h). Wer mehr wissen will, kann sein Buch „Angriff von Rechtsaussen“ kaufen.


    13.17 | 04.10.

    [ Jonathan – Fußball und Extremismus 2]

    Die nachfolgende Rednerin Monica Nizzardo (PTG-Profil, Twitter) verstehe ich leider kaum. Sie arbeitet für die gemeinnützige Organisation „Salvemos al Fútbol“, die als zentrale Ziele die Aufklärung von Korruptionsfällen und Gewalt im argentinischen Fußball ausgibt.

    Anschließend geht ihr Landsmann Javier Szlifman, Journalist und Blogger aus Buenos Aires, näher auf die Gewaltbereitschaft vieler fanatischer Fans im argentinischen Fußball ein. Wieder schwer zu verstehen, aber schon besser: Unabhängig von der generellen Passion vieler argentinischer Fußballfans existieren zahlreiche gut strukturierte Hooligan-Gruppierungen in Argentinien. Die Feindschaft unter den fanatischen Fans nahm in den letzten Jahrzehnten zu. Er berichtet von mehreren Todesfällen in- und außerhalb der Fußballstadien. Ähnlich wie in Italien instrumentalisiert dabei die Politik solche Gruppierungen, nutzt die meinungsstarken Fangruppierungen gewissermaßen als Werbemittel für ihrer Politik. Für Szlifman ein Grund für eine zunächst zurückhaltende mediale Berichterstattung. Diese hätte sich in den letzten Jahren aber verbessert, sodass das Phänomen mehr in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Als Resultat existieren mittlerweile mehrere Projekte und gemeinnützige Organisationen, die das Problem anpacken. Eine positive Entwicklung ist zu erkennen, aber längst noch nicht zufriedenstellend.


    13.21 | 04.10.

    [ Daniel – Nikki Dryden „Swimming in Money: How FINA Earns and Spends“]

    Die FINA ist eine Non-Profit-Organisation nach Schweizer Recht. Der Wasserkopf der FINA hat laut Dryden etwa 120 Leute. Die müssen versorgt werden. Die FINA macht jedes Jahr mehrere Millionen Euro Gewinn, gibt aber nur 300.000 Euro im Jahr für “die Entwicklung des Schwimmsports” aus. Selbst für das Essen der Funktionäre geht mehr Geld drauf. Aufgewacht seien Schwimmtrainer und Athleten erst, als die abstrusen FINA-Entscheidungen in Sachen Swimsuits und Sponsoring sie selbst betrafen. Seitdem gibt es erste Widerstände. Dryden wundert sich, warum die Proteste nicht lauter sind. Wohin können sich von der FINA frustrierte Schwimmer wenden? Vielleicht an Sponsoren, vielleicht an regionale Gerichte? Dryden hat selber keine konkreten Ideen, freut sich über Anregungen. “Als Athlet bin ich auf mich und meine Leistung fixiert und habe kein großes Interesse daran, große Zusammenhänge zu überdenken.” Dabei sollten sich Athleten überlegen: Wer macht Geld mit mir? Athleten sollten mehr Fragen stellen.


    13.50 | 04.10.

    [ Anja und Daniel – Rasmus Storm „The anatomy of the Sports Scandal: Outset, Development and Effect“]

    Storm (Foto: Daniel Drepper) stellt ein Modell zur Anatomie von Sportskandalen vor. Er teilt Sportskandale in mehrere Phasen ein und stellt fest, dass sich Veränderungen vor allem ergeben, wenn der Skandal politische Bedeutung hat – und nicht nur moralische. Sein Beispiel: Nach dem Festina-Skandal wurde die WADA gegründet – er hatte so viel Aufmerksamkeit und damit öffentliche Rufe nach Veränderungen generiert, dass diese Lösung beinahe unumgänglich geworden war. Auf Tiger Woods stürzten sich zwar nach Bekanntwerden seiner Affären die Medien und Sponsoren, “für ihn gab es mit Sicherheit auch persönliche und wirtschaftliche Auswirkungen”, sagt Storm. Einen größeren Einfluss auf die Sportwelt hatte dieser Skandal aber nicht, denn er berührte nur sehr die entsprechenden Felder von allgemeinem Interesse wie zum Beispiel Politik oder Recht.

    Rasmus Storm hat seinen kompletten Vortrag inklusive einiger Folien auch online gestellt:
    The Anatomy of the Sports Scandal Play the Game Paper Submitted


    17.41 | 04.10.

    [ Jonathan – Denkpause]

    Entschuldigt, wir sind für ein paar Stunden kollektiv ausgestiegen. Keine Angst. Wir können und wollen noch. In der ungeplanten Pause haben wir motiviert, genörgelt, inspiriert, geklagt, gespielt – die Stunden Minuten sinnvoll genutzt.


    18.05 | 04.10.

    [ Jonathan – Andere PTG-Blogger]

    Auf der playthegame Website findet ihr eine kleine Übersicht aller hier aktiven Blogger. Neben uns vier Deutschen sind dort zwei fremdsprachige Blogger verlinkt:
    Professor Roger Pielke, Jr., University of Colorado (englisch)
    Journalist Javier Szlifman (spanisch)


    18.28 | 04.10.

    [ Anja – Daniel Beck: The depiction of male and female athletes in the sports press – updates in an old research field]

    Sehr überraschend war es nicht, was Daniel Beck von der Universität Freiburg zu berichten hatte: Seine Analyse von schweizer Medien (was für eine Studie das genau ist, reiche ich nach) hat gezeigt, dass Frauen in den Inhalten der Sportberichterstattung unterrepräsentiert sind.

    Die Sportart, die 44,4 Prozent der Berichterstattung über Frauensport einnimmt, ist – an dieser Stelle darf man sich einen Tusch vorstellen, aber nur einen sehr kurzen, etwa beachvolleyballerinnenhöschenkurz – Beachvolleyball. Gefolgt von Tennis und “diverse Motorsportarten” mit jeweils 22,7 Prozent.

    Die im allgemeinen sehr populären Sportarten wie Fußball oder Eishockey laufen im Bereich des Frauensports eher unter “ferner verschwiegen” um drei Prozent herum.

    Die Artikel beschäftigen sich laut Studie auch deutlich öfter mit dem Aussehen und dem Privatleben der Sportlerinnen, als es bei Sportlern der Fall ist – “in diesen Zahlen gibt es keine Veränderung seit einer Studie von 2001”, sagt Beck.

    Auch wenig überraschend: Erfolg in Wettbewerben spielt eine große Rolle in der Frage: Berichten oder nicht berichten? 1998, als die Schweiz 4 Goldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen gewann und alle vier von Männern geholt wurden, nahmen die Athletinnen in der Berichterstattung 31,3 Prozent ein. 2006 waren es fünf Goldmedaillen, vier davon gewonnen von Frauen – und schon waren es 47,5 Prozent, die sie von der Berichterstattung bekamen.

    Doch Beck hatte auch noch “one good news!” Die Proportionen von sogenannten “human interest”-Geschichten, also Geschichten aus dem Leben der Sportler fernab des Sports, haben sich verschoben: Inzwischen handeln auch die meisten Artikel über Sportlerinnen von ihnen in ihrer Sportart.

    Aber da sich nicht alles gleichzeitig ändern kann, damit den Leser, Hörern und Zuschauern nicht an allen Fronten gleich schwindelig wird: Von Sportlerinnen werden immer noch häufiger Fotos abgedruckt, auf denen sie in Situationen abgebildet sind, die nichts mit ihrer Sportart zu tun haben.

    [Update 1] Die Zahlen zur allgemeinen Verteilung der verschiedenen Sportarten sind entnommen aus der International Sport Press Survey von Thomas Horky und Jörg-Uwe Nieland (pdf), die folgenden schweiz-spezifischen Daten haben Beck und sein Forschungsteam in diversen Studien der letzten Jahre ermittelt und dargestellt, zum Beispiel in der Untersuchung „Entwicklung des Sportjournalismus in der Schweiz“.

    [Update 2] Beachvolleyball nimmt nicht 44,4% der Berichterstattung über Frauensport ein, sondern 44,4% der Artikel über Beachvolleyball handeln von Frauen. Das wäre ein vergleichsweise sehr starker Frauenanteil, „aber faktisch sind es vier von neun Artikeln, also statistisch eine verschwindend kleine Zahl“.

    Des weiteren: „Keine Veränderung im Vergleich zu 2001 gab es nur bezüglich des Frauenanteils, den habe ich direkt verglichen, nicht aber bezüglich der Themensetzung.“

    Außerdem bestätigt sich wieder einmal, dass man selbst bei der Dichte an Informationen und der großen Zahl von Workshops und Panels auch Fakten wie die Anzahl der Medaillen der Schweizer Mannschaft gegenchecken sollte: „Bei den Medaillen war meine Darstellung selbst etwas verwirrend, da ich bei Nagano von Medaillen allgemein und bei Turin nur von Goldmedaillen gesprochen habe. Wenn man nur die Goldmedaillen betrachtet, sind es in Nagano zwei für die Männer und keine für die Frauen, in Turin vier für die Frauen und eine für die Männer.“ In seinen offiziellen Folien zur Studie hat Beck dies inzwischen korrigiert. Überraschend ist die Entwicklung so oder so nicht, „ich fand aber doch noch interessant, dass die erfolgreichen Frauen die Berichterstattung über Turin nicht noch stärker dominiert haben, also nicht einmal über 50% gekommen sind“, schreibt Beck.


    18.50 | 04.10.

    [ Jonathan – Präsentationen]

    Zahlreiche Präsentationen stehen mittlerweile als PDF-Download auf der playthegame-Homepage zur Verfügung. Nenne nur Pounds Rede, Volleygate-Update by Mario Goijman, John Gleaves…


    18.56 | 04.10.

    [ Jonathan – Q&A: Financial Fair Play, or Football’s Foolish Plan?]

    Die letzten Worte von John Beech, dem letzten Redner dieser Session, habe ich noch gehört: Tiefe, tiefe rote Zahlen für die Premier League. Bei der anschließenden Q&A meldeten sich mehrere Juristen zu Wort. Jede Menge Rechtsfragen. Der DFL-Finanzchef Christian Müller saß nur noch als Beobachter auf dem Podium und ich schweigend zwischen den Klappsitzen. Over and out.


    19.08 | 04.10.

    [ Daniel – Ted Fay „The Youth Olympic Games: A Vehicle for World Peace“]

    Können die Olympischen Jugenspiele besser sein als die echten Olympischen Spiele? Sie könnten, vielleicht. Oder will das IOC andererseits die Olympischen Jugendspiele doch nur nutzen, um die Marke Olympia und deren Profite weiter zu steigern? Sollen die 14- bis 18-Jährigen nur stärker herangeführt werden, um auf Olympia steil zu gehen (um dem Jugendthema angemessen zu texten)? Wer profitiert? Werden Fälschungen des Alters – wie auch schon in Peking 2008 – und das Doping Minderjähriger die nächsten großen Skandale produzieren bei Olympia? Ist Gewinnen bei den Olympischen Jugendspielen wirklich zweitrangig? Das Olympische Erziehungsprogramm beinhaltet die wichtigsten Erziehungsthemen (Ethik, Bewegung, Persönlichkeitsbildung etc.) – aber: funktioniert das? Wie lernen Jugendliche solche Dinge überhaupt? Ted Fay stellt viele Fragen, liefert nicht so viele Antworten. Das Thema bleibt – zumindest wenn man zwischendurch themenfern in seinem Kalender kritzelt und nicht alles mithört – eher schwammig.

    In der Diskussionrunde folgt die These, dass die Jugend durch die Jugendspiele nur noch schneller verbrannt wird. Wer mit 14 bei den Jugendspielen startet – wie geht es weiter mit dem? Nikki Dryden berichtete daraufhin aus ihrer aktiven Zeit als Schwimmerin: Sie schaffte es mit 15 in ein nationales Jugendteam. Von den 50 Mitgliedern dieses nationalen Jugendteams schafften es letztlich aber nur vier Leute (Dryden und drei Männer) ins offizielle Nationalteam.

    Länger beschäftigt hat sich mit den Olympischen Jugendspielen Jens Weinreich. Hier seine Texte zu den ersten Olympischen Jugendspielen in Singapur 2010.


    19.09 | 04.10.

    [ Daniel – Fernando Borges „The Role of FIFA Fan Fest at South Africa World Cup 2010“]

    Das FIFA-Fan-Fest in Südafrika also. Einige Kennzeichen dieser Fanfeste listet Borges auf: Freier Eintritt, ein Sichrheitsdienst, in der Nähe vom Stadion und ein großer Bildschirm. Präsentiert werden die Fanfeste von der FIFA als gute Alternative zum Besuch des Stadions. Die Leute gehen laut Borges zum Fan-Fest, weil: gute Leute im Publikum sind; es einen großen Bildschirm gibt; das Bier billiger ist als im Stadion (!); eine gute Atmosphäre herrscht und die Tickets für 8 Dollar recht günstig sind.

    Borges behauptet, moderner Kapitalismus brauche sportliche Wettkämpfe zwischen Nationen, die Welt brauche Mega-Events. Wie gesagt, behauptet Borges.

    Borges hat versucht, die Fanfeste in Südafrika mit denen von 2006 zu vergleichen. Seine Hauptpunkte: Weniger Leute vor Ort; im Winter ist das irgendwie nicht so toll; der Erfolg der Feste ist ansonsten schwer zu kontrollieren. Die FIFA und das lokale Organisationskomitee geben keine Infos raus und die südafrikanischen Journalisten haben nur die guten, schönen, angenehmen Geschichten erzählt, statt kritisch zu berichten. Für die FIFA war es offenbar ein Erfolg, weil der Kosten-Nutzen-Effekt hoch war (Nutzen im Sinne von Medienberichterstattung). Naja. Hätte ich diesmal doch besser weiter draußen plaudern sollen.


    19.11 | 04.10.

    [ Jonathan – Cut]

    Keynote, Pizza, keine Stadttour, Kneipe. Bis morgen.


    09.20 | 05.10.

    [ Daniel – Presseraum]

    Heute geht es vor allem um Doping. Welche Reformen braucht die WADA? Angekündigt sind Wilhelm Schänzer, Hajo Seppelt, Perikles Simon und Walter Palmer, der wohl die NADA-Datenschutz-Kläger vertritt: Palmer ist Generalsekretär der Basketballer-Vereinigung SP.IN. Später folgen weitere Sessions zu Problemen der Doping-Bekämpfung und zum Technik-Doping.


    10.12 | 05.10.

    [ Anja – Daniela Schaaf & Jörg-Uwe Nieland: From sexualization of sport to spornofication]

    Daniela Schaaf und Jörg-Uwe Nieland von der Sporthochschule Köln haben die Entwicklung der Sexualisierung von Sportlern so rational wie so etwas möglich ist wissenschaftlich aufgeschlossen. „Pornostars und Sportler haben viel gemeinsam“, sagt Schaaf. Sie sind berühmt, müssen für ihren Beruf auf ihren Körper achten – und sie brauchen Aufmerksamkeit. Die Öffentlichkeit brauche aber immer größere Stimuli, um jemandem oder etwas auch Aufmerksamkeit zu schenken. Der Sportler an sich müsse sich deshalb immer mehr als „homo sportivus erectus“ darstellen (Krüger 2009). Der nächste Schritt in dieser Entwicklung ist: „Sporno“.

    Schaaf und Nieland haben diese Entwicklung in einem fünfstufigen Modell beschrieben. Von sexuell aufgeladenen Bildern von Sportlern (David Beckham darf sich hier als Pionier bezeichnen) zu eindeutigeren Fotos wie der Kampagne „Stade Francais Paris“ des französischen Rugby-Teams. Auf den Bildern sind die Spieler so dargestellt, als wäre es zumindest möglich, dass sie nicht heterosexuell sind. Ähnlich wie das australische Footballteam etwas später erklärten sie, sie seien zwar nicht homosexuell, „aber die Athleten flirten eindeutig mit der Gay-Community“. (Schaaf) Zu der Entwicklung gehören ebenfalls Einschnitte wie die Änderung im Dresscode bei den Beachvolleyballerinnen (die Bikini-Höschen der Spielerinnen dürfen an der Seite nicht breiter als 7 Zentimeter sein).

    Schaaf und Nieland führten außerdem neu erfundene sexualisierte Sportarten wie die „Lingerie Football League“ an, ebenso die Forderung, Pole Dance (nachdem es auch eine offizielle Weltmeisterschaft in dem Stangentanz gibt) auch als olympische Sportart aufzunehmen.

    Der finale Schritt der „Spornofication“ ist der Fakt, dass Sport sowohl als Subjekt als auch als Umgebung für Pornos verwendet wird – zum Beispiel in der abgeschwächten Version bei den „Sexy Sportclips“ aus dem Nachtprogramm des dann-nicht-mehr-so-sehr-Sportsenders Sport1 (früher DSF) aber auch in Hardcore-Pornos.

    „Spornofizierte Athleten sind negative Vorbilder“, resümiert Nieland. Man müsse sich also überlegen, was man tun könne und müsse, um diese Entwicklung aufzuhalten.


    10.47 | 05.10.

