How to beat doping testers

22.11.

Tip 1: Wear a watch.
Tip 2: Keep your cell phone handy.
Tip 3: Know your glowtime: how long you’ll test positive after you take the substance.

Page 135. The Secret Race. Autor: Tyler Hamilton.

Hamilton wird am Samstag (23 Uhr, ZDF) zu Gast im Sportstudio sein. Er wird über seine Doping-Biografie sprechen. Vielleicht spricht er auch über den deutschen Arzt, der ihn bei Phonak bei der Anwendung von Blutdoping unterstützt haben soll.

Für ZDF ONLINE habe ich ein kleines Portrait über den Mann aus Massachusetts geschrieben.

The Secret Race by Tyler Hamilton & Daniel Coyle @jsachse





Es tut weh, die Wahrheit zu erzählen

Als Edelhelfer von Lance Armstrong begonnen, entwickelte sich Tyler Hamilton zum Konkurrenten um den Tour de France Sieg. Trotz mehrerer Dopingbefunde gab er erst Jahre später Leistungsmanipulation zu. Jetzt versucht er mit seiner Doping-Biografie Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

„Nach 13 Jahren die Wahrheit zu erzählen fühlt sich nicht gut an. Tatsächlich tut es sogar weh“, meint Tyler Hamilton. Er beschreibt die Gefühle, die ihn bewegten, als er zum ersten Mal reinen Tisch machte und über seine kompletten Dopingerfahrungen sprach. An diesem Tag noch vor einem kleinen Publikum. Nur seine zwei Anwälte hörten ihm zu, als er vier Stunden über seine unlauteren Praktiken sprach. Ein Probelauf für seine Aussagen, die er einen Tag später eidesstaatlich vor der Staatsanwaltschaft wiedergab – ein großer Schritt nach Jahren voller Lügengeschichten.

Diese Situationsbeschreibung vom 21. Juli 2010 stammt aus Hamiltons Buch „Die Radsport Mafia“ (Englischsprachiges Original: „The Secret Race“), welches vor wenigen Wochen auf deutsch erschienen ist. Gemeinsam mit dem Journalisten Daniel Coyle veröffentlichte er eine ausführliche Beichte, schildert detailliert seine Dopingerfahrungen.

Begonnen mit einer ersten Testosteron-Pille, die er 1997 unter den beruhigenden Worten seins Teamarztes einnahm: „Das ist kein Doping. Das ist für deine Gesundheit.“ Bis zur Professionalisierung des Dopings. Trainingspläne, die ein Jahr im voraus die Doping-Meilensteine definierten. Methoden wie Blutdoping, die bei falscher Anwendung sein Leben aufs Spiel setzten.

Jahrelang hatte Hamilton zu lügen und zu täuschen gelernt. „Ich trat der Bruderschaft bei.“ Ein Schweigebündnis unter den Fahrern, bekannt als Omertà im Radsport. Hamilton verinnerlichte sein Unschuldsbewusstsein so sehr, dass er nach eigener Aussage selbst einen Lügendetektortest bestanden haben soll.

Mit seinem Buch, begleitet von mehreren Auftritten in den Medien und seinen Aussagen als Kronzeuge im Lance Armstrong Prozess der USADA, versucht er seine Glaubwürdigkeit seit zwei Jahren zurückzugewinnen. Er möchte der Öffentlichkeit über die Wahrheit berichten.

Geboren 1971 im Bundesstaat Massachusetts, begann Hamilton zunächst als ambitionierter Skifahrer. Ein schwerer Sturz bei einer Abfahrt, zwei gebrochene Rückenwirbel, zwangen ihn zum Aufbautraining auf dem Rad. Der Tritt in die Pedale gefiel ihm so sehr, dass er komplett von den Ski aufs Rad wechselte.

Schon in den ersten Jahren seiner Karriere spürte Hamilton seine außergewöhnliche Begabung Schmerzen ignorieren zu können. Besonders in Erinnerung bleibt später die Tour de France 2004 2003, als er sich auf der ersten Etappe sein Schlüsselbein brach. Eine Verletzung, die andere Fahrer wochenlang zur Ruhe zwang, ließ Hamilton nicht vom Rad steigen.

