#openFriedrich mit Sabine Spitz

11.08.

Kurz vor der olympischen Fahnenträger-Ehrenrunde nun doch noch ein Eintrag zu London.

Auf Twitter habe ich es gestern ausführlich begleitet. Jeder wird es gelesen/ gehört/ gesehen haben, alle Medien haben berichtet: Daniel Drepper und Niklas Schenck haben gestern einen großen Teilerfolg errungen. Not #openFriedrich und der DOSB sind eingeknickt, haben zumindestens die nackten Medaillenzahlen veröffentlicht. Jetzt wird viel gerechnet und von Fehlkalkulationen berichtet. Kann ich auch alles verstehen. Aber: Die wirklich wichtigen Dokumente liegen weiterhin im Tresor von Friedrich, Bach, Vesper & Co. In welche Richtung fließt der dreistellige Million-Steuergeldfluss nun? Wo teilt er sich? Wo landet er? Wie verändert er sich vor und nach den Spielen?

Das waren nur ein paar kleine Gedanken zum Thema. Die volle Infoladung wird es auch in den nächsten Wochen bei der WAZ-Recherche Crew geben. Wer das Thema verstehen will, muss dort mitlesen.



Gleich (13:30 Uhr) startet das olympische Frauen Mountainbike Rennen. Mit Adelheid Morath und Sabine Spitz stehen zwei deutsche Fahrerinnen am Start. Mit der 40-jährigen Spitz habe ich vor einer Woche ein etwa einstündiges Skype-Videointerview geführt und diesen Text für ZDF Online gedichtet. Eine minimal längere Version stelle ich hier im Blog zur Verfügung.

Kurz bevor in London die olympische Flamme erloschen wird, geht eine weitere deutsche Medaillenhoffnung an den Start. Die Mountainbikerin Sabine Spitz wird mit 40 Jahren wohl ein letztes Mal die olympischen Spiele bestreiten.

Am Montag landete Sabine Spitz in London. Die ersten zehn olympischen Wettkampftage konnte sie nur aus Deutschland verfolgen. “Es ist schon ein wenig komisch, wenn man alleine zu Hause sitzt und die Eröffnungsfeier wie die anderen 82 Millionen Bundesbürger vorm Fernseher verfolgt”, berichtet Spitz. Der Grund für die späte Anreise: Die Mountainbike-Rennen werden erst an den letzten beiden Tagen der olympischen Spiele ausgetragen.

Die olympische Atmosphäre wird Spitz auch vor Ort kaum spüren können. Ihr Quartier liegt etwa 50 Kilometer vom olympischen Park in der Londoner Innenstadt entfernt, in der Nähe der olympischen Moutainbike Strecke. Nordöstlich von London haben die Briten die Hadleigh Farm konstruiert. Wer die deutsche Olympiasiegerin von 2008 beim Mountainbike Rennen 2012 live sehen möchte, muss daher weit reisen.

Im britischen Naturpark nimmt die geborene Baden-Württembergerin ihre vierten olympischen Spiele in Angriff. Neunte 2000 in Sydney, Bronze 2004 in Athen und Gold 2008 in Peking – eine Leistungssteigerung ist jetzt nicht mehr möglich. Aber eine Bestätigung der vergangenen Erfolge: In den Zielvereinbarungen, die der nationale Radsportverband (BDR) mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) im Vorfeld der Spiele aufgestellt hat, soll laut Spitz auch eine Medaille im Mountainbike kalkuliert worden sein. Bei der Kaderbekanntgabe für die Spiele in London lehnte sich BDR-Sportdirektor Patrick Moster weit aus dem Fenster, indem er ankündigte: “Wir können uns in mindestens zehn Disziplinen Hoffnungen auf Medaillen machen.”

Chancen auf zehn Medaillen? Bereits fünf Tage vor Abschluss der Olympischen Spiele geht diese Rechnung nicht mehr auf. In drei Disziplinen werden noch deutsche Radfahrer am Start stehen. Bislang wurden fünf Medaillen gewonnen. Werden die Zielvereinbarungen verfehlt, könnten Fördergelder gekürzt werden, auch im Mountainbike.

Anmerkung: Seit gestern wissen wir: Scharping/ BRD und DOSB haben 8 Medaillen kalkuliert. Durch das Zitat kann man schön die optimistische Rechnung in manchen Disziplinen nachvollziehen.