    [ Jonathan – Tine Rindum Teilmann: Women on the top, a challenge for men]

    Mit einem Zitat des japanischen IOC-Mitglieds Mr. Igaya beginnt Teilmann (IOC Frauen in Sport Sport Kommission) ihre Präsentation: „Strong male leader can change the percentage of women in leadership“

    Diese Aussage bildet aus ihrer Sicht die Einstellung vieler Männer in den Sportverbänden ab. Obwohl die Geschlechterverteilung generell im Sport ausgeglichen ist, gelingt es nur einer Minderheit der Frauen in Führungspositionen vorzustoßen. Hier setzt sie an: Warum ist es wichtig, mehr Frauen in als Entscheidungsträger im Sport zu verankern?

    Ein ausgeglichene Geschlechter-Quote würde aus ihrer Sicht helfen, für mehr Offenheit, Transparenz und bessere Entscheidungen in den Verbänden zu sorgen. Viele Frauen würden in ihren sportlichen Tätigkeiten motiviert werden, mehr Spaß am Sport und Selbstvertrauen entwickeln.

    Teilmann stellt zwei Beispielprojekte vor, die das Problem angehen. An dem dänischen Pilotprojekt „Women on the top“ beteiligten sich zahlreiche dänische Sportverbände (Leichtathletik, Handball…). Ein Ziel: Bis zum Jahr 2011 sollten in diesen Verbänden mindestens 33% Frauen in Führungspositionen vertreten seien. Mit gezielten Management-Schlungen, PR-Arbeit und der Kooperation mit externen Partnern gelang die Umsetzung nur teilweise. Immerhin drei Verbände (Taekwando, Schwimmen+1?) arbeiten mittlerweile mit der angesprochenen Frauenquote.

    Als zweites Beispiel nennt sie das EU-Projekt WILD (women international leadership development). Wer sich einlesen will, findet hier eine Erklärung.

    Zwei Initiativen, die aus Teilmanns Sicht einen möglichen Weg aufzeigen. Dennoch: Viele Männer stehen für der großen Herausforderung ihren eigenen Ego zu überwinden. Erstens müssen sie überhaupt Platz machen. Zweitens in ihrer Empfehlung für einen Nachfolger auch weibliche Kandidaten empfehlen.


    11.29 | 05.10.

    [ Anja – Tatiane Hilgemberg: The Brazilian Media is Preoccupied with the White Elephants?]

    Tatiane Hilgemberg, Professorin an der Federal University of Juiz de Fora, spricht über den großen Einfluss von Großevents wie der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Sommerspielen 2016 in Brasilien. Sie spricht von der Aufmerksamkeit, die solche Events auf ein Land lenken – „und deshalb sitzen wir ja zum Beispiel auch gerade hier“ – und darüber, für welche Themen die Aufmerksamkeit der Medien am Ende ausreicht.

    Eine Medienanalyse der Online-Berichterstattung über die Wahl von Rio de Janeiro zur Ausrichterstadt der Spiele 2016 zeigt: Den größten Teil der Berichterstattung machen Texte über mit dem Projekt verbundene investierte öffentliche Gelder und Regierungsprogramme aus (annähernd ein Drittel), auch die Bewerbungs-Kampagne der Stadt war sehr oft und deutlich dargestellt. Kontroversere Themen wie eventuelle Probleme mit der Infrastruktur oder die bereits in den vergangenen Tagen öfter erwähnten „weißen Elefanten“ – also die Neubauten, die extra für ein Großevent in die Landschaft gestellt werden, aber deren zukünftige Verwendung noch nicht feststeht – wurden auch behandelt, „aber nicht mit der gleichen Intensität, wie die anderen Themen“.


    11.47 | 05.10.

    [ Daniel – Isabela Ledo „Rio de Janeiro 2016 Olympics: exploring tensions between global and local demands“]

    Isabela Ledo studiert Stadtplanung und verfolgt vor allem die Pläne zur Umsiedlung der Bewohner des Olympiageländes. Einer der offiziellen Grundsätze Olympias: Den Gastgebern ein gutes Erbe zu hinterlassen. Was die soziale Inklusion, die Verbesserung der Lebensumstände der ärmeren Bevölkerung angeht, scheint Olympia in Rio 2016 eher negative als positive Effekte zu haben.

    Offiziell soll sich der Wohnungsmarkt in Rio durch die Olympischen Spiele entspannen. 2009 fehlten 136.345 Wohnungen in Rio, sagt Ledo. Für 2016 sollen etwa 12.000 Zwei-Raum-Wohnungen entstehen, das wären 8,8 Prozent des bestehenden Defizits. 90 Prozent der bisher fehlenden Häuser fehlen Menschen aus der untersten Einkommensschicht. Und die neu zu bauenden Häuser sehen ehrlich gesagt nicht wirklich billig aus. Allerdings sagen die Planer, soll es auch Sozialwohnungsprojekte in den Slums geben und es sollen tatsächlich Häuser entstehen für Leute, die ihre Wohnungen wegen der olympischen Baumaßnahmen verlieren. Aktuell gibt es allerdings erst ein fertiges Projekt mit 22 Wohnungen, das bislang Leute bewohnen, die wegen Umweltkatastrophen ihre Wohnugnen verloren haben.

    Grundsätzlich besteht das Problem zwischen Imagepflege Brasiliens und den Interessen von privaten Investoren. Bislang gibt es offenbar keine detaillierten Planungen, wie und wo die umzusiedelnde, oft sehr armen Menschen, hinsollen. Viele von ihnen wohnen offenbar bislang in Naturschutzgebieten. Ledo sagt:
    • Bislang gibt es keine Schätzungen, wie viele Leute wegen Olympia umgesiedelt werden müssen.
    • Bislang sind die meisten Betroffenen nicht informiert.
    • Bislang wird erst ein einziges Sozialwohnungsprojekt gebaut – und das hat nicht einmal eine echte Verbindung zu den Plänen für die Olympischen Spiele

    Ledo berichtet, dass gestern in einer der größten Zeitungen der Region ein Plan veröffentlicht wurde, den die Regierung offenbar diese Woche präsentieren will. Obwohl sich Ledo seit langem mit der Situation befasst, hört sie zum ersten Mal von diesem Plan. Ihr Fazit:
    • Es ist längst nicht sicher, ob die soziale Inklusion funktioniert. Vor allem eine Verbesserung der Vorher-Situation scheint eher unwahrscheinlich
    • Die langfristigen Stadtplanungsvorhaben von Rio de Janeiro und den Olympiaplanern unterscheiden sich stark, vor allem mit Blick auf die sozialen Aspekte
    • Es gibt bislang keine relevante Bürgerbeteiligung, die Leute sind nicht informiert
    • Finanziell profitieren werden offenbar vor allem Investoren, die sozialen Aspekte scheinen eher zweitrangig

    Die letzten zwei Punkte ihres Fazits habe ich leider nicht mehr mitbekommen. Dafür hat Isabela Ledo in der sich anschließenden Diskussion nochmal nachgelegt. Sie hatte sich am Vortag mit UN-Sport-Botschafter Willi Lemke unterhalten Darauf angesprochen sagt Ledo:

    “Willi Lemke ist offenbar etwas naiv. Ich bin mit ihm durch die Slums in Rio gegangen. Er war vorher bei den Politikern und ich hatte das Gefühl, er wurde etwas gebrainwashed. Er geht davon aus, dass die Leute mit den Umsiedlungen glücklich sind. Dabei werden die Leute oft nach weit draußen umgesiedelt. Die Politiker haben ihm wohl einen Plan gezeigt, den niemand vorher gesehen hat, auch ich nicht. So ein Planungsprozess sollte mit einer starken Bürgerbeteiligung ablaufen. Da haben Herr Lemke und ich wohl Unterschiedliche Standpunkte. Die Entscheidungen sind gefallen, aber man bekommt keine Informationen. Ich wollte mit den Menschen sprechen, die die Olympia-Siedlungs-Pläne gemacht haben, aber sie wollten mir keinerlei Informationen geben. Die gestern in der Zeitung veröffentlichten Pläne sind offenbar vom Himmel gefallen. Die soziale bewegung wird stark werden, die Leute werden stärker, aber ich denke, das da trotzdem nichts passieren wird.”


    12.10 | 05.10.

    [ Anja – Kimberly S. Schimmel „Global Sport Events/Local Impact: Reconstituting and Securing Urban Space“]

    Als Stadt hat man nicht viele Möglichkeiten, sagt Kimberley S. Schimmel: Entweder ist man ein guter Ort oder nicht. Ein Ort, an dem Menschen leben möchten, oder nicht. In dem Moment, in dem eine Stadt ein Sportevent ausrichten will, ist das aber nicht so einfach: Solche Veranstaltungen verändern das Gesicht einer Stadt und bergen mehrere Risiken.

    Der Name der Stadt wird Stellvertreter für ein Ereignis – das kann gutgehen, aber auch zu einer Stigmatisierung werden, wie zum Beispiel bei den Olympischen Spielen 1972 in München geschehen. “Beim Filmtitel brauchte man nicht einmal mehr das Jahr, der Name reichte aus”, sagt Schimmel.

    Außerdem bringe die Entwicklung einer Sport-Infrastruktur keinerlei Entwicklung und keinen wirklichen Nutzen für die Stadt als Ganzes. Stadtteile, die profitabel sind und zum Eventkomplex gehören, würden unter Umständen sogar polizeilich geschützt (sie zeigt ein Bild vom “Nest” in Peking aus dem Jahr 2008) und als potenzielle “Terroristenziele” betitelt. Riesige neue Einkaufszentren, No-Go-Areas und ähnliche Konstrukte machten aus den Gebieten um solche Sportkomplexe herum “solche, die nicht in eine funktionierende Stadt passen.”

    Die Städte, sagt sie, könnten sich meist trotzdem nicht diesen Vorgängen entziehen (nachzulesen auch in ihrer Präsentation “Sports Mega-Events and Global Urban Marketing Selling”, die sie bei Play the Game 2007 bereits vorgestellt hat). Schließlich geht es ja darum, ein guter Ort zu sein.


    12.49 | 05.10.

    [ Jonathan – Fernando Molica: To be or not to be for it: the World Cup and the Brazilian Media]

    Der brasilianische Journalist, Autor und TV-Reporter Molica berichtet über den mangelnden investigativen Journalismus im eigenen Land. Ein Freifahrtsschein für Ricardo Teixeira, der in seiner korrupten Arbeitsweise frei handeln kann.

    Im Jahr 2007 versprach Teixeira: „The 2014 World Cup will be financed by the private sector.“ Die Realität sieht anders aus. Über 12,5 BillionenMilliarden Euro müssen Bund, Staat und Regierung für die Weltmeisterschaft 2014 investieren – was wird davon wohl alles auf die Bevölkerung transformiert? Die neu kalkulierten Ausgaben sind 28% höher als ursprünglich kalkuliert. Eine Entwicklung, die an die 2007er Pan Amerian Games in Rio erinnert. Auch damals waren am Ende die Ausgabe 10 mal größer, als ursprünglich prognostiziert. Kosten, die damals hauptsächlich die Stadt Rio tragen musste. Und die Fehlkalkulation ist noch nicht beendet. Als Beispiel nennt Molica u.a. den Neuaufbau des Maracana-Stadions, der bei umgerechnet 304 Millionen Euro liegt. Rechnet man die Kosten für den Abriss der alten Arena hinzu, berufen sich die Gesamtkosten auf über 400 Millionen Euro.

    Zurück zu der Machtgewalt von Teixeira in Brasilien: Unser Land besitzt keine Tradition sich selbst zu kontrollieren und kritisieren, meint Molica. Absurde staatliche Förderungen für Großunternehmen werden in den Medien ignoriert. So erhielt Nestle bei einer Spende in Höhe von 1 Millionen US-Dollar an den Reiterband von Sao Paulo eine Steuervergünstigung. Die kompletten Fußballfinanzen liegen in Teixeiras Hand. Er definiert den Fußballkalender, bestimmt wann, wo und wie gespielt wird. Entscheidet über die Gelderverteilung, Sponsoren und TV-Gelder.

    Viel von Teixeiras korrupter Vorgehensweise wurden bereits dokumentiert. Einmal bei Jens Weinreich nach seinem Namen gesucht, erscheint ein dreckiger Blumenstrauß.

    Sind jetzt mitten in der Q&A, in der Andrew Jennings gerade loslegt. Für die Journalisten gibt es eine Menge zu tun.


    13.00 | 05.10.

    [ Daniel – Diskussion zu Brasilien 2014 & 2016]

    So richtig kritisch wollten die stolzen Brasilianer zunächst nicht sein in der Diskussion, ihr Land ist schließlich das Land der Zukunft, wie sie es sagen. Nach und nach kamen sie aber doch in Fahrt. Schlussfolgerung: “Wir wissen nicht, wo es hingeht.” Ob es White Elephants geben wird? Es gibt Hinweise darauf, aber natürlich ist das bisher noch nicht zu beweisen. Ob Brasilien überfordert sein wird mit zwei Großereignissen innerhalb von drei Jahren? Vielleicht. Vielleicht gibt es dem Land aber auch den erhofften Extra-Schub.

    Das größte Problem im brasilianischen Sport ist die Korruption. Da waren sich am Ende alle inklusive der Zuschauer um Andrew Jennings einig. “Wo ist das Geld?”, das sei im Moment die wichtigste Frage. Und die Brasilianer berichteten, dass es im Vorfeld von WM und Olympischen Spielen nun erstmals investigativen, kritischen Sportjournalismus gebe. Die “richtig guten Recherchen” spielten “eine wichtige Rolle” auf der Suche nach der Wahrheit, berichteten die Brasilianer. Und eine nette Anekdote gab es auch noch oben drauf, die zumindest mir bislang unbekannt war: Angeblich finanzierte die Rio-Bewerbung die Anti-Chicago-2016-Webseite. Das sorgte für Gelächter im Raum.


    14.08 | 05.10.

    [ Daniel – doin‘ work]

    Der Sportinsider hat kommentiert: “Wie ist die Stimmung unter den Journalisten? Gibt es in den Pausen kontroverse Diskussionen? Wie ist generell die Atmosphäre vor Ort? Wie ist die Unterkunft und Verpflegung im Detail?” Wir versuchen nach und nach etwas einfließen zu lassen. Schonmal vorab ein Foto von der Sportjournalismus-Konferenz am Sonntag, dass uns soeben erreichte. Besten Dank an den lieben Fotografen.


    15.05 | 05.10.

    [ Daniel – Olivier Niggli: Current challenges and issues for anti-doping]

    Olivier Niggli, Justiziar der WADA, hält einen routinierten Vortrag. Nächstes Jahr soll der Anti-Doping-Code einmal mehr überarbeitet werden. Niggli sagt, der Kampf wird immer teurer und komplizierter, auch wegen der laufenden und drohenden Rechtsstreitigkeiten. Wissenschaftler haben oft keinen großen Spaß daran, vor Gericht ihre Befunde zu verteidigen. Niggli erinnert an Marion Jones als Beispiel für die Probleme des Anti-Doping-Kampfes und bezeichnet Ermittlungen als wichtigen Bestandteil des Anti-Doping-Kampfes, Regierungen und Polizei sollen helfen.

    Die Herausforderungen: Die Unterwelt ist im Handel mit Dopingmitteln verwickelt. Die Gewinnspannen sind riesig. Aus 100 Dollar könne man ohne großes Risiko zwischen 1000 und 10.000 Dollar machen. Die Mittel werden in privaten Laboren hergestellt, werden unter Freizeitsportlern verteilt. Der große Schwarzmarkt von Medikamenten ist für Niggli ein großes Problem. 25 Prozent der weltweiten Medikamente sind auf dem Schwarzmarkt zu haben, sagt Niggli. Dazu kommt weiterhin der Doper, der vom Doping-Kontrollsystem erfasst wird. Auch mit Blutpässen werde der intelligente Doper weiter durch die Netze schlüpfen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass das CAS den Blutpass als rechtlich zulässiges Verfahren anerkannt habe, in zwei UCI-Fällen. “Das war ein großer Schub”, sagt Niggli.

    Die WADA wird bei positiven Tests vor Gericht geklagt, wird angegriffen, wenn Test-Verfahren zu lange dauern, hat Diskussionen um den Datenschutz: Es gibt also einiges zu tun. In Sachen Datenschutz weist Niggli auf ein Urteil des höchsten französischen Gerichtes hin, dass die Whereabouts gestärkt habe, ich aber auf die Schnelle grad nicht finde.

    Wichtiges Thema für Niggli ist das Umfeld des Athleten. Trainer, Physios, Ärzte, Berater, zum Teil Eltern – nicht nur der Athlet sollte für Doping-Vergehen bestraft werden. Eine Idee, wie man das Umfeld bestrafen könnte, hat Niggli aber nicht.


    15.06 | 05.10.

    [ Jonathan – Wilhelm Schänzer: How to improve the fight against doping]

    Der Leiter des Instituts für Biochemie holt ziemlich aus. Preist Manfred Donike für seine Pionier-Arbeit im Kampf gegen Dopingpraktiken. Aus seiner Arbeit ist das Institut für Biochemie entstanden, welches alljährlich eine aktualisierte Auflage der „Recent Advances in Doping Analysis“ herausgibt, mittlerweile in Version 16.

    Er klickt durch die aktuelle „WADA List of Prohibited Substances and Methods“. Bei seinen Ausführungen betont er die Wichtigkeit der Out-Of Competition Tests, bislang nichts Neues.

    Er schließt mit einem waghalsigen Abschlussbild: Der Dopingsünder läuft auf einer Höhe mit den Anti-Doping Jäger – wirklich ein Wettkampf auf Augenhöhe?


    15.07 | 05.10.

