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Tour de France 2012: 20. Etappe

22.07.

4.842km – my job is done.

champs elysees ©jsachse

Im letzten Jahr saß ich noch ein paar Stunden mehr im Auto. Habe nachgeschaut. Meinen finalen Kilometerstand scheine ich nicht notiert zu haben, aber am zweiten Ruhetag sollen es schon 6.000km gewesen sein. Verrückt, kann ich mir gerade gar nicht vorstellen.

Ich habe für eine Stunde im La Fayette Platz genommen. Hier im 5 Sterne-Hotel quartiert die ASO traditionell alle Mannschaften mit Anhang am letzten Tag ein. Der Toursieger und weitere Fahrer mit Olympiaambitionen werden die Nacht bereits im Londoner Bett liegen. Team Sky – alias Murdoch – fliegt seine Olympiastarter heute Abend mit einem Privatjet rüber. Das passt auch das Statement, was Bradley Wiggins gestern Abend auf der Pressekonferenz von sich gab:

“Morgen versuchen wir einfach alles zu vergessen, konzentrieren uns auf das nächste Ziel. Die olympischen Spiele stehen in ein paar Tagen an. Das ist der nächste Teil des Plans.”

Da gewinnt einer als erster Brite die Tour und möchte wenige Stunden später das Ding schon verarbeitet wissen.

Wiggins hat auch noch ein paar andere Sachen auf der Abschluss-Pressekonferenz in Chartres gesagt. Wäre ich etwas fitter, würde ich jetzt länger ausholen. An dieser Stelle aber nur zwei Gedanken:
(1) Ob diese Tour de France nun sauberer war oder gar der Sieger ohne medizinische Hilfsmittel das Gelbe Trikot erobert hat, bleibt eine Kaffeesatzleserei. Fest steht. Wir befinden uns im Profisport. Es geht um viele Millionen für Sportler, Teams, Sponsor, Veranstalter und Nation. Es geht um den maximalen Erfolg.
(2) Wiggins ist gestern wieder einmal sehr persönlich geworden, berichtete vom Tod seines Vaters, vom Tod seines Mentoren-Vaters, von Alkohol und weitere Misserfolgen. Der Sport, speziell der Straßenradsport, hätte ihn zurück in die Spur gebracht. Am Ende haben viele Journalisten applaudiert, zum Teil mit Standing Ovations. Ich fand’s richtig übel. Nein, das verstehe ich nicht unter Journalismus. Aber die Diskussion hatten wir hier ja schon.

So sah das nach dem offiziellen Teil aus. Wiggins ergriff das Mike und bedankte sich – auch bei den Journalisten.

Tour de France 2012: Wiggins thanked journalists (22. July) from Jonathan Sachse on Vimeo.

Fürs ZDF habe ich in 3.500 Zeichen das folgende Fazit gezogen:

Chartres, Frankreich

In den britischen Medien wird der erste britische Sieg bei der Tour de France als der größte UK-Sporterfolg der Geschichte gefeiert. Sicher ist: Bradley Wiggins gewinnt verdient – aber ohne das große Spektakel. Die 99. Tour de France war ein sehr taktisches Rennen.

Zwei Etappen müssen im Rückblick genannt werden. Auf dem 17. Streckenabschnitt im Schlussanstieg nach Peyragudes erhöhen Bradley Wiggins und sein Edelhelfer Christopher Froome das Tempo. Keiner der anderen Kapitäne kann mithalten. Froome schaltet drei Kilometer vor dem Ziel einen weiteren Gang höher, Wiggins verliert das Hinterrad. Mehrmals. Froome blickt sich um, gestikuliert und wartet.

Eine Diskussion begann. Ist Bradley Wiggins wirklich der stärkste Fahrer in seinem Team Sky? Zwei Tage später lieferte Wiggins die Antwort. Die 53,5 Kilometer Einzelzeitfahren gewann er mit fast einer Minute Vorsprung vor dem Zweitplatzierten – seinem Teamkollegen Froome.

Der Matchplan von Sky ging damit auf: Auf den insgesamt 101 Zeitfahrkilometern sollte Wiggins seine maximale Leistung bringen. Die verbliebenen 3.396 Kilometer konnte er zur Verwaltung seines Vorsprungs nutzen. Gerade weil er “nicht der beste Kletterer im Peloton” sei – wie Wiggins meinte – reichte eine kontrollierte Fahrweise in den Bergen zum Toursieg. Insgesamt bot dadurch der Kampf um den ersten Platz in der Gesamtwertung wenig Abwechslung. Nur zwei verschiedene Fahrer trugen das Gelbe Trikot, neben Wiggins der Schweizer Cancellara für sieben Tage. Das gab es zuletzt 1999, als Lance Armstrong seine erste Grand Tour gewann.

Diese Dominanz kann das Team bei den kommenden Frankreichrundfahrten nicht eins zu eins übertragen, wenn die Bergetappen wieder prominenter das Streckenprofil bestimmen. Vielleicht wird das Team dann schon auf den besseren Bergfahrer Froome umstellen. Im Team BMC des Toursiegers 2011 erfolgte die Wachablösung bereits. Spätestens auf der letzten Etappe, als der junge Tejay Van Garderen im Zeitfahren seinen drei Minuten vor ihm gestarteten Kapitän überholte.

Die deutschen Erfolge konzentrierten sich bei dieser Tour auf Andre Greipel, der mit einem starken Sprintzug gleich drei Etappen für sich entscheiden konnte. Da sein größter Herausforderer im Sky Team nicht bei allen Flachetappen auf die Unterstützung seines Teams bauen konnte, stieg Greipel zum besten Fahrer im Massensprint auf.

