Best of Holczer – Garantiert Positiv

8.10.

Ende 2011 kehrte Hans-Michael Holczer in den Profiradsport zurück. Gewissermaßen von Putin vermittelt, änderte sich sein Bild in der Öffentlichkeit: Vom sogenannten Anti-Doping Kämpfer und selbsternannte Nichtmitwisser zum schweigenden Generalmanager der größten russischen Radsport-Allianz, finanziert durch Putin Gazprom, Itera und Rostechnologii.

Heute wurde Holczer entlassen.

Der neue Generalmanager. Natürlich ein alter Bekannter: Viatcheslav Ekimov (Ex-Armstrong Edelhelfer, Sportlicher Leiter RadioShack, dreimaliger Olympiasieger). Und am allerwichtigsten: Ekimov ist Berater von Igor Makarov (Präsident Cycling Russia & Chairman Itera, Einer von diesen russischen Jungs, die sportliche Einflüsse geschickt wirtschaftlich nutzen). Im Nachhinein lässt sich das leicht sagen. Fast logisch, dass Ekimov als bester russischer Radfahrer des 20. Jahrhunderts und mit seinen Beziehungen nach ganz oben irgendwann das Team übernehmen würde.

Aufwärmen beim russischen 18 Millionen Radsportprojekt. Vorne: Denis Menchov. @jsachse





Zurück zu Holczer.

Dieser schwieg seit seiner Rückkehr ziemlich viel. Ein paar terminierte Interviews konnte man lesen, aber sonst fuhr er einfach mit. Bei der Tour habe ich ihn ein wenig beobachtet. Er bewege sich kaum von seinem Mannschaftsbus weg, sprach in der Regel nur mit seiner Crew rund um Raketenwerfer-Fahrzeuge. Viele meiner Kollegen schienen auch nicht mit ihnen sprechen zu wollen. Ich kenne keinen deutschen Journalisten, der für einen O-Ton zu Holczer ging. Wenn er sich durch das Peloton schlängelte, dann im Sponsorenhemd als Führer einer Reisegruppe in seinem zweiten Job, als Berater und Testimonial für _______ [Achtung Quiz].

Mir ist keine Persönlichkeit im Radsport bekannt, auf die so unterschiedliche Gruppen so schlecht zu sprechen sind. Journalisten, Pressesprecher, Ex-Teammitglieder, ehemalige und aktive Fahrer, Manager… Beispiel:

20121008_Sinkewitz_Holczer

Screen Facebook Profil Patrick Sinkewitz (8.10.2012)



Das ist ein Fakt. Keine Bewertung. Ich habe Holczer nur einmal ein paar Wochen vor Tourstart in Berlin am Rande des Velothons gesprochen. Der zweite Termin kam nicht zustande.

Ein etwas längerer Termin sollte eigentlich vor der Tour 2012 zu Stande kommen. Den Interviewtermin hatten wir bereits vereinbart, zwei Tage vor Start in der Nähe von Lüttich. Ich habe nur keinen Abnehmer gefunden. Kein Medium wollte ihn mehr zu Wort kommen lassen.

Somit konnte ich Holczer auch nicht mit seinen folgenden Zitaten konfrontieren, die ich bei der Lektüre “Garantiert Positiv – Mein Leben für den Radsport” rausgeschrieben hatte und vor ein paar Tagen schon in den Kommentaren erwähnte. Für den aufmerksamen Leser also eine Wiederholung, finde aber, jetzt sollten sie ruhig noch einmal prominenter platziert werden:

Seite 63:

…Omertà im Radsport – deren Existenz ich nach wie vor bestreite, sie ist ein Produkt bestimmter Medien…

Seite 114:

…Gerüchte, dass es Mannschaften gegeben haben soll, die auf dem Weg zum Start noch Blut reinfundiert haben soll, gibt es schon. Bei uns waren es Säurepuffer und stoffwechselanregende Vitaminpräparate, die injiziert wurden, also kein Doping.

Seite 131:

Ich bin mittlerweile fest davon überzeugt, dass Doping zum Spitzensport dazugehört, in allen Diziplinen und ausnahmslos.

Seit 132:

…aber ich habe auf meinem Rechner einen Videoclip aus dem Jahr 2001, auf dem einwandfrei Davide Rebellin und Selina Rebellin zu sehen sind, wie sie Dopingmittel bestellen und sich genau über deren Anwendung und Dosierung informieren.