    [ Anja – Hajo Seppelt: „The questionable influence of of International Federations in the fight against doping“]

    Hajo Seppelt, freier Mitarbeiter von ARD und WDR, und sein Kollege Robert Kempe haben im vergangenen Jahr mit einer Recherche begonnen, bei der sie Nachfragen an Organisationen für Dopingbekämpfung gestellt haben zu ihren detaillierten Untersuchungen. „Am wichtigsten war uns dabei: Was genau passiert mit den Proben – und was für Proben werden genau genommen?“, sagt Seppelt. Sie wollten dabei herausfinden, ob der nach außen getragene große Aufwand, den die Organisationen betreiben, sich am Ende auch wirklich auszahlen und zur Dopingbekämpfung beitragen.

    Das Ergebnis – „nicht sehr überraschend“ – war zunächst einmal die Erkenntnis: Viele Organisationen wollten nicht detailliert antworten und die genauen Abläufe offenlegen. „Oft hörten wir das Argument, es gehe dabei um Datenschutz. Dass sie keine Athletennamen nennen wollten, war uns ja klar, aber eigentlich wollten wir ja ja nur wissen, wie viele Blut- und Urinproben sie nehmen und vor allem, was für eine Art Proben.“

    Die Nachfragen beim internationalen Schwimmverband FINA gab das Team irgendwann auf. „Die erhaltene erste Antwort war zu oberflächlich, als dass wir etwas damit hätten anfangen können und am Ende hätte es zu viel Arbeit gemacht, einzeln jeder Organisation hinterherzurennen.“ Der internationale Radsportverband UCI antwortete gar nicht – wahrscheinlich, weil er und Kempe im Vorjahr den „Fall Contador“ veröffentlicht haben. Bei Nachfragen bei IAAF, FIFA, IBU, ISU und ITU kamen aber einige Ergebnisse heraus.

    Vor allem um die Suche nach Missbrauch von Wachstumshormonen und dem Ausdauermittel EPO (Erythropoetin) ging es bei den Nachfragen – einen Hinweis auf den Missbrauch von EPO gibt in der Regel das Blutbild, dann sollte die Untersuchung einer Urinprobe Gewissheit bringen. Wachstumshormone lassen sich in der Regel in einer Blutserum-Probe nachweisen, die zu nehmen und zu untersuchen aufwändiger ist, als eine Vollblutprobe.

    Die markantesten Erkenntnisse: Die internationale Eislaufunion ISU erklärte: Sie machen in 98 Prozent der Fälle keine Urinprobe, wenn sie auf EPO testen – das ist schlicht zu teuer.
    Und die internationale Biathlon-Union IBU macht nur bei weniger als einem Prozent der Untersuchungen eine Analyse, die auch Wachstumshormone nachweist.
    Außerdem, habe ihm David Howman von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA erklärt, hat die WADA keine Einsicht in die einzelnen Verträge, die die Organisationen mit den Laboren schließen. „Das bedeutet für mich: keine Transparenz. Und das ist ein Grund mehr für mich zu bezweifeln, dass ernsthaft an der Dopinganalyse und -kontrolle gearbeitet wird.“

    [Update] Nachgereicht der Link zum „Sport Inside“-Beitrag über die beschriebene allgemeine Situation der Dopingkontrollen.


    17.54 | 05.10.

    [ Jonathan – Filmemacher Niels Christian Jung: The Third Eye – money and access in professional football]

    Der Filmemacher Jung hat den Fußballspieler Morten Nielsen fünf Jahre lang mit der Kamera begleitet. Mit 15 Jahren galt der Däne als einer der talentiertesten Fußballspieler seines Landes und muss in den Folgejahren die Schwierigkeiten des Profigeschäftes kennenlernen. Diese Entwicklung stellt Jung in seiner Doku „Son of a football star“ chronologisch dar. Mit über hundert Stunden Archivmaterial von der Familie Nielsen versorgt, kann er selbst den Moment zeigen, indem Morten als 6-jähriges Kind seinen ersten Fußball von seinem Vater geschenkt bekommt:

    19. Februar 1996: Der kleine Morten sitzt an seinem Geburtstagstisch und bekommt von seinem Vater ein Geschenk überreicht. Als er den Fußball auspackt, sprint er sofort auf und beginnt den Ball gegen eine Wand zu spielen. Dabei fragt er seinen Vater, ob sie rausgehen und gemeinsam kicken können… CUT… 10 Jahre später, Sommer 2006: Vater und Sohn betreten das Vereinsgelände vom FC Chelsea. Auf einer Pressekonferenz stellt Talentmanager Frank Arnersen den 16-Jährigen Nielsen als einen der talentiertesten Nachwuchsspieler seines Verein vor. Mit einem 3-Jahres-Vertrag ausgestattet, kommentiert er seine Aufgabe: „I’m a striker, I’m a goal scorer….CUT“

    Die Vater und Sohn Beziehung nennt Jung als einer der zentralen Beobachtungen. Noch wichtiger sei es ihm aber, den schwierigen Weg eines Topspielers im modernen Fußball aufzuzeigen: „Sport ist power, einer der am schnellsten weiter entwickelten Industrien der Welt… die Sportindustrie wird immer weiter kommerzialisiert…“

    Als eine Herausforderung bei der Recherche benennt den Zugang zu denen Vereinen, die zunächst alle sehr zögerlich reagierten. Jeder Anfrage, die weitestgehend feste Abläufe im Verein unterbricht, wird zunächst als ein Störfaktor angesehen. Ähnlich wie bei einem investigativen Reporter muss man viel Geduld haben und zum Teil Monate oder Jahre auf Quellen oder Zugänge warten. Doch ein paar Vereine hätten am Ende sein Projekt verstanden und finanzierten teilweise seine Arbeit (FC Chelsea). Ein Film frei von kommerziellen Inhalten ist authentischer, anders als der klassische Imagefilm.

    In einer zweiten Filmszene wird deutlich wie nah Jung den Fußballspieler mit seinem „third eye view“ begleite:

    2010: Morten kommt bei seinem Verein AZ Alkmaar zu spät zur Massage, wird ins Büro des Trainers verdonnert. Dieser redet auf ihn ein: „You should to be more proffessional… You din’t play as well yesterday.. you should more behave like a grown player.. Do somethin about it… It’s your life“

    Eine Nachfrage aus der Runde nehme ich noch mit. In den fünf dokumentierten Jahren war Nielsen keinem Menschen näher als dem Autor Jung. Eine kaum lösbare Herausforderung für Jung, indem er die nötige kritische Distanz wahren wollte, aber dennoch nah an seinem Leben und seinen Problemen dran sein musste.

    Ergänzende Anmerkung zum Autor: In einem weiteren Filmprojekt hat er in diesem Jahr den Radfahrer Andy Schleck und sein Team Leopard-Trek bei der Vorbereitung auf die Tour de France 2011 begleitet.


    18.04 | 05.10.

    [ Anja – Filmemacher Harshad Mistry: „The Making of Rwanda 17“]

    Viele der Gäste bei Play the Game haben bisher die Bühne, die ihnen hier geboten wird, auch für sich genutzt. Die meisten haben eine Idee präsentiert, viele eine Idee und sich selbst. Massiv Werbung gemacht für ein einzelnes Projekt haben bisher noch nicht viele – ob es nun Bescheidenheit sein mag oder etwas Anderes, lässt sich wahrscheinlich im Nachhinein nicht einmal mehr mit der Randomized-Response-Technique feststellen. (Bereits vorgestellt von Jonathan am ersten Konferenztag beim Thema „Match Fixing Survey“ um 18.15 Uhr). Harshad Mistry ist jetzt einer der wenigen: Er lässt einen Trailer laufen, der um Sponsoren bittet für das Filmprojekt „Rwanda 17“.

    Normalerweise arbeitet Mistry für die BBC, in das Projekt „Rwanda 17“ ist er aber „so reingerutscht“, sagt er. Es geht um den Genozid in Ruanda im Jahr 1994, den ein Bekannter von ihm mit einer Dokumentation indirekt aufarbeitet – es ist eine Dokumentation über die U17-Fußballnationalmannschaft des Landes. Die Spieler sind alle 1994 geboren und gehören damit zur ersten Generation, die den Genozid nicht erlebt hat. Die Mannschaft hatte sich für die U17-WM in Mexiko in diesem Jahr qualifiziert, das Filmteam hat sie bei dieser Reise begleitet, befragt und auch das Umfeld der Mannschaft wie Familienmitglieder oder Fans einbezogen.
    Außerdem thematisiert die Dokumentation die Suche nach dem Unterschied zwischen Ruanda und Sierra Leone – dieses Land hat sich vom Bürgerkrieg 1999 noch immer nicht erholt, während Ruanda sich inzwischen zumindest äußerlich sehr entwickelt hat.

    Die U17-Nationalmannschaft ist bei der WM übrigens in der Vorrunde ausgeschieden. Aber es soll ja tatsächlich Fälle geben, in denen das nicht alles ist, was zählt.


    18.23 | 05.10.

    [ Jonathan – Hajo Seppelt/ Robert Kempe: Sport in North Korea – insights into an unknown world]

    Anja hat bereits am Sonntag (14:45h) über die bewegende 40-Minuten Dokumentation von Hajo und Robert über den Sport in Nordkorea berichtet, sodass wir hier nur ein paar Anmerkungen aus der Q&A Runde mitnehmen. Ob die finale Doku schon den Weg nach Nordkorea gefunden hat, wissen sie nicht. Aus Autorensicht wurde leider sehr viele Klischee-Vorstellungen bestätigt. Dabei betonen sie, dass sie nur einen Teileindruck bekommen konnte, da sie unter ständiger Kontrolle der Regierung standen. Allein die Blicke der Kinder setzen zahlreiche Gedankenblitze in ihren Köpfe in Bewegung. Weitere Eindrücke in Stichworten: Geisterstädte, Angst, Kontrolle, Misstrauen.


    19.03 | 05.10.

    [ Anja – „Barras Bravas – soccer violence in Argentina“]

    Über Monika Nizzardo hat Jonathan gestern (13.17 Uhr) bereits berichtet, sie erzählte von Gewalt im argentinischen Fußball. Nun stellt sie den Film „Futbol Violencia S.A.“ vor – eine Dokumentation, die einen so dramatischen und dämmerigen Internetauftritt hat, dass man mit mindestens fünf Litern fließendem Blut im Film rechnet. Zumindest in den Ausschnitten wirkte „Futbol Violencia S.A.“ aber nicht effektheischend, sondern gewährte kleine Einblicke in die Gedankenwelt derer, die jeweils ein kleiner Teil der Gewaltkultur im argentinischen Fußball – und darüber hinaus – sind.


    19.47 | 05.10.

    [ Jonathan – Jens Weinreich: Investigative journalism between speedblogging and crowd sourcing]

    Nach einer allgemeinen Einführung in den modernen Datenjournalismus von Biba Klomp, gab Jens Weinreich einen Einblick in seinen Überlegungen und die bislang ungenutzten Chancen in diesem Bereich. Eine Herausforderung speziell im investigativen Sportjournalismus liegt für ihn im Abgleich der Daten, die recherchiert wurden und bereit liegen. Weltweit existiert beispielsweise keine Datenbank, die alle Korruptionsfälle in einen Zusammenhang bringt. Selbst wenn wahrscheinlich nur 3-5% der Korruptionsfälle an die Öffentlichkeit gelangt sind, ist es notwendig, diese vorhandenen Daten in Zusammenklang zu bringen. Das kann im ersten Schritt bedeuten: Alle Verbände, alle involvierten Personen, alle Politiker, alle beteiligten Unternehmen etc. auflisten. Im nächsten Schritt werden die „Spezial-Informationen“ (z.B. Korruptionsfälle) hinzugefügt. Und schließlich der dritte entscheidende Schritt: Diese gesammelten Daten müssen abgeglichen werden, um Antworten zu speichern. Wer ist mit wem, wie verbunden? Welche Doppelfunktionen sind bekannt? etc. Mit der richtigen Technik und genügend Zeit kann ein Überblick der Verbindungen geschaffen werden.

    JW-Appell: Dies ist keine Aufgabe für eine Einzelperson – null Chance. Packt es gemeinsam an, go 4 it!


    20.32 | 05.10.

    [ Daniel – Müde]

    Das wars für heute hier. Die Müdigkeit kommt durch. Heute Nachmittag bin ich bei einem Panel sogar kurz eingenickt. Mehr schlafen wäre gut. Zur Atmosphäre gibt es hoffentlich morgen mehr zu berichten. Und Videos wollten wir auch noch einige drehen. Die Zeit, die Zeit. Bis morgen.


    20.51 | 05.10.

    [ Daniel – „Tech-Doping: Crime Or Fair Competition?“]

    Gert-Peter Brüggemann beginnt und macht klar: Techno-Doping gab es schon immer, wird es immer geben. Die Stabhochspringer haben mit Fiberglas-Stäben aufgerüstet, in Zukunft kommt vielleicht der nächste Schritt: Elektrische Energie im Stab – keiner sieht es und nur die wenigsten können es bezahlen.

    Ein Beispiel für historische Versuche des Techno-Dopings: Im Hochsprung waren die Schuhsohle eine Zeit lang vorne höher, der sogenannte Katapultschuh. Ende der 1950er Jahre fiel prompt der Weltrekord, ehe der Schuh verboten wurde. Weitere Beispiele: Leichte Zeitfahrräder und -anzüge im Radsport, leichtere Schuhe im Sprint, Karbonplatten unter Sprintschuhen für bessere Steifigkeit – wo ist die Grenze? Die Karbonplatte bringt im Sprint nach Untersuchungen von Gert-Peter Brüggemann etwa 1,7 Prozent, also immerhin 0,17 Sekunden auf 100 Metern (Untersuchung mit 32 kanadischen Sprintern).

    Brüggemann kommt auf Pistorius zu sprechen. Die Entwicklung der 100-Meter-Weltrekorde in der Klasse T44 bei den Paralympics hängt eng mit der Entwicklung der Prothesen zusammen. Ende der 1980er Jahre wurden erstmal Karbonprothesen entwickelt, der Weltrekord fiel von etwa 13 auf unter 12 Sekunden. Die nächste Entwicklungsstufe (“Cheethas”) brachte den nächsten Schub.

    Gert-Peter Brüggemann hatte Oscar Pistorius und dessen Prothesen im Jahr 2007 für die IAAF begutachtet. Pistorius hatte seine Bestzeit damals auf 46,3 Sekunden gedrückt und war beim Golden League Meeting in Rom auf Rang zwei gelaufen. Sieger Braciola benötigte 46,73, Pistorius 46,90 Sekunden. Interessant dabei: Pistorius lief die zweite Hälfte in 22,72, Sieger Braciola in 23,82 Sekunden.

    Brüggemanns Tests ergaben: Pistorius hatte im Vergleich zu ähnlich schnellen Läufern eine eklatant niedrigere maximale Sauerstoffaufnahme. Diese ist einer der wichtigsten, begrenzenden Faktoren für Kurz-, Mittel- und Lanzeitausdauer-Leistungen. Umso erstaunlicher, dass Pistorius VO2max, also die maximale Sauerstoffaufnahme in Litern pro Minute bei 42,8, die der Vergleichsgruppe aber bei 59,9 lag. Auch die auf dem Rad-Ergometer gemessene Leistung lag bei 325 Watt statt bei vergleichbaren 425. Pistorius hatte also weniger Sauerstoffaufnahme, weniger Leistung – aber die gleiche Geschwindigkeit. Pistorius wendet offenbar weniger Energie für die gleiche Geschwindigkeit auf, was weitere Untersuchungen bestätigten. Die Kräfte, die auf den Prothesenläufer wirken, sind geringer als die Kräfte bei beidbeinigen Läufern: Pistorius verliert deutlich weniger Energie pro Schritt, er ermüdet weniger.

    Brüggemann fasst zusammen: “Pistorius und die anderen 400-Meter-Läufer – das sind zwei verschiedene Disziplinen. Wie Hochsprung und Stabhochsprung.” Brüggemann kann sich vorstellen, dass es in Zukunft gepimpte Körper gibt. Der menschliche Körper ist nicht perfekt. Die Achillessehne könnte stärker werden, zum Beispiel. “Wo sind die Limits, die wir akzeptieren wollen?”

    Der Erlanger Jurist Klaus Wieweg gibt eine kleine Einführung ins Sportrecht beziehungsweise darin, wie sich Juristen ihren Problemen nähern. Das Problem im Sport: Die Suche nach Gerechtigkeit kann zu Überreglementierungen führen. Die Verbandsautonomie kann Kollisionen mit den Rechten der Athleten provozieren, deshalb gilt immer das Abwägungsprinzip. Einerseits gibt es verbandsrechtlich ein Diskriminierungsverbot, dass also auch Menschen mit Behinderungen teilnehmen dürfen. Andererseits gibt es ein Differenzierungsgebot: In einem Wettkampf gegeneinander antretende sollten in etwa gleiche Voraussetzungen haben (Alter, Geschlecht etc.). Die Frage ist: Wie gleich ist gleich genug? Dabei kommt es auch auf Interpretationen an. Und: Die Regeln müssen handhabbar sein.

    Das CAS hatte damals für Pistorius entschieden, weil in der Gesamtschau kein Nettovorteil zu beweisen gewesen sei. Jeder Fall sei jedoch gesondert zu bewerten.

