Mailverlauf #kürschnergate

25.01.

Ich erspare mir die lange Vorgeschichte, kann man bei diversen Medien (spiegel-online, süddeutsche, zdf…), direkt beim Bundestag oder dem Leiter der CDU-Internetredaktion Frank Bergmann nachlesen. Es geht um das #Kürschnergate, das Twitter Trending Topic der Stunde, stolzer Erfolg unter den Damen und Herren des @bundestag(es).



Mir liegt der Mailverlauf der meisten Antworten bis 13:16 Uhr vor, den ich gerne teile. So ein bisschen Catcontent zur Abwechslung schadet nichts. Steckt ja auch viel „Leidenschaft-Transparenz-Öffentlichkeit“ drin:

09:20 Uhr: „Sehr geehrte Frau Abgeordnete, sehr geehrter Herr Abgeordneter, sehr geehrte Damen und Herren, eine neue Ausgabe des Kürschners Handbuch “Gesetzliche Grundlagen, Geschäftsordnungen. Deutscher Bundestag – Bundesrat – Bundesregierung” ist eingetroffen. Einzelexemplare können Sie jederzeit im Informationsbüro im Paul-Löbe-Haus (Zi. 5.042) erhalten, größere Mengen bestellen Sie bitte ausschließlich über den gewohnten Warenkorb im Intranet bzw. Internet…“

09:44 Uhr: „Liebe Britta, wenn Ihr Euch eindeckt, bringt Ihr mir eins mit? Danke und herzliche Grüße, Babette“

xx:xx Uhr: “Und am allerwichtigsten, neben der exakten Kenntnis der Rechtslage, ist Punkt 20 in dem angehängten Link: http://www.kasper-online.de/goldmail/goldmail.htm :)

xx:xx Uhr: „könnten Sie mich bitte aus Ihrem Verteiler raus nehmen!“

11:38 Uhr: „Mich bitte auch! Danke und Gruß“

11:39 Uhr: „Warum bekomme ich alle Antworten zugemailt? Mich interessiert wenig, wer alles im Verteiler ist und wer rausgenommen werden soll!“

11:41 Uhr: „Bitte aus Verteiler streichen, umgehend!“

11:xx Uhr: „ Himmel, was ist hier wieder los. Sofort!!!! aus dem Verteiler streichen. Und Kürschners Handbuch soll nur noch die Liste der Kürschner enthalten. Egal ob 20 oder 400.“

11:51 Uhr: „Jetzt reicht es aber! Was soll das? Das interessiert nicht alle. Das können Sie untereinander ausmachen und die betreffenden Personen anschreiben. Disziplin bitte!“

Nein können sie nicht:

11:54 Uhr: „ Also, ich find die Sache bisher großartig. Wir sollten das einmal im Monat durchführen, das verbindet!“

11:5x Uhr: „Also wir haben auch Spaß. Und so liest mensch mal von noch Unbekannten spannende Kurzkommentare…“

11:59 Uhr: „ wer wollte jetzt noch mal einen kürschner? :-)

12:01 Uhr: „Tschuldigung – könnte ich bitte auch am Kürschnerollektiv teilhaben? Aber ich würd gerne vorher noch was Essen gehen und erst dann weiter Kürschner gucken:=) Manno, ist das spannend, liebe Grüße“

12:04 Uhr: „wie viel Speicher hat der Bundestag denn? Und wie kommen wir an den Kürschner (um beim Thema zu bleiben)?“

12:07 Uhr: „Wir sind dafür ein Best-Off der schönsten Kürschner-Sprüche zu wählen! Lange nicht so viel Spaß gehabt!“

12:08 Uhr: „Bin zwar erst seit zwei Wochen als Praktikant hier, aber ich finds auch sehr lustig und hätte großes Interesse an den Karten…“

12:09 Uhr: „Das Büro E. verlost zwei Kürschner!“

12:xx Uhr: „Ich möchte über diesen Weg meine Mami grüßen! HALLO!“

12:12 Uhr: „Achtung: Der Verfassungsschutz liest mit!“

12:14 Uhr: „Ich schlage vor dass wir alle gemeinsam um 14:00 Uhr im Informationsbüro Paul-Löbe Haus, Zimmer 5.042 Kürschners Handbuch Gesetzliche Grundlagen, Geschäftsordnungen abholen“

12:16 Uhr: „Ich schlage vor, wir treffen uns gleich alle unten und stürmen den Reichstag!“

12:18 Uhr: „Es lebe die Revolution!“

12:26 Uhr: „Das geht so nicht, musst uns Wahlkreismitarbeitern eine Chance geben nach Berlin zu kommen… schlage 18 Uhr vor…“

12:26 Uhr: „Ich habe sooooo großen Hunger – aber keine Zeit für eine Pause! Wer kann mir ein Foto von leckerem Essen schicken? Was sind eure Lieblingsspeisen?“

12:34 Uhr: “Sehr geehrte Damen und Herren, ich befinde mich momentan in Elternzeit. Bitte wenden Sie sich pressestelle@fdp-bundestag.de.“