Er erreichte drei Wochen später Paris, fuhr trotz Verletzung mit den Besten auf einem Niveau: Ein Etappensieg und Platz vier in der Gesamtwertung. Eine für unmöglich gehaltene Leistung, die sein Teammanager Bjarne Riis nach Ende der Frankreichrundfahrt mit Röntgenbildern von Hamiltons Bruch zu untermauern versuchte.

Seine ersten sportlichen Erfolge fuhr Hamilton an der Seite von Lance Armstrong ein, den er bei seinen ersten drei – mittlerweile aberkannten – Tour de France Siegen von 1999-2001 als Edelhelfer begleite. In diesen Jahren gehörte er zu den engsten Vertrauten Armstrongs, erhielt exklusive Trainingsberatung und Zugänge zu Methoden von Dopingarzt Dr. Ferrari , die Armstrong nur für auserwählte Teammitglieder zuließ.

Die Beziehung zu Armstrong verschlechterte sich mit den Jahren. Die Freunde, Armstrong und Hamilton, teilten sich ein Haus, wurden zu Rivalen um den Tour de France Sieg. Hamilton verließ das US-Postal Team und fuhr als Kapitän für CSC und später Phonak.

Im erfolgreichsten Jahr seiner Karriere stoppten positive Dopingbefunde nach seinem Olympiasieg 2004 und einem Etappensieg bei der Vuelta Hamiltons Karriere. Mit enormem Aufwand versuchte er jahrelang seine seine nicht gegebene Unschuld zu beweisen. Depressionen und finanzielle Schwierigkeiten folgten.

Erst Jahre später bekennt er sich zu seiner Dopingvergangenheit. Viele seiner Aussagen werden durch die von der USADA veröffentlichten Dokumente gegen Armstrong und sein Dopingteam belegt.

5 Kommentare zu "How to beat doping testers"

  1. Auch wenn es ein vielleicht ein bisschen überkorrekt ist: Hamiltons Schlüsselbeinbruch mit anschließendem Etappensieg und Viertem Platz war 2003, nicht 2004. In dem Jahr musste er ironischerweise wegen einer Rückenblessur aufgeben.
    Ansonsten finde ich es cool dass du kritisch, aber trotzdem fair über den Radsport berichtest.


  2. Felix, vielen Dank.

    Den Zahlendreher habe ich jetzt korrigiert.


  3. Guter Artikel. Den Satz ” Die Freunde, Armstrong und Hamilton, teilten sich ein Haus, wurden zu Rivalen um den Tour de France Sieg. ” könntest Du vielleicht etwas klarer formulieren. Zu welchem Zeitpunkt sie sich ein Haus teilten, ist von der Sprache nicht ganz klar.


  4. Hi Paul, kann ich gut verstehen. Die Entwicklung der Beziehung Armstrong und Hamilton könnte man ein eigenes Kapitel widmen. Schreibe ich morgen mal ein paar Worte zu hier in den Kommentaren. Heute schaffe ich das leider nicht mehr.


  5. Nach dem zugegebenermaßen sehr holprigen Satz zur Armstrong/ Hamilton Beziehung (s. Kommentar Paul) versuche ich das Thema etwas zu intensivieren, wenn auch in einer Kompaktversion. Ich beziehe mich hier nur auf Hamiltons Beschreibungen in seinem Buch.

    Trafen sich zum ersten Mal bei einem kleinen US-Rennen 1994. Gleiches Alter. Allerdings war Armstrong gerade Weltmeister geworden (1993!!!) und Hamilton noch weitgehend unbekannt. Beschreibt die erste Begegnung so:

    Something passed between us – respect? Recognition? Whatever it was, it feld pretty cool.

    Ich spule mal vor…

    Nach seiner Krebserkrankung wechselte Armstrong 1998 zu US Postal. Für das Team fuhr Hamilton zuvor schon ein paar Jahre. Armstrong soll sofort die Kontrolle im Team übernommen haben, großer Chefauftritt. Hamilton beschreibt immer wieder im Buch, wie Armstrong alle möglichen Dingen schwarz/ weiß malte. Oft in Superlativen. Entweder war etwas weltklasse oder grottenschlecht. Ein “Maybe” gab’s für ihn nicht.