    Wieweg hätte bei Pistorius wohl anders entschieden. Auch, weil der Aufwand für Ermittlung ins Unermessliche wachsen könnte. Die IAAF müsste ein Regelwerk schaffen, welches das der Skispringer bei weitem übertrifft.

    Zum Abschluss fragt Gert-Peter Brüggemann: “Wie viel technischen Support wollen wir? Wollen wir ähnliche Bedingungen für alle oder wollen wir den besten, vielleicht unfairen technischen Support? Darüber werden wir uns in naher, naher Zukunft unterhalten müssen. Was ist der Korridor, den wir akzeptieren wollen?

    Klaus Wieweg fragt: “Wer hat das Geld dafür? Wer gibt das Geld, um so etwas zu finanzieren? In Deutschland werden die Institute FES und IAT finanziert, das bringt Vorteile für deutsche Athleten. Die Idee von Fairness und Gleichheit ist die Grundlage des Sports, aber es war schon immer Teil des Sports, dass es keine Gleichheit gibt. In Zukunft werden Anwälte viel zu tun haben im Sport.


    21.10 | 05.10.

    [ Anja – Abendunterhaltung]

    Laminierte A4-Blätter mit abstrakten Begriffen werden auf den Tischen verteilt – interaktive Bespaßung steht an. Jetzt bin ich’s nach allen Schelten für die Kollegen doch selbst, die von Bier schreibt: Liebes Bitburger, das wird heute ein langer Abend für uns. Bleib nah bei mir, dann kann uns nichts passieren.


    22.46 | 05.10.

    [ Jonathan – Cologne Census]

    Am Nachbartisch wird gearbeitet. Vor uns liegt bereits der erste Entwurf. Der „Cologne Consensus: Towards A Global Charter For Better Sports Governance“ wird morgen offiziell von den Teilnehmern beschlossen. Es wird um eine Forderung an das IOC gehen, weitere Details morgen… goodnight.


    09.35 | 06.10.

    [ Anja – Morjen]

    Auch am vierten und letzten Tag der Sportjournalismus-Konferenz „Play the game“ schauen mich die freiwilligen Helferlein noch merkwürdig an, wenn ich dankbar-debil grinsend die Kaffeetasse entgegennehme. Dabei müssten sie mich inzwischen eigentlich kennen und ich habe heute extra meinen „Diesen Pokal habe ich nun wirklich nicht verdient!“-Blick aufgesetzt, damit sie verstehen, wie ernst es mir damit ist. Schaue nach links und rechts – weder Mitblogger Daniel noch Jonathan ist da, um mir so beschwichtigend-verständnisvoll zuzunicken, wie sie das in den letzten Tagen so oft getan haben.
    Weiter geht’s trotzdem mit dem Programm, den größten Unterhaltungsfaktor verspricht die Session „FIFA under fire“, zu der sich offenbar auch zwei FIFA-Offizielle eingeladen haben – ins Publikum.


    09.50 | 06.10.

    [ Anja – Ezequiel Fernández Moores: „The ball remains the same: The 91 years of reign of Leoz, Grondona and Teixeira“]

    Viel hat sich geändert in Südamerika, sagt Ezequiel Fernández Moores – nur nicht die Menschen, die die Sportpolitik bestimmen, vor allem in Fußball und vor allem drei besondere Figuren: Julio Grondona (seit 1979 Präsident des argentinischen Fußballverbandes), Ricardo Teixeira (seit 1989 Präsident des brasilianischen Fußball-Nationalverbands) und Nicolas Leoz (seit 1989 Präsident der Südamerikanischen Fußball-Konföderation). Von Teixeira war bereits gestern (12.50 Uhr) die Rede, mit Grondona darf man gern die Wirrungen um die Vergabe der Fußball-WM nach Katar verbinden und auch Leoz gehört in diesen Dunstkreis.

    Mit trauriger Genüsslichkeit zählt Moores die Jahre zusammen, die sie bereits in ihren Ämtern wirken (91 sind es), der Übergang zu den Regentschafts-Spannen anderer Fußballfunktionäre ist fließend. Bild um Bild zeigt Moores die angegrauten bis weißhaarigen Funktionäre des Kontinents, die sich ebenfalls jeweils seit Jahren nicht mehr wegdenken lassen wollen – und endet bei Justino Compean, dem Präsidenten des mexikanischen Fussballverbandes (erst seit 2006) und Vizepräsident der Nord- und Zentralamerikanischen und karibischen Fußballkonföderation CONCACAF. Auch an ihm werde man noch eine Weile seine Freude haben, sagt Moores, „er ist erst 84 Jahre alt“.


    10.17 | 06.10.

    [ Daniel – Auswärtsreise]

    Ich bin heute an der Uni in Dortmund. Ich hoffe, ich komme rechtzeitig zurück nach Köln: Heute Abend wird der “Cologne Consensus” verabschiedet; Forderungen von Play the Game an den Sport zur Bekämpfung der Korruption mit dem Namen: “Towards a global charter for better sports governance”. Außerdem wartet die Abschlussparty.


    10.52 | 06.10.

    [ Anja – „Blogosphäre“]

    Auf den letzten hundert Metern fange ich an zu schwächeln: Für die 15-minütigen Essays über den state of the art, die gerade James Corbett, Lasana Liburd, Steve Menary und Roger Pielke auf dem Podium präsentiert haben, war ich einfach zu langsam und der kleine Teil im Hirn, der sich um das Entschlüsseln diverser Dialekte kümmern sollte, hat noch nicht mal gemerkt, dass wir schon wach sind.
    Dafür habe ich sie immerhin hiermit halbwegs anständig verlinkt – Pielke und Menary bloggen ihrerseits auch von „Play the Game“.


    11.01 | 06.10.

    [ Jonathan – Walter de Gregorio]

    Gleich… Sepp Blatter’s Round Table: Systemic corruption in the government of world football mit Jens Weinreich & Andrew Jennings… Dem heute neu angereisten Konferenzgast Walter de Gregorio, neuer Kommunikationsdirektor der FIFA, ist es tatsächlich gelungen eine volle Kaffeetasse in den Raum zu schmuggeln. Er beobachtet JW und AW bei seinen Vorbereitungen… Zusammenfassung folgt.


    12.01 | 06.10.

    [ Jonathan & Anja – Weinreich & Jennings: Sepp Blatter’s Round Table: Systemic corruption in the government of world football]

    Andersen betont die Überschrift des letzten Tages „change in sport“ und stellt Christer Ahl vor, der die kommende Session moderieren wird. Vor zwei Jahren hat Ahl hat bei dieser Konferenz als Insider über die Situation im Welthandballverband berichtet. Er betont: Der „change in sport“ Titel ist ein Aufruf an alle Teilnehmer. Heute soll mit der Umsetzung der besprochenen Themen begonnen werden. Genug Theorie. Warum ist es so schwierig Leute zum sprechen zu bekommen? Er berichtet von den Schwierigkeiten, das Interesse für einen sauberen Sport in der Öffentlichkeit zu verankern. Es wird lieber über ein grandioses Champions League Finale mit Barcelona gesprochen, als offensichtliche Skandale bei der WM-Entscheidung 2018/2022. Christer Ahl sagt: „Wir sehen ja die schöne Seite des Sports, die positiven Aspekte, worum es wirklich gehen sollte. Aber das Problem ist: Es ist mehr als das notwendig. Es reicht nicht aus, live von Sportevents zu berichten, Statistiken zu Sportlern zu veröffentlichen, über ihre Freundinnen oder Freunde schreiben, und alles andere unbeachtet zu lassen.“ Eine Veranstaltung wie Play the Game sei schon der richtige Weg, das beste Forum, um sich auszutauschen, mit Gleichgesinnten zu sprechen. „Aber es ist noch mehr Anstrengung nötig. Es ist auch noch nicht genug, dass wir hier sitzen und nur miteinander sprechen.“

    Als erster Redner betritt Andrew Jennings die Bühne. Seit 1997 besucht Jennings die Konferenz. Er reist um die ganze Welt, erzählt er – nur nicht zum Headquarter der FIFA. Dort hat Jennings Hausverbot. Nun erklärt er die Welt der FIFA. Das Problem dabei: Er tut es in diesem leicht spöttischen Tonfall, der sich wahrscheinlich irgendwann einschleichen muss, wenn man schon mehr als 50 Jahre als Journalist arbeitet – und er tut das mit einer Hingabe, mit der man kleinen Kindern abends eine Gruselgeschichte vorlesen müsste. Er beugt sich verschwörerisch über das Mikrofon und flüstert, er knurrt die dunkelsten Fragen zur FIFA mit seiner dunkelsten Stimme heraus, er flucht wie nebenbei über den „shameless crook“ Sepp Blatter – und es gibt tatsächlich Lacher, obwohl das Thema das eigentlich kaum hergibt.

    Trotz der Theatralik, Jennings‘ Aussagen sind deutlich und berufen sich auf Fakten: „Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken: Was IST diese Organisation? Was ist dieses Ding, über das wir berichten? Wir müssen einen Schritt zurückgehen, von dort auf die FIFA sehen und uns fragen: Warum ist sie so korrupt? Warum ist Blatter so ein shameless crook?“ Die Korruption habe bereits jeden einzelnen Teil der FIFA infiziert. „Diese Menschen sprechen immer von der ‚Fußballfamilie‘, von der ‚FIFA-Familie‘.“ Er reißt den Mund auf und gähnt. „Aber dann ist mir aufgefallen, was sie mir damit sagen wollen: Die FIFA ist ein Verbrechenskartell!“ Eine Maschine, gesteuert von Blatter, geschmiert mit dreckigem Geld, sagt er.

    Jennings endet natürlich auch mit einem Witz – „ich hab‘ sie für dich schonmal warmgemacht, Jens“, schmettert er Jens Weinreich entgegen, der der nächste Redner ist. Alle Zuhörer im Auditorium lachen – nun ja, fast. De Gregorio nicht.

    Weinreich ist gerade fertig mit seiner Erklärung, welche Dinge sich in den Sportverbänden – vor allem der FIFA – und in der Berichterstattung über den Sport ändern müssen (diese Punkte reichen wir nach bzw. verlinken auf den Blogeintrag), da steht de Gregorio auf. [Update: Gerade noch einmal richtig nachgeschaut im Stream – wir hatten gar nicht mitbekommen, dass Andrew Jennings – etwa nach 41 Minuten – in den Zuschauerraum fragte: „Ist nicht der neue Direktor der FIFA für Kommunikation hier? Hallo, wo sind Sie? Ich weiß, Sie sind hier im Gebäude! Wie viel bezahlen sie Ihnen denn dafür, dass Sie hier sind?“]

    „Ich bin kein Betrüger und kein Krimineller“, sagt er, unterdrückt die Wut in seiner Stimme kaum und sieht über zehn Bankreihen hinweg nur Jennings an, „ich habe noch niemals jemanden umgebracht – auch wenn ich das manchmal gerne würde. Die Mafia hat tausende Menschen umgebracht – und die FIFA ist letzen Endes doch nur Fußball. Es ist respektlos, diese Dinge zu vergleichen.“ Es gebe immer zwei Seiten einer Geschichte und damit auch zwei Wahrheiten – zum Beispiel von der Aussage, die FIFA habe Jennings Hausverbot erteilt, weil er unbequeme Fragen gestellt habe. Der Grund dafür sei das unangemessene Verhalten des Journalisten während einer Pressekonferenz gewesen. Er habe die PK als Plattform für sich genutzt, anstatt konstruktive Fragen zu stellen, die auch beantwortet worden wären.

    Nach seinem Statement klatscht etwa die Hälfte der Menschen im Saal. Man darf es wohl als Höflichkeit auslegen, aber auch als Anerkennung mit gewissen Einschränkungen. Noch vor ein paar Jahren, so sagen Play the Game Organisatoren, war es üblich, dass die FIFA Beobachter inoffiziell zu „Play the Game“ geschickt hat. Dennoch: Die FIFA hat es auch in diesem Jahr versäumt, sich beispielsweise in einem eigenen Panel ausführlich und in einem vernünftigen Diskussions-Umfeld den Fragen der Teilnehmer zu stellen.

    Jennings bezeichnet de Gregorios Aussagen wiederum als Lügen, schaut „Walter“ in die Augen und fordert ein klares Bekenntnis der FIFA zu wirklicher Transparenz: „Dann stellt doch alle eure Dokumente online und streamt eure Sitzungen… Das werdet ihr aber nie tun!“


    12.55 | 06.10.

    [ Jonathan – FIFA-PR]

    Nach dem Panel: Die Journalisten scharen sich um Walter de Gregorio. Ob sie sich an die Worte von JW erinnern, die er wenige Minuten zuvor an seine Kollegen gerichtet hat?

    „Macht eure Hausaufgaben, recherchiert… stellt die richtigen Fragen!“


    13.02 | 06.10.

    [ Anja & Jonathan – Video]

    Die vollständige Jennings & Weinreich Session steht bereits als Videostream online:

    Watch live streaming video from playthegame_dshs at livestream.com

    13.51 | 06.10.

    [ Daniel – Atmosphäre]

    Der Sportinsider hatte gestern wie erwähnt in den Kommentaren nach der Stimmung gefragt. “Gibt es in den Pausen kontroverse Diskussionen? Wie ist generell die Atmosphäre vor Ort? Wie ist die Unterkunft und Verpflegung im Detail?” Während Jonathan und Anja Andrew Jennings und Jens Weinreich lauschen, sitze ich im Zug und sorge für den weichen Content: Gepennt haben wir in einem Gästehaus an der Sporthochschule (Anja) beziehungsweise bei Freunden (Jonathan und ich). Jonathan und ich haben mittlerweile vier beziehungsweise drei verschiedene Schlafplätze gehabt. Die Schlafzeit sinkt aber ohnehin von Nacht zu Nacht. Von sieben runter bis auf zuletzt gut drei, meist sind wir noch ein wenig in Köln unterwegs.

    Die Konferenz ist in der Sporthochschule. Die Atmosphäre ist entspannt, fast ruhig, finde ich. Die Vorträge sind in ganz klassischen Hörsälen, es gibt einen kleinen Pressraum – den Schulungsraum der Uni – mit 20 Plätzen, die aber meist nur zum kleinen Teil belegt sind. Mittags gehts in die Mensa, nachmittags gibts Kuchen, abends Pizza oder Buffet. Und die Getränke sind gratis. Ich hoffe das war genug Verpflegungswissen.

    Ich hätte mir die Konferenz noch größer vorgestellt, hätte gedacht, dass mehr Journalisten dabei sind. In den Pausen und bei weniger spannenden Vorträgen ist genug Zeit zum reden, selbst für Liveblogger. Auch für gute Diskussionen; zum Beispiel über die eigene Zukunft, die des Bloggens und des Journalismus. Was man halt so redet als Journalist. Was ich sehr angenehm fand war der Sportpolitik-Tag des Deutschlandfunks am Sonntag. Ein guter Tag zum Reinkommen mit Leuten, die man lange nicht gesehen hat (ins Blaue: vielleicht 80 Leute). Falls Anja und Jonathan das anders sehen, bitte ich um Korrekturen.

    //Anmerkung Jonathan: Keine Anmerkung.


    13.54 | 06.10.

    [ Daniel – taz-Interview]

    Bisschen Lesestoff für zwischendurch: Die taz hat ein Interview mit Play the Game-Organisator Jens Sejer Andersen geführt. “Kein Mensch der Welt glaubt, was Sepp Blatter sagt.” Andersen sagt: “Das Problem ist, dass gerade die Top-Funktionäre der weltweiten Sportverbände ohne Kontrolle agieren.”


    14.00 | 06.10.

    [ Jonathan – Technikpause]

    Wir werden das Liveblogging für kurze Zeit unterbrechen, rechne mit einer Stunde. Zwei Gründe:
    1. Mac-Akku laden (in den Hörsälen dürfen die Steckdosen nicht benutzt werden)
    2. Nutze die Gelegenheit, um mehr Struktur in die einzelnen Abschnitte zu bringen. Dank dogfood kenne ich endlich die Funktion für lokale Anker, fiese Fleißarbeit.


    15.24 | 06.10.

    [ Jonathan – Back to game]

    Fleißarbeit beendet. Jetzt sind alle unsere Einträge mit lokalen Ankern versehen, also direkt verlinkbar. Macht gerne Gebrauch davon.


    16.51 | 06.10.

    [ Jonathan – Jean-Loup Chappelet: „Governance of sport governance: The limits to autonomy“]

    Nach einer längeren technischen Pause werden wir die folgenden Session bis zum Ende mitverfolgen. Der Schweizer Jean-Loup Chappelet vergleicht gerade die Management-Strukturen des IOC und der FIFA. Wir werden die Tabellen hier verlinken, sobald sie online zur Verfügung stehen. Lohnt sich da immer mal wieder reinzuschauen, um das journalistische Basiswissen aufzufrischen. Neben den vielen, vielen Gemeinsamkeiten sei nur ein Unterschied exemplarisch genannt: Das IOC setzt sich aus 115 natürlichen Personen (Mitgliedern) zusammen. Die FIFA besteht aus 208 verschiedenen nationalen Fußballverbänden.

    In seinen Ausführungen betont Chappelet die unkontrollierbaren Management-Strukturen in den beiden Verbänden. Auch er betont die Notwendigkeit eines „Watchdog“, um eine externe unabhängige Überwachung zu garantieren. Wie in jedem anderen Unternehmen sollen Sportverbände zur Transparenz verpflichtet werden. Als Startmaßnahme könnte ein „Global Sport/ Index Code“ definiert werden, der sich aus Indikatoren wie Alter, Geschlecht und Nebeneinkünfte zusammensetzt.