12:35 Uhr: „Ja, das finde ich auch!“ //Antwort auf Mail von 12:26 Uhr

12:37 Uhr: „Lass uns alle nach Griechenland fahren!!…“

12:40 Uhr: „Das ist bisher eines der Highlights. Kommt diese Nachricht jetzt für jede gesendete Nachricht wieder? Ich habe leider die ersten 40 Mails gelöscht. Würde bitte ein gelangweiltes Wahlkreisbüro den gesamten Mailverkehr dokumentieren und binden lassen (gegebenenfalls auch kommentieren)? Vielleicht kann der Bundestag das dann herausgeben und an alle Büros verschicken.“ //Antwort auf Abwesenheits-Mail von 12:34 Uhr

12:4x Uhr: „Ich bestelle hiermit schon mal 5 Exemplare! Gebunden und bitte mit grünem Cover!“

12:46 Uhr: „…und bitte handsigniert.“

12:46 Uhr: „Wo bleibt mein elektronisches Essen?! Lasst mich nicht hängen, schickt ein Foto!!!!“

12:48 Uhr: „Bitte sehr, es ist serviert!“



12:49 Uhr: „Und wer’s immer noch nicht glaubt… wir sind tatsächlich das TopTrend-Thema Deutschlands auf Twitter! Hoch die Tassen!“



12:50 Uhr: „Beantrage Aufnahme dieses Email-Verkehrs in den nächsten Kürschner…dann würd ich das nächste Mal auch eine Handvoll mit bestellen!“

12:59 Uhr: „Wir posten für diese Mail – haben eben erst mit dem Lesen begonnen :-D :-D :-D ….“

13:02 Uhr: „Wünsche allen einen guten Appetit. Paul-Löbe-Haus Selbstbedienungsrestaurant Medaillons vom Schweinefilet an Prinzessbohnen und Herzogin- Kartoffeln… Kann ich nur empfehlen“

13:04 Uhr: „Hallo ihr Lieben, könntet ihr xx.xx@xx.bundestag.de aus dem Verteiler nehmen? Danke ☺ und LG“

13:16 Uhr: „14.00 ist zu knapp! Wir aus den Wahlkreisen haben dann keine Chance mehr auf einen neuen Krischner! Liebe Grüße an alle… P.S. Das mit Griechenland finde ich eigentlich auch nicht schlecht!“

Soll ich noch die jeweiligen Parteien zu den Zitaten hinzufügen? :)

6 Kommentare zu "Mailverlauf #kürschnergate"

  1. Organisationssoziologen wie Horst Bosetzky oder Peter Heinrich nennen derartige Kommunikation einen “Rückfall in kindliche Verhaltensweisen”. Das ist nachvollziehbar, um der Entfremdung von der Büroarbeit etwas entgegnen zu setzen. Klar: Eine Abwechselung und Herausforderung im Büroalltag ist es allemal.

    Für erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellt eine derartige Mailflut übrigens kein Problem dar. Die Mails werden im Posteingang en bloc oder per Suchbegriff markiert und schwupps raus in den Papierkorb befördert. Bloß keine Einzellöschung oder sogar Mitlesen der Mails versuchen, das beeinträchtigt nur die Konzentration.

    Es gilt: Zuerst die wichtigen Mails identifizieren und in die Unterordner verschieben bzw. Weiterleitung versuchen, dann die unwichtigen Mails löschen.

    Meine Erfahrung: In normalen Zeiten hat ein MdB-Hauptaccount durchschnittlich ca. 120 Mails pro Tag im Posteingang. Falls das hier jemanden interessiert…


    • Die Filterfunktion werden hoffentlich die meisten Personen auch angewandt haben. Nur hätte es zum unwissenden Verhalten vieler Mitarbeiter im Bundestag gar nicht kommen müssen. Warum wird die Ausgangsmail überhaupt an einen offenen Verteiler versendet? Ist die BCC-Funktion bei solchen Mails im Bundestag nicht Pflicht?


  2. Der offene Verteiler ist sicher durch die Richtlinien der Bundestagsverwaltung über die Mail-Kommunikation so vorgeschrieben.

    Die Volksvertretung ist doch schließlich kein informelles Netzwerk, oder?


  3. Beim Thema informelles Netzwerk fällt mir sofort dieses Video von Peter Kruse ein.


  4. Was im Mailverlauf fehlt: Die Abgezocktheit des Herrn Frank S., der direkt mal eine Werbeaktion für die Füchse draus machte und Eintrittskarten verloste…(Und scheinbar sprang zumindest der seit-zwei-Wochen-Praktikant drauf an.)


  5. Yep, dieser Mailverlauf ist nicht vollständig. Ein paar Hansel scheinen zwar sehr vielen Leuten geantwortet zu haben, aber dann doch nicht via die “Alle Antworten” Funktion. So sind verschiedene Mailverläufe entstanden.

    Der F. Steffel ist ein geschickter Händler und Marketing Mann. Fast so gut wie die Social Media Boys vom FC Bayern.


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