Seite 139:

Doping darf man nicht legalisieren, relativieren, akzeptieren oder davor kapitulieren. Aber wir werden uns arrangieren.

Seite 147:

Dem Drängen unseres Arztes Mark Schmidt, der immer wieder die gesundheitlichen Vorzüge des “einmal in der Woche durchspülen” pries… nachgegeben… mein Okay für eine Glukose-Injektion von 100 Milliliter gegeben habe, also einer geringen Menge, die zu einer wirklichen Doping-Verschleierung nicht ausgereicht hätte. Ob es dabei geblieben ist, kann ich nicht sagen.

Seite 149:

Ich denke nach wie vor, dass nach 1998 Doping in weiten Teilen aus den meisten Mannschaften verschwunden ist. Es hat sich einfach verlagert in kleine Zirkel, in Arztpraxen, in Hotelzimmer irgendwo auf der Welt.

Seite 152:

Es heißt, dass die Produktionsmenge von EPO weit über dem liegen soll, was für Kranke gebraucht wird. Profitieren vom Doping tun auch die, die diese Medikamente in die Grauzonen schleusen. Genauso wie die Ärtze, die diese Mittel am trainierenden Athleten testen und später dosieren. Hierzu benötigt man übrigens auch Labore, die technisch auf dem neusten Stand sind. Natürlich profitieren vor allem die Athleten, sie riskieren aber auch am meisten.

Seite 162:

Zur UCI-Analyse des Blutprofils: “Bei auffälligen Blutwerten wird das Team aufgefordert, den Fahrer stillschweigend aus dem Rennen zu nehmen.” (Seite 159)
Interne Kontrollmöglichkeiten zum Grenzwertdoping: “Das Team Phonak führte in seinem Transporter anscheind die gleichen Messgeräte mit, wie sie von der UCI benutzt wurden.

Seite 166:

Zu T-Mobile 2006: “Meine persönliche Einschätzung, dass der Rest des Magenta-Teams für den zweiten Tour de France Sieg von Jan Ullrich präpariert worden war, konnte ich nur intern äußern.

Seite 170/171:

Doping verändert ganz klar das Bewusstsein, Doping geht auf den kopf, Doping macht kirre… Ich bin mir sicher, dass die Eherfrauen oder Freundinnen genau wissen, was ihre Partner da so treiben, und dass das so manche schlaflose Nacht kostet. Aber sie schweigen… Doping ist schädlich, risikoreich – und es macht süchtig.

Seite 200:

Ich glaube heute bei Topleistungen nichts mehr, nicht nur im Radsport… dass ich den Glauben an die sauberen Topleistungen im Spitzensport verloren habe.

4 Kommentare zu "Best of Holczer – Garantiert Positiv"

  1. Quiz? 8) Mit Specialized und Skoda ist Holczer bekanntermaßen verbandelt. Da er während der Tour wohl kaum für Specialized Werbung laufen kann, während seine Mannschaft auf der Koblenzer Versandhausmarke fahren muss, tippe ich mal auf letztere.

    Er will sich übrigens freiwillig von den Stalinorglern verabschiedet haben. Man wird ihm eben ein Angebot gemacht haben, das er nicht ablehnen konnte…


  2. Danke Piti, du rettest meine Ehre. Doch noch ein User, der den Text nicht nach den ersten Zeilen abgebrochen hat. Skoda 100%. Gibt ein Bier, wenn wir uns mal irgendwo treffen!

    Ja, ein Angebot, was man nicht ablehnen kann… das neue GER-Team. Ich hoffe nicht.


  3. das wird doch der “DICKE” zu verhindern wissen. Doping,aber nur für die Haare nicht für HMH


  4. Na, zu Holczer lese ich doch grundsätzlich alles. Danke für das Bier. :) Ich hoffe, du wirst deshalb in Zukunft nicht von falschen Pitis belagert: “Ich bin Piti, und will mein Bier!” “Nein, ich bin Piti!” “Ich bin Piti, und meine Frau ist auch Piti!” ^^

    Mit dem Angebot, das Holczer nicht ablehnen konnte, meinte ich eines der Russen. Er soll ja ohnehin nur eine Verlegenheitslösung gewesen sei, die den Russen von der UCI nahegelegt wurde, nachdem diese ursprünglich den Vengamann Saiz als Teammanager verpflichten wollten. Dass es auf absehbare Zeit ein hochklassiges deutsches Team geben könnte, halte ich immer noch für Illusion. Da müssten schon andere deutsche Hoffnungsträger kommen als ein dröger Tony Martin.


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