    17.00 | 06.10.

    [ Jonathan – Anne Schwöbel: „How integrity in sports can be preserved – a perspective on international sports organisations in Switzerland“]

    Die Geschäftsführerin von Transparency International Schweiz beschreibt in einem kurzen Vortrag einen Zwei-Wege-Ansatz, mit der aus ihrer Sicht die Korruption in Sportorganisationen bekämpft werden kann. In einem ersten Schritt sollen Risikofaktoren bestimmt werden. Dabei müssen die für Korruption anfälligen Gebiete/ Positionen definiert werden. An dieser Stelle ruhig mal die „Checkliste für Korruption“ anschauen, die Jens Weinreich im Februar verlinkt hat. Zudem sollen existierende Fälle und Erfolge evaluiert werden. Anschließend kann im zweiten Schritt ein Anti-Korruptionsprogramm entwickelt werden. In dem Programm muss ein Anti-Korruptions Code definiert werden. Die beschlossenen Vereinbarungen müssen von allen Partner, Agenturen und Dienstleister der Sportorganisation bestätigt werden.


    18.01 | 06.10.

    [ Anja – Jerome Champagne: „Which FIFA in the 21st Century?“]

    Eigentlich ist es ja alles ganz einfach. Sagt Jerome Champagne. Aber wahrscheinlich fühlt sich plötzlich alles irgendwie einfach ein, wenn man wie Champagne nicht mehr Direktor für Internationale Beziehungen bei der FIFA ist. Bisher habe er nie über seine Zeit bei der FIFA und vor allem nicht über seinen ehemaligen Chef Sepp Blatter sprechen wollen, sagt er. „Ich wollte mir erst einmal Zeit nehmen, darüber nachzudenken, was wichtig ist für die Zukunft. Und jetzt bin ich hier, um darüber zu sprechen – über die Zukunft, nicht über die Vergangenheit und auch nicht über die Gegenwart.“

    Das tut er dann doch, als er weit ausholt um zu erklären, dass das Modell FIFA grundsätzlich kein schlechtes ist – nur eben in seiner aktuellen Form. „Der Fußball befindet sich gerade in einer Krise – wirtschaftlich, es gibt Spielverschiebungen, Doping, Vertrauensverlust. Aber der Fußball hat in der Vergangenheit schon einige Krisen durchgestanden.“ Ein Beispiel dafür, dass das möglich ist: „Es gibt Betrug im Fußball – aber es gibt auch den Willen, darüber zu berichten.“

    Damit also aus der aktuellen FIFA eine wird, mit der man gern in die Zukunft gehen möchte, braucht es vor allem: Balance. Mehr Gleichgewicht zwischen Profifußballern und Amateurfußballern, mehr Gerechtigkeit bei der Zusammenarbeit von Vereinsfußball und Nationalmannschaften, ein Gleichgewicht zwischen Globalisierung und der nationalen Identität der Verbände und Vereine, zwischen dem Bedarf, Geld zu haben, und den Gefahren, die davon ausgehen. Ein Gleichgewicht zwischen den Fußballvereinen auf der ganzen Welt: „Es ist arrogant zu glauben, dass das, was für den europäischen Fußball gut ist, auch für den weltweiten Fußball gut sein muss. Wir müssen von unserer eurozentrischen Vorstellung loskommen“, sagt Champagne. „Und es ist auch nicht fair, so zu tun, als würde man den weltbesten Verein finden, indem man den besten Verein Europas gegen den besten aus Südamerika spielen lässt – was ist den mit asiatischen Vereinen? Mit afrikanischen Vereinen? Auch darüber müssen wir nachdenken.“

    Damit diese Umwälzung funktionieren kann, sagt Champagne, müssen vor allem die Spieler und die Clubs mehr in die Verbandsarbeit und die Entscheidungen eingebunden werden anstelle ihrer indirekten Vertretung. „Wir müssen einen weltweiten demokratischen Verband von Vereinen gestalten mit Vertretern für Vereine und Spieler.“ Außerdem gehe es natürlich darum, die Strukturen der FIFA so zu verändern, dass Transparenz gewährleistet ist. Das 21. Jahrhundert ist ja auch noch lang genug, um das zeitlich zumindest schon einmal möglich zu machen.


    18.14 | 06.10.

    [ Jonathan – Play the Game Award 2011]

    Dinge, die ich schon immer mal live-live-live tickern wollte:
    Der Ehrenpreis dieser Konferenz wird verliehen… und der Sieger ist… oh, es gibt gleich zwei Gewinner… Hinweis: „Sie sind keine guten Beispiele für einen vorbildlichen Kleidungsstil“… Glückwunsch: ANDREW JENNINGS & JENS WEINREICH


    20.01 | 06.10.

    [ Anja, Daniel, Jonathan – Christer Ahl und der Cologne Consensus]

    Die Teilnehmer von Play the Game verabschieden zum Abschluss den “Cologne Consensus”. Die Vorschläge für internationale Standards zur Korruptionsbekämpfung schließen mit einer Aufforderung an das IOC, bis Ende 2012 eine große Konferenz zu diesem Thema zu organisieren. Beteiligt sein sollen: Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, nicht-olympische Sport-Organisationen, Medien, Wissenschaftler und andere Experten. Am genauen Wortlaut wird noch gefeilt, wir reichen das Papier nach.

    [Update] Der „Cologne Consensus“ als PDF-Download und auf playthegame.org

    Wir haben zum Abschluss noch mit Christer Ahl gesprochen. Ahl war im Internationalen Handball-Verband für Regeln und Schiedsrichter zuständig, bis er als Whistleblower verschiedenste Skandale auffliegen ließ. Er hat am Cologne Consensus mitgearbeitet, dem Abschlussdokument dieser Tagung. Einen ersten Ausschnitt aus dem Gespräch gibts jetzt schon, in den nächsten Tagen legen wir zwei längere Gespräche mit ihm auf englisch und deutsch nach.


    20.05 | 06.10.

    [ Jonathan – Keine Köln Klammer]

    Das emotionale Verabschiedungsvideo ersparen wir euch dann doch… In den nächsten Tagen plane ich die gesammelten Themen in einer kleinen übersichtlichen Datenbank aufzubereiten. Wer immer noch mitliest, darf sich gerne zu Wort melden: Wie hat euch das Cross-Live-Blogging gefallen? Sollen wir das bei Gelegenheit wiederholen?

    Morgen früh geht es zurück nach Berlin, jetzt zur Farewell Party. Kölsch-Nacht.


    14.48 | 26.10.

    Der Abstimmung zum Euro-Rettungsschirm sei Dank, beginnt der Sportausschuss später und ich bin selbst 14:45 Uhr überpünktlich vor Ort. Die Damen und Herren werden hier gleich (höchstwahrscheinlich) zu Beginn über einen „Ausschluss der Öffentlichkeit“ abstimmen. Das wäre ein echtes Ding, zumal keine Gründe erkennbar sind. Nur damit die Kandidaten in Ruhe ihre Games weiterzocken können?


    15.18 | 26.10.

    Vor drei Minuten eröffnete Dagmar Freitag noch mit „Herzlich Willkommen…Verehrte Gäste…“ die Sitzung. Noch vor Beginn der Tagesordnung meldete sich Klaus Riegert zu Wort. Auf Grund von privaten Sitzungen hätten er und seine Kollegen keine Möglichkeit gehabt, die Tagesordnung gesondert durchzusprechen… Resultat: Nach §69 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages beantragte er eine nicht-öffentliche Sitzung. Abstimmung darüber muss nicht-öffentlich erfolgen.

    Abstimmung erfolgt in diesem Moment. Irgendwie erahne ich das Ergebnis. Nur Peinlich, ein Rückfall in alte Zeiten.


    15.25 | 26.10.

    Dauerhafte Abschuss beschlossen – Spielekonsolen können herausgeholt werden.


    15.29 | 26.10.

    Freudscher, sorry… Dauerhafter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde soeben beschlossen.


    16.04 | 26.10.

    Ich sammele ein paar Eindrücke von vor Ort…

    Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) erschien gerade verspätet, fragte ihren Kollegen: „Sind die noch bei Top 1, der Nicht-Öffentlichkeit?… Jaja, die haben heute was ganz fieses vor.“

    Es geht nicht nur um heute. Das vorhin war ein Generalbeschluss. Ab sofort wird der Sportausschuss nicht mehr öffentlich tagen. Riegert hat das in der Runde laut Martin Gerster (SPD) mit zwei Gründen argumentiert:
    a) Sportausschuss ist der einzige Ausschuss, der öffentlich tagt.
    // Stimmt nicht. Der Europaausschuss tagt laut Gerster ebenfalls öffentlich
    b) Schlechte Presse von den letzten Sitzungen. Konkret hat er die letzten Berichte im Deutschlandfunk angesprochen, auch das von mir oben verlinkte Interview als Beispiel aufgeführt.
    // Im ernst???? Sooo eitel? War er mit seinen eigenen Aussagen nicht einverstanden? Die letzten Berichten des DLF zum Sportausschuss waren einwandfrei, alles mit Fakten belegt. Fakten, die Riegert & Co nicht öffentlich kommuniziert haben wollen.

    Abstimmung verlieft nach Gerster wie erwartet: CDU/CSU/ FDP haben den Beschluss durchgedrückt, Opposition mit Gegenstimmen. Er möchte in Zukunft vor jeder Sitzung einen Antrag stellen, indem er zunächst für ein halbes Jahr erneut Öffentlichkeit erwünscht. An dieser Stelle sei gesagt: Ich bin heute erst zum zweiten mal im Sportausschuss, kann dementsprechend die einzelnen Figuren hier noch nicht wirklich einschätzen. Ob er mit diesem Antrag, der nicht durchgehen wird, nur PR betreiben will? Keine Ahnung.

    Noch zwei Sätze zur Geschichte, die ich an dieser Stelle nur berühren kann. Bitte gerne ergänzen, ggf. korrigieren. Der Sportausschuss war sehr lange nicht öffentlich. In den vergangenen zwei Legislaturperioden hat sich das geändert. Der letzte Beschluss für die Öffentlichkeit wurde im November 2009 gefasst. Jetzt kehrt die CDU also zu ihren Kohl-Ursprüngen zurück.


    16.34 | 26.10.

    Welche Folgen hat nun der Ausschluss?

    Ein Kollege meinte eben, dass er in Zukunft den Sportausschuss nicht mehr besuchen will. Er hätte keine Lust drei Stunden vor der Tür zu warten, um nach der Sitzung irgendwelche Statements einzufangen. Und *plopp* geht die Öffentlichkeit verloren. Viel Raum für die Politiker in Ruhe zu werkeln.

    Die Journalisten sind übrigens nicht als Einzige ausgeschlossen. Vor dem Sitzungsraum warten auch zahlreiche Referenten des Tages, die erst zu ihrem Tagesordnungspunkt den Raum betreten dürfen. Heute betrifft das konkret: Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Deutscher Behindertensportverband, Special Olympics Deutschland. Diese Vertreter werden in Zukunft zweimal überlegen, ob sie überhaupt zum Sportausschuss anreisen werden, wenn dieser nicht-öffentlich tagt.


    16.51 | 26.10.

    Ich muss den Liveblog an dieser Stelle beenden. Die Kollegen sind bereits abgereist. Ein Bild der Zukunft.



    Unbedingt noch zu Jens Weinreich rüberschauen und die kommende Beiträge im Deutschlandfunk hören und teilen. Dieser Beschluss benötigt ganz dringend Öffentlichkeit.


    09.34 | 03.12.

    Auszüge aus der Eröffnungsrede von Thomas Bach. Entschuldigt viele Fragmente, muss noch den Schreib-Drive finden:

    …Der Sport erschafft die Menschen vor allen Dingen auch emotional und damit entfaltet er auch soziale Kraft…so ist er oft das einzige Gesprächsthema, das die Menschen miteinander teilen… wo fast alle mitreden können…dem Sport eröffnen sich gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten. Wir nutzen diese und wollen sie ausweiten…Der DOSB betreibt tagtägliche Integrationsarbeit…Der DOSB kämpft gegen Medikamentenmissbrauch im Alltag… gegen Korruption…Wir wissen von wissenschaftlichen Studien, dass 9 von 10 Sportler Vorbildfunktion haben… Olympiamannschaft als großartiger Botschafter des Landes… Der Sport seinerseits wird dieser Autonomie nur gerecht, wenn er die Regeln der Good Covernance einhält… keine Angst Herr Bundespräsident, der Deutsche Sport will ihnen heute kein Problemliste vorlesen… Wir wollen kein Bedenkenträger sein, dafür sind wir zu innovativ…Wenn wir im internationel Leistungsvergleich nicht zurückfallen wollen, muss die Förderung… ausgebaut werden… der Deutsche Bundestag sein Versprechen einlöst, nämlich den Deutschen Sport in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufzunehmen… Sehr geehrter Herr Bundespräsident, als Staatoberhaupt und als Schirmheer können sie sich hier wie zu Hause fühlen… Herzlichen Dank!


    10.11 | 03.12.

    Nun Mr. Wullf:

    …habe erst festgestellt, dass der DOSB erst 2006 gegründet wurde… Die Bundespräsidenten des Landes, alle neuen und natürlich auch ich sind durch verschiedene Vorgänge mit dem Sport verbunden… Bundesjugendspiele… ich weiß, was das für die Schüler bedeutet…Ich weiß, dass das eine Hinführung ist den eigenen Leistungszustand zu reflektieren… ich persönlich konzentriere mich auf das freizeitschaftliche Sporttreiben… immerhin eifere ich ab und zu den großen Dirk Nowitzki nach… aber Sport ist viel mehr als Spaß zu haben… Der Sport trägt ganz viel dazu dabei, dass Teamfähigkeit und soziales Verhalten dominieren… Wir werden die Pyramide bald auf den Kopft gestellt sehen mit wenigen Jungen und ganz vielen Alten… ich bin heute Nacht aus Indonesien wiedergekommen, ich hoffe sie merken es nicht alle zu sehr… dieser DOSB als größte Personenvereinigung in Deutschland… über 40.000 Tausend alleine im Berlin Marathon, war mir gar nicht klar, dass dort gar nicht alle mitlaufen können, die wollen… Wir zeigen hier, wozu wir hier in der Lage sind. Auch in zig anderen Städten, waren tausende auf den Beinen… Deutschland setzt gerade zu Maßtstäbe bei der Organisationen solcher Veranstaltungen… Sport lebt immer wieder neu vom ehrenamtlichen Engagement… und das wird natürlich ein Thema sein, wie wir junge Menschen begeistern, sich Jahre/ Jahrzehnte lang begeistern ein Amt zu übernehmen… in allen möchte ich danken… meine Frau und ich haben zum Beispiel noch großartig in Erinnerung, wie die Freiwilligen bei der WM2011 geholfen haben… man bekommt eine ganze Menge zurück… Wir wissen aus der Soziologie, wem einmal geholfen wird, der wird auch bereit sein anderen zu helfen… der Sport hat auch immer eine politische Dimension… sie agieren in einem gesellschaftlichen Umfeld… Berlin 1936… München 1972… Moskau 1980… Los Angeles 1984… Peking 2008… Sie haben die große Aufgabe, dass sie den Sport nach vorne bringen und seine Werte. Sie haben zu verhindern, dass andere den Sport (ausnutzen)… Sie müssen darauf achten, dass sie nicht missbraucht werden… dass man sie machen lässt, dass sie das aber auch verantwortlich machen… natürlich ist der Sport auch Wirtschaftsfaktor, dass ist auch gut und richtig so… gerade die Sportartikelausrüster in einer besonderen Weise Verantwortung übernehmen… kostenlos Materialien bei den Paralympischen Spiele zur Verfügung stellen… es ist wichtig die Auswüchse zu bekämpfen, gegen betrügerische… beispielsweise Wettbetrug, Doping und Korruption… Gerade in unseren Stadien dürfen wir die Gewalt einfach nicht so hinnehmen… da dürfen wir den Sport nicht alleine lassen. Da darf der Sport die Elternhäuser nicht alleine lassen. Das ist unser gemeinsame Aufgabe… Sie alle wissen, dass man für Sport als Hobby extrem viel Geld ausgegeben kann, aber man muss es nicht… der Sport ist im Kern für alle zugänglich… ich danke dem DOSB ganz herzlich für sein Programm „Integration im Sport“… wer gemeinsam Sport treibt, lernt sich gegenseitige kennen, zu respektieren, zu achten… Wer sich ein eigenes Urteil bietet, lässt dem Vorurteil keinen Raum… Wir können kaum hoch genug schätzen, wie wichtig der Sport für unseren Zusammenhalt ist… im Spot mit den Eltern der Nationalmannschaft gut zu beobachten… Beispiel wie Özil und Co bestens integriert sind… in den letzten Wochen haben uns alle die Nachrichten über das jahrelang ungehinderte Treiben einer rechtsextremistischen Gruppierung berührt… die Opfer waren alle bestens in unser Gesellschaft integriert… haben nicht nur das Leid des Verlustes eines Angehörigen zu verkraften, sondern auch die Verdächtigungen… ich lese meinem eigenen 3-jährigen Sohn jeden Abend das Buch „Irgendwie anders“ vor… ich glaube hier trägt der Sport dazu bei… die Wertschätzung für die Anderen, die etwas besser und flexibler können, als man selbst… Wenn man sich hier umschaut, nicht nur in der ersten Reihe, sieht man so viele Vorbilder unser Gesellschaft, dass man die Vorbildrolle unserer Trainer und Übungsleiter gar nicht hoch genug setzen kann… als Präsident erntet man meistens die Früchte, die andere ausgesät haben (// jetzt wird’s biblisch)… es gibt viele Länder der Welt, die ich jetzt nicht nenne, wo nur der eigenen Sport bejubelt werden… Herr Bach ist schon darauf eingegangen, 2011 neigst sich dem Ende zu… ich möchte darauf hinweisen, dass es ein schwieriges Jahr war… der Sport selber aber Menschen den Chance gibt von Alltagssorgen abzulenken… (//zählt eine Reihe erfolgreicher Sportergebnisse auf)… München 2018… ich habe seitdem einen regen Briefverkehr mit dem südkoreanischen Präsidenten… wir sehen natürlich, dass Deutschland als große Sportnation olympische Spiele hervorragend austragen könnte… es ist seit 1972 mehr Zeit vergangen, als zwischen 1936 und 1972… kann sagen, dass sie mich immer auf ihrer Seite haben, wann immer sie sich bewerben… ob Winterspiele oder Sommerspiele… 2006 hat die Wahrnehmung in unserer Welt für immer verändert… Deutschland hat ein so positives Bild in der Welt… deswegen sollten sie gucken, 2026 oder 2030, nehmen sie die Zukunft in den Blick… aber überstürzen sie das nicht… jetzt blicken wir auf 2012… freue mich besonders auf die Special Olympics in München… beabsichtige ich, zu den Paralympics zu fahren und die Sportler zu begleiten… hoffe, dass die Bundeskanzlerin zu den Sommerspielen fährt… ein Präsident muss auch darauf achten, dass er durch die ständigen Reisen kein Gegenstand der öffentlichen Debatte wird… das ist ihr Tag heute. Vielen Dank!