“In der Bike Branche haben wir die Möglichkeit andere Finanziers für die Sportart zu finden”, meint Spitz. Es gäbe Sportarten, die von der staatlichen Förderung mehr abhängig seien, da dort nur in der Nationalmannschaft öffentlich gekämpft werden würde. Beim Mountainbike “können Sponsoren bei vielen Wettkämpfen präsentiert werden.” Es spricht ein Sportlerin, die sich mit den wirtschaftlichen Hintergründen in ihrer Sportart schon länger beschäftigt. Bereits 2008 gründete sie mit ihrem Mann und Manager Ralf Schäuble ihr eigenes Team. Eine größere Einnahmequelle erhält sie in den ersten drei Jahren vom Sponsor Ghost – dann trennen sich die Wege. Die Begründung der Teaminhaberin Spitz: “Ich konnte mit der Entscheidung Jan Ullrich als Markenbotschafter zu verpflichten, nicht konform gehen.” Von dem neuen Testimonial soll sie damals erst aus den Medien erfahren haben. Schäuble und Spitz sahen die Glaubwürdigkeit ihres Teams bedroht und lösten den Vertrag mit dem Radsponsor auf.

Bei Anti-Doping Themen bezog Spitz in der Vergangenheit immer wieder Stellung, oftmals unaufgefordert. Das ist ungewöhnlich in der Radsport-Branche, in der oft nur verteidigt wird, aber zu selten proaktiv Position bezogen wird. Ihren größten Auftritt legte sie Ende 2009 bei der DOSB Mitgliederversammlung hin, als sie vom IOC mit einer Trophäe für ihren “Kampf gegen Doping” ausgezeichnet wurde. Sie nutze die Bühne und richtete an den damaligen Innenminister Thomas de Maizière (CDU), die versammelten Mitglieder des Sportausschusses und die komplette DOSB-Führungriege eine Aufforderung, Dopingverstöße strafrechtlich verfolgen zu lassen. Ein entsprechendes Gesetz existiert bis heute nicht. Ihr Statement würde sie drei Jahre später gegenüber dem aktuellen Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wiederholen: “Ein Dopingvergehen mit strafrechtlichen Folgen hätte eine viel markantere Wirkung, als die aktuellen sportrechtlichen Konsequenzen. Gerade in der Doping-Prävention würde das ein viel stärkeres Mittel darstellen.”

[Spontane Anmerkung: Ich habe mit Spitz auch länger über eine mögliche GPS-Ortung von Athleten gesprochen. Würde sie weiterhin ok finden. Würde ihr das stressige und benutzerunfreundliche einloggen in das ADAMS System ersparen. Kennt jemand einen anderen Profisportler, der sich 24/7 orten lassen würde, um sich Stress zu ersparen?]

[Update 14:15: Ja, kennt zum Beispiel Ray. Was habe ich eigentlich Ende Oktober 2011 gemacht? Damals hat Boll im DLF-Gespräch eine GPS-Ortung angesprochen und die Agenturen haben von zahlreichen Athleten ein Ja abgeholt.]

Am Samstag tritt Spitz beim olympischen Cross-Country Rennen in die Pedalen. Sie möchte um eine Medaille mitfahren. Olympia scheint für sie kein Höhepunkt zu sein, auf den sie speziell vier Jahre hintrainiert hat, aber ein wichtiger Baustein in ihrer Karriere. Im ruhigeren nacholympischen Jahr wird sie weiterhin im Sattel sitzen. Erst 2014 könnte Schluss sein. So rechnet sie jedenfalls vor: “1995 war meine erste Weltmeisterschaft. 2014 wäre dann meine zwanzigste Teilnahme an Weltmeisterschaften. Das wäre natürlich reizvoll.”

3 Kommentare zu "#openFriedrich mit Sabine Spitz"

  1. lt. einem Artikel der HNA hat dies bereits im letzten jahr Timo Boll vorgeschlagen (DLF Gespräch 23.10.11). David Storl, Michael Greiß und Hendrik Feldwehr waren auch nicht abgeneigt. Carolina Klüft und Stefan Holm sprachen davon, sich durchaus einen Chip einpflanzen zu lassen.


  2. Danke Ray. Habe ich gleich im Text oben ergänzt.


  3. Ich hoffe, dass die nächste Olympiade ohne dieses ewige Medallienaufzählen auskommen wird. Die Sender vor allem haben es zu stark in den Vordergrund gerückt – als ob es nicht Wichtigeres gäbe.


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