-Graham Hunter: Xavi bekommt Wachstumshormon -Lücken bei den Dopingkontrollen – EM und Bundesliga

Lücken bei den Dopingkontrollen – EM und Bundesliga

4.06.

Gestern Abend lief im Deutschlandfunk ein Beitrag von Daniel Drepper und mir zu den Dopingkontrollen im Fußball, Schwerpunkt EM und Bundesliga.

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Eine etwas längere Version steht auf fussballdoping.de online. Im ersten Text liegt der Fokus noch auf der EM. Zur Bundesliga folgt die nächsten Tage ein weiterer Artikel. [Update 6.6.: Jetzt online.] Wer das neue Blog von Daniel Drepper und dem WAZ-Rechercheteam noch nicht kennt, sollte ohnehin mal vorbeischauen, starke fortlaufende Recherche. Empfehlung: RSS-Feed abonnieren!

Unser Fazit im Deutschlandfunk-Beitrag:

Ein intelligenter Fußballer dürfte von DFB und UEFA kaum beim Dopen erwischt werden.

Wobei zwischen den Kontrollen in der Bundesliga und rund um die Europameisterschaft unterschieden werden muss. Heruntergebrochen kann man sagen: Die Kontrollen des DFB und der NADA gehen nicht mit der Zeit, sind nicht ansatzweise in der Lage das Repertoire von Dopern vollständig zu erkennen. Ohne Blutkontrollen keine Chance.

Die Kontrollen bei der EM könnten auch umfangreicher sein und tiefer gehen, haben aber das Grundproblem, dass sie viel zu berechenbar sind.

(1) Während des Turniers wird es kaum oder gar keine Trainingskontrollen mehr geben. Rechnung: 1 Kontrolle a 10 Spieler pro Team vor Turnierbeginn in den Trainingslagern, macht 160. Dazu kommen die 4 Spieler pro Partie, macht 124. Das wäre die Kontrollanzahl von 284 aus dem Vorjahr. Vor vier Jahren wurde während des Turniers kein Spieler mehr im Training kontrolliert.
(2) Wenn die UEFA-Kontrolleure doch im Training vorbeischauen, hat der Athlet 60 Minuten Zeit, um zu erscheinen. Zum Vergleich: Bei Hoffenheim waren es 2009 etwa 10 Minuten Verzögerung bevor die Athleten zum “In Competition” Test erschienen.
(3) Zu ungewöhnlichen Zeiten (Nachts, Frühmorgens) wird kaum (gar nicht?) kontrolliert, obwohl es die UEFA-Regularien theoretisch erlauben. Mir ist aber kein Fall mit ungewöhnlichen Kontrollzeiten bekannt.
(4) Während des Spiels wird erst 15 Minuten vor Anpfiff gezogen, welche 4 Spieler + 4 Ersatzmänner nach Abpfiff zur Kontrolle müssen. Wird ein Spieler vorher ausgewechselt oder fliegt vom Platz, muss die eigene Mannschaftsleitung aufpassen, dass der Spieler nach der Partie bereit steht. Was er zwischendurch in der Kabine macht, kontrolliert niemand. Muss ein Spieler ins Krankenhaus, entfällt für ihn die Kontrolle und ein durch die Ersatzlose gezogener Vertreter muss ran.
(5) Die UEFA übernimmt erst nach dem Abschluss der Vereinswettbewerbe die Nationalmannschaften. Dazwischen können die Natonalen Anti-Doping-Agenturen kontrollieren die Elite-Kader kontrollieren. Nur wird kaum in jedem Land auf dem selben Niveau gearbeitet werden. Die zwei Trainingslager Kontrollen der NADA beim DFB-Team dürfen schon als Highlight gelten.

Noch ein paar Sätze zu unserer Recherche. Uns war es wichtig den kompletten Kontrollablauf mit allen Instanzen, Aufgaben und Regeln zu verstehen. Die Grundlage bildete ein längerer E-Mail Verkehr mit der Medienabteilung der UEFA. Dazu haben wir uns mehrere UEFA-Dokumente angeschaut, die hier fast alle veröffentlicht werden können:

UEFA-Factsheet zu den Anti-Doping Massnahmen im Rahmen der UEFA EURO 2012

UEFA-Anti Doping Regulations 2012

UEFA-Pressemitteilung zu den Dopinkontrollen bei der EM 2008

In unserem DLF-Beitrag hätten wir gerne auch den europäischen Fußballverband zu Wort kommen lassen. Der Vorsitzende der medizinischen Kommissionen in der UEFA und FIFA , Michel D’Hooghe, stand die letzten Tage aber nicht zur Verfügung.

Dann wollen wir mal die Strichliste beginnen und mitzählen, ob es auch 2012 bei den 284 Dopingkontrollen bleibt.

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