    Viel angerissen, viel Harmonie, aber kaum Meinung. Klassische Bundespräsidenten-Rede.


    10.23 | 03.12.

    Nun wieder Bach mit viel Honig für den Bundespräsidenten. Brauche ne kurze Schreibpause, um mich hier vernünftig aufzubauen.

    Für die Veranstaltung hat der DOSB das Hashtag #MGV2011 definiert. Hier im Saal scheint aber kaum einer zu twittern.

    Gibt es eigentlich irgendwo einen Livestream?


    10.52 | 03.12.

    Für seine „herausragenden Verdienste um den Sport“ erhält der Bundespräsident von Bach die Ehrenmedaille. Nur ein Auszug aus der Laudatio vom Thomas Bach:

    …Das haben Sie auch gegenüber dem DOSB immer unter Beweis gestellt. Schon wenige Tage nach ihrer Amtsübernahme haben Sie die Schirmherrschaft übernommen. Sie haben regelmäßige Gespräche mit dem Präsidium des DOSB geführt, und ich habe vielfältig Gelegenheit, bei persönlichen Begegnungen Ihren wertvollen Rat einzuholen… Ein ganz besonderes Zeichen haben Sie gesetzt durch ihre engagierte Unterstützung der Bewerbung von München um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018. Schon sehr früh, als die Bewerbung vor allen Dingen national noch mit vielen Schwierigkeiten und Gegner zu kämpfen hatte, schon zu diesem Zeitpunkt haben Sie entschieden, dass Sie persönlich zur IOC Session nach Durban reisen und das Bewerbungsteam dort anführen würden. Sie haben mir bei diesem Gespräch deutlich gemacht, dass Sie ihre Entscheidung auch nicht aus kurzfristigen politischen Opportunitätsgesichtspunkten und Chancenabwägungen revidieren würden…

    Danach Wowereit, reiche Redeauszüge nach, falls interessant.


    10.58 | 03.12.

    Nachgereicht das Programm der vergangen beiden Tage. Hier fehlt noch das Pressegespräch mit Vesper und Bach, welches am Donnerstag Abend statt fand. Meine Woche war dummerweise dicke voll, hätten mich gerne mehr in die Themen des Tages eingearbeitet, um leichter einordnen zu können. Nun gut, versuche das Maximale herauszuholen.

    DOSB_MGV2011_Ablauf_1./2. Dezember 2011


    11.12 | 03.12.

    Der Internetfan Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich war eben an der Reihe. Ein paar Auszüge reiche ich gleich nach.

    Über zwei Stunden Reden sind vorüber, nun beginnt die eigentliche Tagesordnung. Ich kann’s mir nicht verkneifen: endlich.

    Wir sind bei TOP 4. Ab TOP 8 wird es interessant.


    11.42 | 03.12.

    Zwei Leseempfehlungen, die den heutigen Tag betreffen. Zum einen berichten Fahrenholz, Krügel und Hutter in der SZ über den Antrag des DOSB, der heute durchgehen soll:Winterolympiade 2022 – DOSB rät München von Bewerbung ab.

    Andres Thema sind die Spielergesellschaften, deren Anlauf Anno Hecker in der FAZ unter dem Titel „Ungeliebte Gewerkschaften“ beleuchtet:

    Dabei hat der Dachverband fünf Jahre nach seiner Entstehung zumindest bei ihrer Unterstützung einiges zu bieten: nämlich beste Kontakte in die hohe Politik und wohl deshalb eine ungebrochene Auszahlung von Steuergeldern. Der Beitrag des Staates ist in den vergangenen fünf Jahren zunächst gestiegen. Jetzt wird kaum gekürzt.

    Und trotzdem droht Ungemach von denen, die davon profitieren sollen. „Es wird Zeit“, schrieben 29 Spieler- und Athleten-Gewerkschaften aus aller Welt Mitte November, „den Sport den Athleten zurückzugeben.“ Diese populistische Forderung hat einen ernsthaften Hintergrund. In Nyon entschieden sich diese Vereinigungen, im kommenden Frühjahr eine weltweite Vertretung auf die Beine zu stellen, die mit einer Stimme auf die Missstände bei der Behandlung von Sportlern aufmerksam machen und diese möglichst beseitigen soll…


    12.11 | 03.12.

    Dr. Christa Thiel (Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes, DOSB-Vizepräsidentin Leistungssport) verleiht gerade eine Ehrennadel, sie gilt als Nachfolgekandidatin vom jetzigen DOSB-Präsident Thomas Bach.

    Sollte es bei einen der kommenden Anträge eng zugehen, hier die Stimmaufteilung:

    Stimmaufteilung für die 7. Mitgliederversammlung des DOSB


    12.47 | 03.12.

    TOP 8 – Kommende Olympiabewerbung in Deutschland

    Einführung von Bach:

    Empfehlung gehört von der Politik & Co… Dieser Erwartung unserer Partner, die wir für eine Olympia Bewerbung brauchen, der wollen wir entsprechen… Sie haben heute morgen auch gehört, dass wir dieses Thema auch mit dem Bundespräsidenten und dem Innenminister erötert haben… als Ergebnis dieser vielen Gespräche, liegt ihnen ein Entschlussantrag vor.

    Dieser beinhaltet in Auszügen:

    4. Eine erneute Bewerbung ist innerhalb des Sports, aber auch mit den beteiligten Kommunen sowie mit Land und Bund sorgfältig abzuwägen. Dafür sind folgende Kernfragen bestimmen:

    Wie sind die internationalen Chancen? Welche Stadt wird für die Spiele 2020 gewählt? Welche Städte bewerben sich voraussichtlich für 2022?

    Ist wieder eine so einheilige politische Unterstützung zu erwarten, wie sie die Bewerbung für 2018 auf allen politischen Ebenen erfuhr und ohne die eine aussichtsreiche Bewerbung nicht machbar ist?

    Sind auch die Bürger/innen in den beteiligten Kommunen mit klarer Mehrheit für die Ausrichtung der Spiele? Wie votieren sie Bürgerentscheiden, die der Entscheidung über das Einreichen einer neuerlichen Bewerbung vorgeschaltet sein sollten?

    Wird es – auch angesichts der allgemeinen Finanz- und Staatsschulden-Krise – möglich sein, ein ausreichend ausgestattetes Bewerbungsbudget zu finanzieren?

    5. Die Mitgliederversammlung bittet das Präsidium, die Entwicklungen in allen Bereichen aufmerksam zu beobachten und dann, wenn die Zeit für eine Entscheidung reif ist… eine erneute Bewerbung anzustreben. Sie spricht sich aufgrund ihrer derzeitigen Einschätzung der obigen Fragestellungen dafür aus, zum jetzigen Zeitpunkt von einer Bewerbung um die XXIV. Olympischen Winterspiele und XIII. Paralympischen Winterspiele 2022 abzusehen.

    Dr. Michael Vesper führt in den Antrag für kommende Olympia-Bewerbung in Deutschland ein:

    Unsere Antwort deutet ganz klar. ja, wir wollen den Drive der Bewerbung Olympia 2018 nutzen, um erneut anzutreten. Allerdings müssen wir den richtigen Zeitpunkt abwegen… jetzt ist nicht der richtige Augenblick, um für Olympische Winterspiele 2022 den Hut in den Ringe zu werfen… aber der Hut ist nicht zu, auch nicht für 2022… wir plädieren auch nicht dafür, sich heute schon auf eine Winter oder Sommerbewerbung festzulegen… Die Tür für Sommerspiele ist keineswegs geschlossen. Sollten bis zum Ende der Bewerbungsfrist 2013 keine Bewerbung (von statten gehen), müssen wir erneut prüfen… Wir wollen das Olympische Bewusstsein dauerhaft in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken… das alle verkörpern am Besten die Athleten, die an Olympischen teilnehmen oder teilgenommen haben… diese Aufgabe sollten wir gemeinsam angehen.

    Diskussionsbeiträge aus dem Sitzungsaal:
    Person 1 (Andreas Trautvetter, Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland): Kritisiert eine Formulierung im Antrag, die aus seiner Sicht die Bewerbung für 2022 ohne Lesen des Gesamtkontextes ausschließt, zu einem Missverständnis führt. Dadurch wäre u.a. die oben verlinkte SZ Schlagzeile zu Stande gekommen. Möchte diesen Satz streichen, Antrag geht nicht durch (21 Stimmen dafür, 1 Enthaltung).
    Person 2 (DSV-Präsident Alfons Hörmann): Ski-Verband unterstützt den Antrag.
    Person 3 (Sprecher der Spitzenverbände): Plädoye für den Antrag im Ist-Zustand.

    Antrag geht mit vier Enthaltungen und keiner Gegenstimme durch.


    12.55 | 03.12.

    Auch der Antrag zur Neuregelung von Lotterien und Sportwetten geht locker durch, keine Enthaltung, einstimmig.

    Danach zwei Satzungsänderungen, einstimmig durch. Was machen eigentlich die Damen und Herren vom Sportausschuss? Die erste Reihe schaut ziemlich leer aus, Dagmar Freitag hält hielt sich wacker.


    13.24 | 03.12.

    TOP 10 Finanzen und Haushalt

    Trockener, beinahe gelangweilter, Finanzvortrag von Hans-Peter Krämer. Schauen wir mal auf ein paar Details. Beginnend mit dem Haushaltsplan für London 2012:

    DOSB_MGV2011_Haushaltsplan London 2012


    13.24 | 03.12.

    huch, schon zu Ende. Schnell rüber zum Pressegespräch..


    13.39 | 03.12.

    Eine Mitgliederversammlung, die 1,5 Stunden vor dem geplanten Ende keine Themen mehr auf der Agenda hat? Wie kann das sein?

    Wenn ich nichts verpasst habe, gab es am ganzen Tag nur 3 (!!!) Wortmeldungen im Podium, davon nur eine kritische, alle zu den kommenden Olympiabewerbungen. Keine Nachfragen zum Haushaltsplan und zu keinem anderen Thema. Traut sich keiner? Will keiner? Interessiert es niemanden? Alles unter Kontrolle von Vesper und Bach?

    Auch die Verteilung von Podiumsreden und der eigentlichen Tagesordnung ist interessant, dürfte so bei 50% zu 50% liegen. Viiiiiiiiiel Politik.


    14.31 | 03.12.

    Unkommentierte Auszüge aus dem anschließenden Pressegespräch:

    Thomas Bach Fazit:

    Mitgliederversammlung ganz im Zeichen des Bundespräsidenten, nicht nur im Kraft des Amtes, sondern auch der Inhalte… Wie er dargestellt hat, wie Sport die Gesellschaft reicher macht… Sport die Gesellschaft positiv gestaltet… wie er die Autonomie des Sport hervorgehoben hat… am Ende für mich das beeindruckende Wort. Wir können uns auf den Bundespräsidenten verlassen!

    Auch die Rede des BIM mit Übereinstimmung in den wesentlichen Fragen… auch im Kampf gegen Doping. Wir werden die Länder noch einmal dazu aufrufen, ihre Beiträge zu leisten…

    Keine Überraschungen im parlamentarischen Teil… lag alles vor… wobei wir uns natürlich gefreut haben für das Lob der Qualität der Bewerbung und das Vertrauen, dass sowohl der BP als auch der BIM uns entgegen gebracht haben, wenn wir eine erneute Bewerbung angehen sollten…

    Anno Hecker: „Notwendigkeit das Thema Olympia 2022 anzusprechen?“

    Antwort Thomas Bach:

    Wir haben noch einmal überlegt, welche neuen Fakten sollte es zwischen März und Dezember geben… wenn sie eine solche Bewerbung machen wollen, brauchen sie Partner… die Partner brauchen einen Zeitrahmen auf denen sie sich einrichten können…

    Nachfrage Hecker: Hätten sie Olympia 2022 auch ohne Druck der Amtsträger thematisiert?
    Thomas Bach:

    Ich glaube ja…

    Nachfrage zur Option für Olympische Sommerspiele in Berlin, die Wowereit heute ins Gespräch gebracht hat, dazu Bach:

    Wir wollen Olympische Spiele in Deutschland und brauchen dafür Partner… Berlin, wir freuen uns über dieses Interesse. Berlin ist geeignet, um Olympische Sommerspiele zu organisieren. Wenn wir im DOSB zu dem Entschluss kommen, dass Sommerspiele eine richtige Option ist. Dann ist Berlin sicherlich einer der ersten Ansprechpartner

    // Kleine Diskussion, warum der Antrag bereits einen Tag vorher öffentlich wurde.

    Frage am Beispiel des American Football Verbandes Deutschland, dessen Antrag vertagt wurde. Gefahr bald nur noch olympische Sportarten gefördert werden?

    Bach:

    Nein, entspricht nicht der Sportkultur unseres Landes. Gerade auch im Leistungssport wird die große Breite des Deutschen Sports sichtbar…

    (// fehlt eine Passage, kleines technisches Problem…)

    Bach nach einmal zur Bewerbung:

    Wir haben den Vorteil, dass wir dieses mal nicht einen solchen Vorlauf bräuchten wie beim letzten mal… wenn wir uns für Olympische Winterspiele bewerben, findet das mit diesem Konzept statt…

    Vesper zur NADA-Finanzierung:

    Wir geben 1,6 Mio, ungefähr ein Drittel dessen, was die NADA braucht. Wir sind als einer der drei Stakeholder (Politik, Sport, Wirtschaft) im Rahmen dessen, was wir leisten müssen und auch können… das ist glaube ich angemessen… stärkeres Engagement der Länder… und Wirtschaft… notwendig. Wenn der Bund 2013 seine Millionen abzieht, müssen wir die Millionen anderes besorgen… deswegen begrüßen wir den Runden Tisch… Der Kampf gegen Doping ist eine Aufgabe, die alle angeht… Heute sind die Länder (zu einer Beteiligung) offenbar nicht mehr bereit.


    14.38 | 03.12.

    Vieles habe ich unkommentiert stehen lassen, weil ich viele Prozesse im DOSB noch nicht beurteilen kann. Das wird sich in den nächsten Monaten verbessern, bin ich ganz zuversichtlich. Soweit der Liveblog mit vielen Zitaten, die so 1 zu 1 ausgesprochen wurden und nicht alle in offiziellen Protokollen zu finden sind.


    22.39 | 29.06.

    []

    Das Anti-Doping Review Board hat die Anklageschrift der USADA bestätigt. Wenn Armstrong gegen die Anklagepunkte vorgehen will, wird der Fall nun vor ein Schiedsgericht gehen und der Prozess kann beginnen. Eine aktuelle Meldung dazu hat cyclingnews soeben veröffentlicht.

    Kennt ihr schon das flowchart von @dimspace mit den Geschäftsbeziehungen von LA? Unbedingt mal anschauen, steckt ne Menge gute Arbeit dahinter. Wird auch immer wieder aktualisiert.

    Aus den Staaten zurück nach Lüttich: Hier hängen mittlerweile die ersten Fahnen, das Tour Village steht bereits und mit der Streckenabsperrung müssten sie gerade beginnen. Nach einem Regentag heute soll es morgen während des Prologs trocken bleiben, verbessert die Siegchancen von Sturzkönig und Topfavorit Wiggins.

    Wolken über Lüttich ©jsachse



    Nun noch ein wenig Schreibtischarbeit. Wer morgen während des Rennens ein paar kurze Infos von der Strecke mitlesen will, darf mir auf Twitter folgen: @jsachse.


    10.18 | 30.06.

    []

    Noch zwei Links:

    Der hervorragende Radsport-Blog THE INNER RING erklärt die Verteilung der Preisgelder.