    Mitte der Saison 1998:

    That was the period when Lance and I started to spend more time together, both on and off the bike. I think Lance needed someone to talk to, to be with, and I was a good sounding board. Pretty soon we were riding next to each other on group rides, or grabbing a coffee. And not long after that, in the spring of 1998, we started rooming together at races. For me this was a huge honor, because I knew Lance had requested it.

    Und wieder vorspulen…

    Lance filterte nach Hamiltons Beschreibungen seine Nähsten on/ off Training ziemlich dolle. Hamilton gehöre jahrelang zum inner circle. Irgendwann teilten sie sich sogar das angesproche Haus in Nizza. In der unteren Etage wohnte Hamilton mit seiner erste Frau Haven und oben Armstrong mit seiner ersten Frau Kristin. Da kam es dann auch zu den in Medien bereits beschrieben Dopingtauschsituationen. Hamilton beschreibt, wie er sich aus Armstrongs Kühlschrank EPO nahm, als er gerade nichts vorrätig hatte. Im oberen Text habe ich es schon angedeutet: Armstrong wählte bei den ersten beiden Rundfahrten Hamilton als engsten Helfer. Während der Tour 2000 (oder war es schon 1999?) erhielten neben Armstrong zum Beispiel nur Hamilton und Kevin Livingston eine Bluttransfusion.

    Das Verhältnis verschlechterte sich, als Hamilton sportlich immer besser wurde und Armstrong ihn ihm einen Team internen Konkurrenten sah. Hamilton beschreibt verschiede Beispiele: Hamilton gewinnt die Ventoux Etappe bei der Dauphine. Armstrong ist sauer. Hamilton schlägt Armstrongs Trainingsrekord aus Haus-Trainingsberg. Armstrong ist sauer. Er beschreibt verschiedene Psycho-Spielchen, die Armstrong anwandte. Hamilton wurde von verschiedenen Leuten aus seinem Team und Aussenstehen zum Beispiel bewusst mit möglichen positiven Tests konfrontiert, Hamilton solle besser aufpassen, was er nehme etc.

    Noch ein letzter Auszug aus dem Buch, der die Beziehung Armstron/ Hamilton kurz vor seinem Wechsel ganz gut beschreibt (Page 107):

    It was around this time that I started to notice a shift in my relationship with Lance. He knew my numbers (//Gemeint ist Hämatokritwert, der nahe an der erlaubten 50er Höchsgrenze lag). He saw where I was and how fast I was improving. I noticed that on the timtes when we trained side by side, Lance would edge his front wheel ahed of mine. I’m stubborn, though, and I’d respond. It became a pattern: Lance would edge out six inched, and I would respond by putting my wheel one centimeter behind this. Then he’d edge out another six inches, and I’d respond – one centimeter behind. I always stayed one centimeter behind, to let him control the pace. That on centimeter separating us came to mean a lt. It was like a conversation, with Lance asking the questions.

    How that feel?
    - Still there.
    This?
    - Still there.
    Okay, this?
    - Still here, dude.

    At the time I was proud of it – of proving what a strong lieutenant I was. Only later did I realize how this contained the seeds of disaster.

    Ein letztes Mal die forward Taste…

    Hamilton beschreibt noch ein paar skurrile Begegnungen in den Folgejahren, als sie in verschiedenen Teams fuhren. Anrufen von Armstrong bei der UCI, die Hamilton aus dem Rennen nehmen sollten etc.

    Jahre später dann der Crash, als Hamilton in “60 Minutes” öffentlich Armstrong des Dopings anklagte, vorher schon eidesstaatlich gegen ihn aussagte und schließlich im Rahmen der USADA Investigation noch einen drauf legte.

    Highlight ist dabei seine Szene in Armstrongs Lieblingslokal, in dem Hamilton mit ein paar Leuten isst. Der Kellner sieht Hamilton, ruft Armstrong an. Armstrong kommt sofort, setzt sich den ganzen Abend an die Bar und beobachtet Hamilton. Später kommt es zur direkten Konfrontation an der Bar mit einer Szene, die auch schon in den Medien behandelt wurde, da Armstrong Hamilton droht…

    Soweit die Schilderungen von Hamilton zu seinem Ex-Buddy Armstrong ;)


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