Zum Tod von Wouter Weylandt

10.05.

Der Tod des 26-jährigens Radprofis Wouter Weylandt hat die Jubiläumsparty des 150. Giro d’Italia verstummen lassen. Auf den letzten 25km der 3. Etappe verhakte sich der Belgier an einer Mauer, wurde daraufhin mehrere Meter durch die Luft geschleudert und erlag noch auf der Straße seinen Kopfverletzungen. Sein Team Leopard-Trek wird heute Nacht über einen Ausstieg aus der Italienrundfahrt entscheiden. Auf der Homepage des luxemburgischen Rennstalls ist der folgende Nachruf zu lesen:


Screenshot: http://www.leopardtrek.lu/ (9. Mai 2011)


Nach dem tragischen Todesfall stelle ich mir nicht zum ersten Mal einige Fragen: Wofür steht der Sport? Wie weit darf er gehen? Welcher Mehrwert wird geboten…?


Für einen Profiradsportler gehören Stürze zum “business as usual”. Nach einem kurzen Schock interessiert nur die Frage, wann das Comeback aufs Rad winkt. Die Heilungszeiten der Verletzungsklassiker können im Schlaf aufgezählt werden. Ein Schlüsselbeinbruch dauert 6 Wochen und ein Bruch bedeutet nicht automatisch das Aus. Das Aussteigen erscheint zum Teil schmerzhafter, als die Weiterfahrt mit einer Verletzung.


Wer erinnert sich noch an den fürchterlichen Sturz von Jens Voigt während der Tour de France 2009? Kaum konnte er sich im Krankenhaus wieder halbwegs artikulieren, kündigte er sein Comeback auf dem Rad an und das mit damals stolzen 38-Jahren. Als wäre das ohnehin gegebene sportliche Berufsrisiko nicht schon hart genug, wird der eigene Körper zusätzlich mit Dopingmitteln gefoltert. Liest man die Ausführungen vom ehemaligen Radprofi Peter Winnen klingt der Schmerz tatsächlich nach einer Droge. Loslassen scheint ausgeschlossen.


Mit meinen Zeilen will ich mit Sicherheit nicht Wouter Weylandt irgendeine Eigenschuld zuweisen. Die Suche nach den Schuldigen steht nicht in meiner Verantwortung und sollte an dem heutigen Trauertag nicht berührt werden. Ich bin selbst Rennradfahrer und kann die Leidenschaft an dem Sport trotz all seiner Gefahren gut nachempfinden. Dennoch scheint ein jeder, der den Radsport verfolgt, ein Stück mit verantwortlich für die Gefahr zu sein. Wer die Anstiege liebt, muss mit den Abfahrten leben.


R.I.P Wouter Weylandt – Mögen seine Frau, sein noch ungeborenes Kind, seine Familie und Freunde sich gegenseitig unterstützen.


Update 10. Mai – Nachrufe:
Von Tylor Farrar (Bester Freund, Garmin-Cervelo Profi)
Von Johan Bruyneel (Belgier & Sportlicher Leiter RadioShack)
Von Andreas Schulz (Eurosport-Kommentator)

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