    Der Sieger in Paris erhält 400.000€. Die rote Laterne muss mit 400€ für circa 3.500km strampeln leben. Wobei die Rechnung nicht ganz so einfach ist. Die meisten Preisgelder werden durch das Team geteilt, aber reich wird kein Edelhelfer.

    Und die Startliste aller Fahrer, 14 Uhr geht’s los.


    10.29 | 30.06.



    Wer es gestern Nacht nicht gelesen hat: Die USADA kann den nächsten Schritt gehen und die Doping-Anklage gegen Lance Armstrong und Crew beim Schiedsgericht einreichen, Prozess soll im November beginnen. Das offizielle Statement hat mir die USADA vor ein paar Stunden geschickt:

    USADA can confirm that the independent three person Anti-Doping Review Board (ADRB) has conducted a full evaluation and has made a unanimous recommendation to move forward with the adjudication process in accordance with the rules. All respondents will have the opportunity to exercise their right to a full public arbitration hearing, should they so choose, where all evidence would be presented, witness testimony would be given under oath, and an independent group of arbitrators would ultimately decide the outcome of the case. USADA will continue to follow the established procedures that are compliant with federal law and were approved by athletes, the U.S. Olympic Committee, and all Olympic sports organizations.


    14.05 | 30.06.

    []

    Ich habe mir gerade mal den Ablauf bei der UCI-Jury genauer angeschaut. Bei einem Zeitfahren muss jeder Fahrer vor dem Start sein Rad auf alle möglichen Details checken lassen. Gewicht, Sattelhöhe, Abstände von x zu y etc.

    Erinnere mich an ein paar kuriose Entscheidungen, die von den UCI-Herren in der Vergangenheit getroffen wurde. Besonders technische Neuentwicklungen sind vor der Jury eine echte Hürde.


    16.05 | 30.06.

    []

    Rolf Aldag ist auch bis morgen in Lüttich. Fungiert hier als technischer Berater von Tony Martin. Der sitzt seit zwei Minuten auf der Rolle. Trägt wie viele Fahrer beim Aufwärmen eine Kälteweste.


    17.47 | 30.06.

    Ist Bruyneel gerade glücklich?


    11.50 | 01.07.



    Wer heute nicht auf Tweets vom Start verzichten möchte, sollte cyclingmagazine und Andreas Burkert (SZ) auf Twitter folgen.


    11.59 | 01.07.



    Beim Zeitfahren sind die Fahrer verpflichtet vor dem Start mit ihrem Rad bei den Rennkommissaren der UCI vorbeizuschauen. Die drei ernsten Herren checken dort alle möglichen Details. Diverse Abstände, Gewicht, Sattelhöhe, Materialien etc.

    Danach kehren die Fahrer allerdings zu ihrem Mannschaftsbus zurück und haben theoretisch noch genügend Zeit, um an ihrem Rad etwas zu verändern. Raum für Manipulation besteht.

    15 Minuten vor dem Start müssen die Fahrer vor der Startzone erreichen. Dort rollen sie noch ein wenig rum, schreiben sich ein und starten.

    UCI-Rennjury beim Prolog. ©jsachse



    UCI-Rennjury beim Prolog. ©jsachse



    UCI-Rennjury beim Prolog. ©jsachse



    UCI-Rennjury beim Prolog. ©jsachse



    12.09 | 01.07.



    Die Eisbäder und Kühlanzüge nach einer Etappe gehören mittlerweile zum Standard. Beim Start vor einem Zeitfahren habe ich bislang noch nie auf die Kühlmethodiken der Teams geachtet. Die meisten Fahrer nutzen Kühlwesten, die beim Warmfahren tragen. Rabobank hat sich ein kleines Ventilatorsystem gebaut, mit der die kühle Luft über die Aufwärmzone vorm Mannschaftsbus verteilt wird. Die Installation wirkte auf mich eher wie eine Notlösung. Als hätten die Niederländer ihre Kühlwesten in der Heimat vergessen.

    Eis wird bei Rabobank via Ventilator verteilt. ©jsachse



    Leipheimer und Martin mit Kältewesten. ©jsachse



    SaxoBank-Tinkoff ohne Contador. ©jsachse



    Vinokourov, voll im kasachischen (Fan)tunnel? ©jsachse



    Der Typ hat mir gestern Angst gemacht.

    Menchov. Noch älter, aber deutlich dünner. ©jsachse



    12.37 | 01.07.

    Etappenstart stand vor Verspätung. Bauarbeiter in Lüttich streiken. A.S.O. Lösung: Worker sollen 2min. TV-Präsenz bekommen.

    Wie hätte die UEFA das Problem gelöst?


    13.10 | 01.07.



    Frage mich: Ändert der Auftakterfolg durch Cancellara irgendetwas an der Stimmung im Team RadioShack-Nissan-Trek-Becca?

    Die Fahrer können sich sportlich ablenken, indem sie mit der Verteidigung des Gelben Trikots eine klare Aufgabe vorgesetzt bekommen, ok. Sobald das Fahrrad am Teamhotel abgegeben wurde, dürften die Streitigkeiten aber wieder präsent sein.

    Cancellara in Gelb. ©jsachse



    Metaphorische Fragestellung, bitte wählen: Warum trinken die Jungs Sekt?
    (1) Geschmack – Dem eigenem Wohl zur Liebe.
    (2) Gemeinschaft – Zusammen feiern macht Spaß.
    (3) Gruppenzwang – Wer nicht schluckt, ist doof.

    Sekt bei RadioShack. Ohne Bruyneel. ©jsachse



    13.21 | 01.07.



    Über Europcar muss in den nächsten Tagen noch gesprochen werden. Ein gute erste Zusammenfassung lieferte gestern Klaus Blume im Deutschlandfunk, hier nachlesen.

    Ab Dienstag bin ich in einem Europcar-Mietwagen unterwegs. Hätte ich das vorher gewusst. Schwer mit der 100% Unabhängigkeit.

    Stille bei Europcar. ©jsachse



    Schöner Gelegenheit für einen Test. Wir liest bis hierhin mit? Erkennt irgendwie die rechte Person, mit der sich Europcar-Teammanger Jean-René Bernaudeau gestern lange unterhalten hat?

    Jean-René Bernaudeau im Gespräch mit? ©jsachse



    13.22 | 01.07.

    Oh, gab es schon länger nicht mehr: Eine geschlossene Schranke hat die heutige Ausreißergruppe gebremst. Haben etwas 1 Minute warten müssen, sind aber noch vorne.


    13.24 | 01.07.

    Bad luck Tony Martin again. Nach 11km auf dem Asphalt.


    18.31 | 01.07.

    Tony Martin mit Verdacht auf Schlüsselbein Handgelenkbruch ins Krankenhaus. Bestätigt sich die Verletzung, muss er nicht nur bei der Tour aussteigen, sondern auch auf die Olympischen Spiele verzichten. Braucht in der Regel mindestens 6 Wochen.


    22.48 | 01.07.

    Nachricht von Kollege Mustroph: Die linke Hand von Martin soll so stark angeschwollen sein, dass man nicht feststellen kann, ob dort etwas gebrochen ist. Bei der Schulter gibt es Entwarnung. Nur Prellungen, kein Bruch. Morgen früh entscheiden die Teamärzte, ob er an den Start geht.


    10.00 | 02.07.

    Martin Update: Kahnbein (Handwurzel) gebrochen. Wird mit Plastik-Manschette starten und Schmerzen testen. Könnte also früh vom Rad steigen.


    12.13 | 02.07.



    Beim Spaziergang durch den Zielort Tournai habe ich mal wieder den Fußballvergleich gezogen. Die Tour-Straßenfeste sind authentisch geblieben. Jedes Dorf hat seinen eigenen Charakter. Klar, auch hier müssen sich die städtischen Veranstalter an die Richtlinien der ASO halten. Diese sind aber nicht vergleichbar mit den harten Grenzwerten der UEFA. Keine fiese Fußball-Fanmeile, die in jeder Stadt doch irgendwie den gleichen Charakter hat. Jeder Tourort versucht sich authentisch zu zeigen. Musik, Essen, ganz allgemein die Atmosphäre ist authentisch.

    Notre-Dame de Tournai ©jsachse



    Lesen, aber bitte keinen Gehirnspeicher verbrauchen: Malerarbeiten im Ziel wurden gerade beendet.

    Das Gelb ist voll. ©jsachse



    12.44 | 02.07.



    Martin sollte sich ernsthaft fragen, ob ein sofortiges Aussteigen nicht besser wäre. Verletzung bis London behandeln.

    Ein anderer Sportler hat zuletzt den selben Fehler gemacht und wollte bei allen Jahreshighlights zwingend dabei sein: Bastian Schweinsteiger. Wochenlang Schmerzmittel, um am Ende sportlich mit leeren Händen nach Hause zu fahren. Mehr zum Thema auf der Fußballdoping-Website von Daniel Drepper und Crew.


    13.45 | 02.07.



    15.41 | 02.07.



    Dennis Ballwieser erklärt auf SPON einen Kahnbeinbruch und meint:

    Eigentlich müsste er jetzt wochenlang einen Gips tragen – anstatt weiterzufahren. Verheilt der Knochen falsch, droht Gelenkverschleiß.

    Dem Rat wird Tony Martin wohl nicht folgen.


    16.41 | 03.07.



    Kittel etwa 34km vorm Ziel abgehangen. Ein Teamkollege bei ihm. Hard finish.


    16.43 | 03.07.



    Stacheldrahtzaun Reloaded.


    15.27 | 04.07.



    Den Sagan Vergleich mit Usain Bolt bekomme ich nicht mehr aus dem Kopf. Ein Showmaster mit einer lautstarken Fancrew, die gestern die Siegerehrung mit Sagan-Rufen kontinuierlich zuspammte. In der schnellsten Disziplin des Radsports, dem Sprint, hatte er bislang zwei Chancen für einen Etappensieg und hat beide locker gewonnen. Da geht noch mehr, auch das erinnert an Bolts 100m Läufe.

    Machtdemonstration Nr.1 via ASO



    Machtdemonstration 2 via ASO



    Sagan Spammer ©jsachse



    16.03 | 04.07.



    Ich habe für ZEIT-Online die Dopingfälle beschrieben, die momentan die Tour mehr oder weniger beschäftigen und darüber mit dem L’Equipe Journalisten Damien Ressiot gesprochen.

    Boulogne sur Mer, Frankreich

    Marcel Kittel hat es in diesen Tagen nicht leicht. Der Sprinter muss sich nicht nur mit einer Mageninfektion herumschlagen, die ihn auf den vergangenen beiden Etappen jeweils erst viele Minuten nach dem Sieger ins Ziel kommen ließ, am Dienstag wurde er sogar nur Vorletzter. Auf den völlig erschöpften Kittel warteten beide Mal auch die sogenannten Chaperons, jene Männer und Frauen, die die Fahrer zur Dopingkontrolle geleiten und aufpassen, dass alles gut läuft. Ärgerlich für Kittel, normalerweise werden nur die Besten regelmäßig kontrolliert, bei den weiter hinten Platzierten wird gelost, und der Lostrommel ist der Etappenverlauf und die aktuelle Befindlichkeit egal.

    Es ist also Zufall, dass Kittel gleich zweimal kontrolliert wurde. Es ist aber kein Zufall, dass bei ihm besonders genau hingeschaut wird. Seit Saisonbeginn wird er mit Dopingvorwürfen konfrontiert (Siehe Februar-Interview hier im Blog). Kittel und sein Teamkollege Patrick Gretsch, Siebter im Prolog, waren in die Erfurter Blutdoping-Affäre verwickelt. Beide standen auf einer Liste von 30 Athleten, denen der ehemalige Arzt des Erfurter Olympiastützpunkts, Andreas Franke, Blut abgenommen, mit UV-Licht bestrahlt und wieder zurückgeführt haben soll. Eine heftige Diskussion über die Gültigkeit des Anti-Doping-Codes der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) entbrannte. Anfang Juni meldete sich David Howman in einem ZEIT-ONLINE-Interview zu Wort, forderte Aufklärung. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) leitete gegen einen weiteren Athleten von der Erfurter Liste ein Sportschiedsgerichtsverfahren ein. Weitere Verfahren, auch gegen die Erfurter Kittel und Gretsch, könnten folgen.

    Das Thema Doping fährt also auch bei dieser Tour de France mit. Nur soll nicht darüber geredet werden. Eine Liste mit neun einfachen Fragen zum diesjährigen Kontrollsystem lässt der Radsportweltverband (UCI) unbeantwortet. „Die UCI wünscht sich während der Tour keine Fokussierung auf Dopingthemen“, begründet der UCI-Pressesprecher Enrico Carpani die zurückhaltende Kommunikation. Doch das funktioniert nicht. Dafür liegen noch immer zu viele Dopingthemen auf dem Tisch.

    Dabei geht es auch wieder einmal um Lance Armstrong. Bereits Wochen vor dem Start klagte die amerikanische Anti-Doping Agentur (Usada) in einem 15-seitigen Schreiben (pdf) den siebenfachen Tour-de-France-Sieger und fünf seiner Begleiter öffentlich wegen umfangreicher Doping-Verstöße an. Ein Kontrollgremium bestätigte die Anklage. Lance Armstrong müsste bis zum 9. Juli Einspruch erheben, um den Fall vor ein Schiedsgericht zu bringen. Der Prozess würde wohl im November beginnen. Armstrongs Vertrauter und ehemaliger Teamchef Johan Bruyneel verzichtete wegen der Vorwürfe auf das wichtigste Radrennen der Welt. Und das obwohl Bruyneel sich als Chef des RadioShack-Nissan-Teams eigentlich um seine Fahrer kümmern müsste, darunter die Deutschen Jens Voigt und Andreas Klöden.

    Ein weiterer Dopingvorwurf betrifft das aktuelle Peloton. Im letzten Jahr wurde die Europcar-Mannschaft von Teamchef Jean-René Bernaudeau gefeiert. Die Tour eröffnete in der Heimat des Geldgebers, die Fahrer in den grünen Trikots präsentierten sich angriffslustig, erhielten wertvolle TV-Präsenz. Der Sponsor dürfte sich gefreut haben. Und es wurde noch besser: Gleich zwei französische Fahrer fuhren überraschend um die Gesamtwertung mit. Pierre Rolland und Thomas Voeckler waren lange vorne dabei – auf einem Niveau mit den großen Favoriten Alberto Contador, Andy Schleck und dem späteren Toursieger Cadel Evans.

    Doch seit August 2011 untersucht die Pariser Staatsanwältin Dominique Pérard die Erfolgsgeschichte des französischen Rennstalls. Dabei wurde der Justiz von der französischen Anti-Doping Agentur (AFLD) mitgeteilt, dass es am zweiten Ruhetag der Tour nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll: Infusionen und Kortisonpräparate sollen verabreicht worden sein, um die Regeneration der Überraschungsfahrer zu beschleunigen.

    Drei Tage vor Tourbeginn 2012 veröffentlichte der Journalist Damien Ressiot die zusammengetragenen Fakten in der Sportzeitung L’Equipe. Es hagelte Kritik, auch von Kollegen. Ein Angriff auf die geliebten Nationalhelden! „Einige französische Medien haben den Zeitpunkt und die Notwendigkeit kritisiert“, sagt Ressiot. „Aber wenn ich eine sichere Information erhalte, gebe ich sie sofort bekannt. Egal, was gerade aktuell ist.“

    Im Fahrerfeld kam die Veröffentlichung nicht gut an. Man ist genervt von dem Thema und vermutet System. „Es ist einfach wieder diese Medienhascherei, dass dann so etwas wieder pünktlich mit Tourbeginn erscheint“, sagt der deutsche Fahrer Tony Martin und behauptet: „Ich denke, solche Themen könnte man auch ganz easy im Oktober und Dezember klären.“

    Einen Tag nach der Veröffentlichung schimpfte Teamchef Bernaudeau auf einer Pressekonferenz. Der Erfolg seiner Equipe würde Neider nach sich ziehen. Ein Heimspiel. Mit seinem Charme hätte er „einen Hof von Journalisten“ um sich versammelt, meint Ressiot. Und tatsächlich: Mit Tourbeginn schien die Causa Europcar medial bereits abgeschlossen.

    Mit der kritischen Distanz muss sich Damien Ressiot bereits im eigenen Haus auseinandersetzen. Die Muttergesellschaft seiner Zeitung, Amaury Sport Organisation (ASO) veranstaltet die Tour de France. „Das hat mir in der Vergangenheit ein paar Schwierigkeiten gebracht, weil die ASO nicht gerne etwas über Doping hört.“ Der Franzose pflege nur den minimal notwendigen Kontakt zur ASO, möchte keine Beziehungen zum Veranstalter aufbauen.

    Auch zur Tour de France fährt Ressiot nicht. Seine Recherchen bearbeitet er zum größten Teil aus Paris. Der Abstand sei notwendig, sagt er. Der ist nicht bei jedem gegeben, der über drei Wochen Teil der großen Karawane wird. Dabei wird ein gesundes Misstrauen der Analyse der Tour-Ergebnisse auch in diesem Jahr nicht schaden.


    18.45 | 06.07.



    Bittere Etappe für viele Teams. Übel für F. Schleck, der seinen Stellenwert im Team heute ins Gesicht gespuckt bekommen hat. Gibt andere Asse im Team RadioShack (Klöden, Horner, Gallopin).



    Ein Blick auf die Gesamtwertung der Kapitäne, die vor den Bergen nur maximal eine Minute trennt. Darunter ein paar Ausgewählte, die jetzt hinterherfahren.