Mit mehr Show sprintete Peter Sagen. Die Jubelgesten des Slowaken sorgten im Peloton zum Teil für Spott. Alles “Neid”, erwiderte Sagan und gewann drei Etappen. Ein weiterer Tour-Debütant sorgte bei seinem Ausreißersieg auf der 8. Etappe für die größten Emotionen: Als Thibaut Pinot, der jüngste Fahrer dieser Tour, die letzten Meter nach Porrentruy kämpfte, fiel Teammanager Marc Madiot bei seinen Anfeuerungsversuchen fast aus dem Auto. Paris erreichte er als Überraschungszehnter. Eine neue Hoffnung für Frankreichs Hunger nach einer Podiumsplatzierung.

Auch in diesem Jahr forderte die Tour jede Menge Sturzopfer. In reinen Zahlen gemessen: Nur 153 von 198 gestarteten Fahrern werden Paris erreichen. Gleich zweistellige Ausfälle gab es auf der 6. Etappe. Auch die Deutschen Tony Martin und Marcel Kittel waren betroffen, mussten mit Verletzungen und Krankheit ohne Siegchancen aufgeben. Die Journalisten ebenfalls nicht alle Paris: Wegen Alkohol am Steuer und Fahrfehlern entzog die ASO gleich fünf Fahrern die Akkreditierung.

Ob diese Tour de France nun sauberer war oder gar der Sieger ohne medizinische Hilfsmittel das Gelbe Trikot erobert hat, bleibt eine Kaffeesatzleserei. In Frankreich wird die Tour immer weiter rollen, unabhängig von den Dopingmeldungen, die es 2012 gleich an beiden Ruhetagen gab. In Luxemburg sieht die Euphorie nach der positiven B-Probe von Frank Schleck schon gedämpfter aus. Der nationale Verband wird jetzt entscheiden, ob ein Nationalheld fällt. Im Gegenzug hat der Veranstalter in diesem Jahr einen Radsportmarkt weiter ausgebaut. Die Berichterstattung und die Fans in Großbritannien feierten ihre UK-Radprofis euphorisch.

“Die Tour ist menschlicher geworden. So wunderschön und magisch die 220 Kilometer Soloritte auch anzuschauen waren. Das ist nicht mehr realistisch”, behauptet Bradley Wiggins. Möge der Toursieger 2012 sein Wort halten.

Jetzt geht’s rüber zur Champs. Dort um die Ecke hat die Feuerwehr vorhin schon firschem Wasser aus der Seine eine kleine Choreo geprobt.

Pariser Feuerwehr mit Seine-Wassserkreislauf ©jsachse



Hier stelle ich mal auf Twittermodus um. Wenn alles funtkioniert, werden die kommenden Tweets von der Ziellinie hier eingebunden:





7 Kommentare zu "Tour de France 2012: 20. Etappe"

  1. Ich möchte mich bei dir bedanken, für den Blick hinter die Kulissen der Tour und des freien Journalismus. Allerdings möchte ich anmerken, dass, jedenfalls für mich, der Begriff “Liveblog” etwas irreführend ist. Ich denke da eher daran, dass v.a. auf den sportlichen Verlauf eingegangen wird, als Art Liveticker, was aber zeit- und reisemäßig gar nicht möglich ist.


    • Danke Jonas. Ja, kann ich verstehen. Bei einem Liveblog denkt man zunächst an eine reine sportliche “Liveticker” Begleitung. Werde mir für die 100. Tour in 2013 mal einen schickeren Begriff überlegen. Sollte ich vor Ort sein…


  2. Von mir auch. Starke Tour’


  3. Ich konnte gerade in der letzten Woche die Tour nicht mehr in gewohntem Maße verfolgen, dein Blog gehörte trotz weniger Zeit aber immer zu den ersten Anlaufstellen. Das war eine schöne Mischung zwischen kritischer Betrachtung, sportlichen Aspekten und netten Blicken hinter die Kulissen. Ich hoffe mal, die Reise hat sich für dich auch finanziell rentiert und wir können im nächsten Jahr wieder von deinen Eindrücken lesen.


  4. Vielen Dank für Deinen Einsatz. Da offensichtlich noch für die Tour 2013 ein Vorschlag zur Nennung des ganzen bloggens zur Frankreichrundfahrt gesucht wird, hier noch ein paar Ideenschnipsel von mir:

    Tour de France Begleitmusik mit J.Sachse,

    Jonathan Sachse auf Höllentour,

    Tour de France – Hinter den Kulissen,

    Jonathan Sachse – Zahlen.Daten.Fakten zum Radsportspektakel

    Garantiert ungedopt: Jonathan Sachse während der Tour de France

    Sachse auf Tour

    Sportjournalist Sachse bloggt von der Tour de France

    Radblick von J.Sachse von der Tour der Leiden

    100. Tour de France mit Jonathan Sachse

    100 Jahre Tour de France – Jonathan Sachse im Pulk dabei

    Dir noch eine schöne Nachbereitungszeit der Tour. Vielleicht kannst Du irgendwann einmal auch noch ein paar Fotos reinstellen, fernab der Strecke. Die eine oder andere Anekdote noch in den nächsten Wochen bringen.


  5. Pingback: Von den UCI-Präsidenten angeklagt: Helft Paul Kimmage | Jonathan Sachse

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