Aktive Rad Insider: Wer spricht als erstes?

7.12.

14 Personen exklusive Referenten haben sich letzten Sonntag und Montag im Londoner Hilton Hotel versammelt. Die Zukunft des Radsports wurde diskutiert – mit einem zentralen Ansatz: Wie kann eine veränderte Kultur im Radsport entstehen?

Tag 1: CCN Tagung in London. ©changecyclingnow.org



Das Gespräch wurde von mehreren Kommunikationsmanagern geleitet, um angesichts der engen Zeit und vieler Meinungen Struktur und Ergebnisse aus den Gesprächen zu ziehen. Ein konkretes Dokument ist entstanden, unten auf deutsch und englisch eingebunden. Die Truppe, die unter dem Label “Change Cycling Now” auftritt, ging davon aus, dass jedes Wort im Raum von dem Radsport Weltverband UCI mitgehört wurde. So ließen sie jedenfalls auf der PK am Montag die Ohren von Pat McQuaid vermelden.



Ebenfalls auf der PK erzählte Skin-CEO Jaimie Fuller, dass er mehrere aktive Radfahrer angeschrieben hatte und bat an der Konferenz teilzunehmen. Fahrer äußerten Interesse, aber keiner reiste schließlich nach London. Laut Fuller, weil sie Angst vor dem langen Arm des Radsportweltverbandes hatten.

Am Dienstag habe ich mit Jörg Jaksche ein knapp einstündiges Interview geführt. Die lesbare Fassung ging gestern bei SPON online. Ich habe Jaksche auch gefragt, warum kein aktiver Fahrer spricht, obwohl Unterstützung garantiert wäre. Seine Antwort findet ihr hier in der Original-Audio Fassung eingebunden:



Zum gleichen Thema wird auch Christophe Basson bei cyclingweekly zitiert:

Also, riders want to hang on to their jobs because most of them don’t know how to do anything else and a rider is going to have a hard time with the UCI and other authorities like WADA or their Federations. I’m a bad example because I spoke up and I had to leave, I’m like an example of why you shouldn’t talk.

Basson saß ebenfalls am Montag bei der Pressekonferenz auf dem Podium. Ähnlich wie Jaksche. Fahrer, die irgendwann (Jaksche erst durch seinen Namen auf der Fuentes Liste) zu sprechen begannen und anschließend von Teams, Kollegen und den Verbänden verstoßen wurden.

Jetzt frage ich mich: Wann schließt sich der erste Fahrer der ambitionierten CCN-Truppe an? Welcher aktive Fahrer traut sich in der gegenwärtigen Situation öffentlich und ausführlich die Probleme mit der UCI zu schildern?

Ich konnte es nicht lassen. Dazu muss ich eine Grafik bringen.

Wer setzt das Mosaik zusammen? ©jsachse



Klar. Es gab Fahrer, die sich in der Vergangenheit kritisch über die UCI geäußert haben. Aber kaum einer benutzte dafür mehr als 140 Zeichen auf Twitter.

Aus strategischer Kommunikationssicht wäre jetzt der ideale Zeitpunkt. Oder täusche ich mich?

Wer hier schon länger mit liest, wird ahnen, dass ich sehr weit davon entfernt bin eine veränderte Kultur im gegenwärtigen Radsport zu erkennen. Aber… es ist etwas in Bewegung. Bei den CCN-Oppositionellen sitzen aus meiner Sicht mehrere kluge Köpfe, denen ich zum Teil glauben möchte, dass sie die Sache wirklich aus Leidenschaft – aus echter change creed – angehen.

Das aktuelle Sprachroher der UCI, McQuaid, der Typ mit der Fernsteuerung im Hintergrund, Verbruggen, und ein paar anderen Herren müssen raus. Logisch.

Das wird aber nicht für eine veränderte Kultur sorgen. Dafür müssen aktive Personen aus dem Business sprechen. Offen reden. Über alles.

Leute aus dem BDR und anderen Verbänden. Vereine. Die Fahrer. Die Trainer. Ärzte. Andere Teambetreuer. Meinetwegen auch die Kurierfahrer.

Wer darauf kein Bock hat, muss sein Karriere beenden, seinen Funktionärsjob ablegen, die Spritze beiseite legen. Anders geht’s nicht.

Sonst wird auch Change Cycling Now keine Chance haben.

Also noch einmal: Wer möchte anfangen?

Dokumente (deutsch)
Change Cycling Now: Charter of the Willing (German)

Dokumente (englisch)
Change Cycling Now: Charter of the Willing

Weitere Dokumente rund um CCN
Fotos/ Videos von der Konferenz am 2./3. Dezember
PM CCN: Change Cycling Now approached by Review Commission
Website von der UCI definierten Untersuchungskommission (UCIIC)

1 Kommentar zu "Aktive Rad Insider: Wer spricht als erstes?"

  1. Pingback: Snackbreak (2) | Jonathan Sachse

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