    00:00 Cancellara
    + 00:07 Wiggins
    + 00:17 Evans
    + 00:18 Nibali
    + 00:19 Klöden
    + 00:22 Taaramae
    + 00:25 Roche
    + 00:25 Rogers
    + 00:28 Van den Broeck
    + 00:40 Sanchez
    + 00:45 Leipheimer
    + 00:48 Coppel
    ——————————
    + 02:26 Mollema
    + 02:40 Valverde
    + 02:42 Scarponi
    + 02:43 Schleck
    + 02:50 Rolland
    + 04:13 Gesink
    + 13:38 Hesjedal
    + 14:17 Voeckler
    + 18:44 Vinokourov
    + 19:47 Martin

    Die Rennärzte. Heute Gefragte Männer. ©jsachse



    20.08 | 06.07.



    Sammle hier mal ein paar Tweets zum #crashday aus dem Fahrerfeld.








    15.07 | 07.07.



    Das ZDF hat mich zum Social Media Verhalten der Radsportler befragt. Im dem Hyperland-Blogeintrag konzentriert sich Stefan Mey auf die Kommunikation in der Causa Armstrong vs. USADA. Wirklich spannende Strategie. Früher Meinungsführer im Peloton, jetzt le Patron auf Twitter und Facebook.

    So gibt Armstrong statt dessen immer wieder kleine Botschaften auf 140 Zeichen ab, die von seinen Millionen Twitter-Nutzern gelesen und von Mainstream-Medien bereitwillig aufgegriffen werden.
    (…)
    Die Bemühungen der Usada könnten ihn nicht nur seine Titel kosten, sondern auch sehr viel Geld – wenn die Sponsorenverträge bei erwiesenem Doping ein Recht auf Schadensersatz vorsehen. Für ihn geht es um alles. Er mobilisiert deswegen alles, was er zur Verfügung hat.


    15.18 | 07.07.



    Ein kurzer Blick auf das sportliche Geschehen. Eine 7er Gruppe führt das Feld an, die ziemlich gut besetzt ist. Allesamt vernünftige Kletterer. Der Abstand von Christophe Riblon (+5:04) und Chris Anker Sörensen (+5:13) scheint den anderen Teams gerade noch so ertragbar. Den Abstand lässt BMC deswegen nicht höher als 5 Minuten wachsen. Aktuell 4:45 Minuten Führung.


    15.41 | 07.07.



    Da diese Tour nur drei Bergankünfte bringt, heute den ersten Schlussanstieg, werden die 101km Zeitfahren in erster Linie über den Toursieg entscheiden. Im Schlagabtausch der Klassement-Fahrer könnte aber noch ein ganz anderer Aspekt wichtig werden: Welche Fahrer beherrschen ihr Rad in der Abfahrt am besten? Wer geht das meiste Risiko ein?

    Gleich folgen die Berg-Etappenprofile, die mit einer Abfahrt ins Finale gehen. An erster Stelle muss man dabei natürlich Samuel Sanchez nennen. Auch Nibali und Evans beherrschen bergab ihr Rad ausgesprochen gut. Ein paar andere Fahrer würde ich da eher als konservative „downhill rider“ bezeichnen. Wobei niemand dabei sein sollte, der wirklich ängstlich den Berg runterbremst, wie wir es in der Vergangenheit beispielsweise bei A. Schleck erlebt haben.

    Oder täusche ich mich? Könnt ihr schon einen Fahrer definieren, der bei schnellen Abfahrten Schwierigkeiten bekommen würde?

    Streckenprofil Etappe 8 via ASO



    Streckenprofil Etappe 10 via ASO



    Streckenprofil Etappe 14 via ASO



    Streckenprofil Etappe 16 via ASO



    16.01 | 07.07.



    Menchov. Klöden. Bislang haben sie sich geschickt versteckt, konnten mit einer klugen Fahrweise im Feld fast allen Stürzen ausweichen. In etwa 45 Minuten müssen sie ihren anonymen Status aufgeben.


    17.05 | 07.07.



    Team SKY fährt in alter US-Postal/ Discovery-Manier das Feld komplett auseinander. Keine Chance für eine Attacke. Wenn alle Helfer verbraucht sind, greift Wiggins an? Volle Offensive beim ersten richtigen Anstieg dieser Tour?


    17.07 | 07.07.



    Bei Klöden lag ich komplett daneben.


    17.11 | 07.07.



    Gestern hat der Massensturz ne Menge Favoriten gefiltert. Heute ist es das Team. Mit Blick auf die gestrige Liste, bleiben aktuell nur noch diese Fahrer im Rennen ums Gelbe: Wiggins, Nibali, Evans, Menchov.


    17.12 | 07.07.



    Falsch: Nicht Mentchov, sondern Taaramae.


    17.13 | 07.07.



    Huch. Eintrag verschwunden, again: Wiggins Gelber und wirklich Topfavorit? Evans hat wieder wild gebissen, bin mir da nicht sicher. Verrückt, was Froome da macht. Mit Nibali seit langem mal wieder ein Italiener im Rennen. Überraschung in dieser Favoritengruppe: Der Este Rein Taaramae.


    17.16 | 07.07.



    Frage für die kommenden Bergetappen: Muss Froome den Edelhelfer für Wiggins spielen oder behält sich SKY einen Plan B für die Gesamtwertung?


    17.33 | 07.07.



    Kein Gelb mehr. Schleck (+ 01:09), Horner (+02:19) und Klöden (+02:19) abgeschlagen. Eigentlicher Helfer Zubeldia (+00:44) als Etappensechster der Tagesbeste.

    Stimmung bei Bruyneel?


    17.48 | 07.07.



    Verabschiede mich jetzt nach Montbeliard. Penne direkt neben Europcar.


    21.12 | 07.07.



    Wer nicht redet, muss mit Interpretationen wie dieser hier leben.



    14.42 | 08.07.



    Und wieder der Favoriten-Sturzfilter: Sanchez schwer gestürzt. Rechter Arm/ Schulter gar nicht gut, mehr als Schlüsselbeinbruch. Nur ne billige Ferndiagnose. Euskaltel jetzt ohne Kapitän.


    15.07 | 08.07.



    Ein paar Impressionen vom Start in Belfort.

    Und wieder eine Konstruktion am Handgelenkt. Martin checkt alle Sitzpositionen. ©jsachse



    Die neuen Trikotträger: Taaramae, Wiggins, Froome. ©jsachse



    Gegen Armstrong ausgesagt? Hincapie. ©jsachse



    Abfallende Zielgerade. Dann der Dino 800m vorm Ziel = Schlusssprint. ©jsachse



    16.15 | 08.07.



    Blick.ch: Tour kostet 1,4 Millionen Schweizer Franken. Und den Steuerzahler?


    09.52 | 09.07.



    Rückblick 8. Etappe:
    Ich habe hier im Blog letztens in den Kommentaren meinen Standpunkt zur Konfrontation Fan+Journalist ausführlicher erläutert. Aber natürlich gibt es auch bei mir Momente, in denen mich das Rennen emotional berührt.

    Gestern warn so ein Moment: Thibaut Pinot (FDJ) – gejagt von der Favoritengruppe – rettete einen Vorsprung von 26 Sekunden ins Ziel. Der erste Franzose und der jüngste Fahrer bei dieser Tour. Doch unterhaltsam wurde das Finale besonders durch die Emotionen in der FDJ-Crew, allen voran Teammanger Marc Madiot.

    Im Ziel habe ich meinen Fokus deswegen auf die FDJ-Truppe gelegt. Ein paar Impressionen aus dem Ziel:

    ©jsachse



    ©jsachse



    ©jsachse



    ©jsachse



    ©jsachse



    ©jsachse



    09.57 | 09.07.



    Tony Martin startet 11:57 Uhr. Bin jetzt unterwegs. Bis später.


    12.05 | 09.07.



    Bin jetzt am Ziel. Muss Liveblog erstmal zurückfahren, zu viel zu tun. Vielleicht später dann mehr.


    12.07 | 09.07.



    Nur noch eins: Achtet bei Tony Martin auf die Linkgskurve, gerade bergab. Dein wird sein linkes Kahnbein am meisten belachtet, muss er höllisch aufpassen, dass sein Knochen nicht wegrutscht.


    13.20 | 09.07.



    Info Martin im Zielbereich: Nach 5km ist sein Hinterreifen explodiert. Konnte Sturz verhindern und Fahrrad auf einer Geraden ausbalancieren. Direkt danach ging es bergauf. Rhythmus raus. Morgen steigt er wahrscheinlich aus.

    bad luck again


    22.54 | 10.07.



    Noch ein später Link. Kleine Einstimmung auf die Alpen. Story über den Zielort der 10. Etappe. Mein amerikanischer Kollege Jonathan Brand von der NYT findet immer wieder schöne Geschichten.


    11.25 | 11.07.



    Kai Pahl hat mich auf einen Forumeintrag bei Cyclingnews aufmerksam gemacht. Diese Emotionen beschreiben aus meiner Sicht ziemlich gut, warum weiter über Dopingthemen gesprochen werden muss und sich gerade der Führende bei der Tour de France über Dopingthemen öffentlich viel geschickter äußern sollte.

    Wer das Wiggins-Statement von der Pk vor ein paar Tagen noch nicht gehört hat. Ich habe es vom Kollegen Mustroph zugeschickt bekommen. Das ist die Aufnahme aus dem Pressezentrum inklusive den applaudierenden Journalisten. Paul Kimmage hat solche Herren zu Armstrong Zeiten als Muppets bezeichnet. Habe mich dazu schon auf Twitter geäußert. Mir war das richtig unangenehm.



    13.04 | 11.07.



    Als wäre es abgesprochen gewesen: Paul Kimmage hat sich jetzt zu der Kommunikationspolitik von SKY geäußert.


    12.33 | 12.07.



    Schöner Text von Bruce Weber in der NYT über die Tour-Reporter, die „old fashioned“ das Rennen verfolgen. Soll heißen: Mit dem Auto das Peloton begleiten, Radio Tour laufen lassen und aus den direkten Beobachtungen einen Text bauen.


    14.55 | 12.07.

    Letzten 2km abgelaufen. Gefühlte Quantität der Nationalitäten: 1. Frankreich 2. Italien 3./4. Norwegen und Großbritannien 5. Belgien


    17.10 | 12.07.

    Twittere heute ein wenig mehr: www.twitter.com/jsachse


    13.27 | 14.07.



    500 Dopingtests, immer wieder betont von LA. Netter Versuch.


    20.15 | 17.07.



    ©jsachse



    Die Sky PK war ganz übel. Da wurde selbst Jogi Löw vor dem EM-Halbfinale kritischer in den Pressekonferenzen befragt. Aber die Sonne hat geschienen. War total nett.

    Ohne Ironie geht bei mir heute nichts mehr. Muss mal Dampf ablassen, aber lieber nicht im Blog.

    Wer noch Bock hat: Kleine Geschichte für ZDF-Online über das teaminterne Duell Wiggins versus Froome.


    20.17 | 17.07.



    Da ich nicht weißt, wie lange ich heute noch online bin. Es lohnt sich heute Abend die NYT Sportseite etwas im Auge zu behalten.


    20.20 | 17.07.



    Die Tour de France 2012 – Eine Suche nach dem eigenem journalistischen Leitbild.

    Spannend. Habe viel gelernt und muss noch viel lernen.


    20.47 | 17.07.



    Erstmal nur schnell die UCI PM von 20:33 Uhr reinkopiert. Fahre zum Teamhotel und gebe dann via Twitter Zwischeninfos.

    Adverse Analytical Finding for Frank Schleck

    Earlier today, the UCI advised the Luxembourger rider Frank Schleck of an Adverse Analytical Finding (presence of the diuretic Xipamide based on the report from the WADA accredited laboratory in Châtenay-Malabry) in the urine sample collected from him at an in competition test at the Tour de France on 14 July 2012.

    Mr. Schleck has the right to request and attend the analysis of his B sample.

    The UCI Anti-Doping Rules do not provide for a provisional suspension given the nature of the substance, which is a specified substance.

    However, the UCI is confident that his team will take the necessary steps to enable the Tour de France to continue in serenity and to ensure that their rider has the opportunity to properly prepare his defense in particular within the legal timeline, which allows four days for him to have his B sample analyzed.

    Under the World Anti-Doping Code and the UCI Anti-Doping Rules, the UCI is unable to provide any additional information at this time.

    UCI Communications Services


    16.20 | 18.07.



    Der Mann, der die Tour of Turkey in diesem Jahr in Grund und Boden gefahren hat, wurde heute übrigens auch von der UCI suspendiert. Die PM von Mr. Carpani. Beim türkischen Club fuhr er auf good old EPO:

    The UCI advised Bulgarian rider Ivailo Gabrovski that he is provisionally suspended. The decision to provisionally suspend this rider was made in response to a report from the WADA accredited laboratory in Athens indicating an Adverse Analytical Finding of EPO in a urine sample collected from him in a test during the Tour of Turkey on 24th April 2012.


    16.22 | 18.07.



    Immer wieder spannend bei Voeckler: Er verzichtet komplett auf Technik. Fährt komplett nach Gefühl. Scheiß auf Wissenschaft. Achtet mal drauf, kein Pulsmesser, Herzfrequenz pah, kein Tacho, nichts.


    16.35 | 18.07.



    Liquigas und Lotto spielen mit ihrem gleichmäßig hohen Tempo gerade Sky-Helferlein. Es scheint, als würde Nibali erstmal voll Evans distanzieren und sein Podium sichern wollen. Wenn er Gelb ernsthaft angreifen wollen würde, müsste er das Tempo mehr variieren.

    Ups, kaum schreib ich’s, greift Nibali an.


    16.40 | 18.07.



    Duo-UK-Tempo. Das wird nichts. Platz 1+2 mit gleichmäßigem Tempo zur Nr. 3 raufgerollt.

    Und Voeckler und Rolland von Europcar gewinnen hier alle schwierigen Bergetappe bei der Tour? Sorry.


    16.47 | 18.07.

    Ich lauf mal rüber zum Finish.


    17.38 | 18.07.



    Fließe dahin. Durch die Hitze hier rutschen meine Finger dauernd auf der Tastatur ab, kein Witz. Ekelhaft.

    Dogfood hat ein neues Jan Ullrich Statement verlinkt, muss ich hier erwähnen. Darf bei Eurosport sogar die aktuellen Dopingmeldungen kommentieren. Wird Ullrich vielleicht doch noch irgendwann Pressesprecher?

    Ich habe mich in der Vergangenheit schon des Öfteren für eine schnelle und zeitnahe Durchführung eines Verfahrens ausgesprochen.

    Ähm. Nein.


    17.43 | 18.07.



    Habe ganz vergessenen die Hincapie Story in der New York Times zu verlinken, gestern ja groß angekündigt. Armstrong + Hincapie = (not) best friends forever


    16.22 | 20.07.



    Zehn Minuten habe ich den Traum von einem Interview mit Andreas Klöden gelebt. Mixed Zone, Pressekonferenz – es wäre alles möglich gewesen! Doch dann kam das Gelbe und hat bei Cav die Lunte gezündet. War ok.


    16.24 | 20.07.



    Habe lange überlegt: Erst Text schreiben. Dann 300km fahren. Oder jetzt schon los.

    Jetzt los. Bin raus. Bis heute Abend.


    16.27 | 20.07.



    detektor.fm wollte mich heute zur Tour interviewen. Leider Mails zu spät gecheckt. Haben jetzt einen anderen Journalisten befragt. Weiß nicht genau, wann der Tourteil läuft, aber hört einfach mal rein (Sendung hat 16 Uhr begonnen): STREAM STARTEN


    20.39 | 20.07.



    Vorhin nur via Twitter retweetet: Die B-Probe von F. Schleck ist ebenfalls positiv.

    Habe zuletzt ja schon skizziert, wie es jetzt weitergeht. Wer die wichtigen Paragraphen im UCI-Regelwerk und im WADA-Code nachlesen möchte, bekommt die entsprechenden Absätze bei inrng geliefert.

    Die UCI hat heute 17:54 Uhr schon nach Luxemburg übergeben:

    In accordance with the Anti-doping rules, the UCI will request the Luxembourg Federation to open a disciplinary procedure against the rider.


    15.37 | 21.07.



    Ich versuche mal ein wenig Spannung zu erzeugen. Hier im Ziel ist es dunkel geworden. Es könnte regnen. Ganz vielleicht.


    17.11 | 21.07.



    Starke Bilder. Starke Wiggins Historie von inrng mit sehenswerten Fotos.


    17.23 | 21.07.



    Wiggins wartet bereits im Ziel.

    UK guy ©jsachse


    19.26 | 21.07.



    Ein Medienvertreter aus UK.

    Interview? ©jsachse


    20.56 | 21.07.



    Audio von der letzten Post-Race Pressekonferenz mit Toursieger Wiggins: LINK SOUNDCLOUD

    Gerade keine Zeit die interessantesten Zitate rauszuschreiben. Aber er hat auch was zu Doping gesagt. So ganz ohne Nachfrage. Man staune.


    21.36 | 21.07.



    Die wahrscheinlich letzte Geschichte ist beendet. Jetzt geht es auf nach Bures-sur-Yvette. Von dort sind es morgen noch 30 Kilometer bis ins Pariser Zentrum. Dann stoße ich an. Auf keine Person. Einfach nur auf die abgearbeitete Checkliste.