SPORTSFREUND: Themenvielfalt mit einer Prise Bauchschmerzen

23.09.

Seit dem 13. September ist das neue Magazin SPORTSFREUND auf dem Markt. Eine Zeitschrift, die nach eigener Aussage keine spezielle Sportart in den Fokus rückt, sondern die Vielfalt des Sports darstellen möchte. Wer noch keinen Blick reingeworfen hat, der findet auf horizont.net eine kurze Rezension der Erstausgabe.



Die erste Titelgeschichte befasst sich mit der zweiten Karriere von Sportlern und verpatzten Comebacks. Wer sich als Sportler angesprochen fühlt, der erhält direkt im Heft eine Lösungsmöglichkeit: Die duale Karriereförderung der Deutschen Sporthilfe. Ein Interessenverband von Lufthansa, Mercedes-Benz, Telekom und der Deutschen Bank. Eine scheinbare Initiative fürs Gemeinwohl mit klaren Lobbyinteressen. Zu diesem Thema hoffentlich bald mehr.

Auffällig sind die Werbeanzeigen des DOSB, der das Magazin somit öffentlich finanziell unterstützt. Auf der letzten Seite wird der Deutsche Sportverband für die ehrenamtliche Mitarbeit, das Topthema der kommenden SPORTSFREUND-Ausgabe (Themenguide als PDF).

Die Themenvielfalt der Erstausgabe hat mich durchaus angesprochen. Dennoch bin ich durch die beschriebenen Themen etwas skeptisch geworden. Die Hintergründe des Magazins fühlten sich für mich nicht ganz transparent an. Aus diesem Grund habe ich Chefredakteur Christian Bärmann um eine kure Stellungnahme gebeten:

jsachse: “Mit welchen Mitteln wird das SPORTSFREUND-Magazin finanziert? Welche Einnahmequellen existieren neben den Werbeanzeigen?”
Bärmann: “Die klassische Dreiwege-Finanzierung: Vertrieb, Abonnement und Werbung.”
jsachse: “Der DOSB ist durch Werbeanzeigen sehr präsent vertreten. Gibt es mit dem Sportbund eine besondere Zusammenarbeit? Wodurch zeichnet sich diese aus?”
Bärmann: “Wir tauschen uns auf inhaltlicher Ebene mit dem DOSB aus, eine enge Kooperation besteht jedoch nicht.”
jsachse: “In der ersten Ausgabe wird die duale Ausbildung als Lösungsweg für Sportler vorgestellt. Im November wollen sie über das ehrenamtliche Engagement von Sportlern sprechen. Beides Themen, die auch beim DOSB derzeit zu den Trendig-Topics zählen. Wie unabhängig agieren sie in ihrer Themenwahl?”
Bärmann: “Im November planen wir einen Beitrag über das soziale Engagement von Sportlern durch Stiftungen. Das Thema Ehrenamt wird eine ständige Rubrik bleiben, einfach um die ehrenamtlich tätigen Menschen auch mal in den Vordergrund zu stellen, zumindest in dem Rahmen, der uns möglich ist. Die Themenauswahl erfolgt komplett unabhängig und steht in keinem Zusammenhang mit irgendeiner Organisation.”
jsachse: “Der Rahmen um die SPORTSFREUND des Monats Anzeige wirkt auf den ersten Blick etwas irritierend, man erwartet fast eine Werbeanzeige. Reine Geschmackssache oder steckt dort eine Botschaft dahinter?”
Bärmann: “Das ist ein grafisches Element, hinter dem keine Botschaft steckt.”

[Update 25.09.]
Zwei weitere Blogger haben in den vergangenen Tagen ihre Rezension zum SPORTSFREUND geschrieben, die ich nicht unerwähnt lassen möchte:
• dogfood auf allesaussersport
• Sebastian auf textilvergehen

[Update 26.09.]
In den Kommentaren hat sich DOSB-Pressesprecher Christian Klaue gemeldet. Ich gebe ihm recht: Bislang habe ich noch kein Statement vom DOSB eingeholt, wäre der nächste Schritt in meiner Recherche gewesen. Da der restliche Tag mit beruflichen Terminen vollgestopft ist, werde ich wohl erst morgen auf die weiteren Inhalte eingehen können. Zunächst das vollständige Statement von Herrn Klaue:

“Lieber Herr Sachse,

gern helfe ich Ihnen mit einer Information weiter, die Ihnen offenbar noch fehlt, die Sie aber leider nie bei uns angefragt haben.
Der DOSB unterstützt das Magazin Sportfreund nicht finanziell. Wir begrüßen jedoch sehr, dass es den Sportsfreund gibt und wünschen dem Team größtmöglichen Erfolg.
Ich konnte auch keine Werbeanzeigen – Mehrzahl – entdecken, sondern lediglich eine Anzeige. Dabei handelt es sich um die Pro-Bono-Anzeige des DOSB, die Sie gern auch auf Ihrer Website einsetzen können. Sie finden diese unter.
Der DOSB selbst gibt viermal pro Jahr ein Magazin namens Faktor Sport heraus. Falls Sie dieses rezensieren möchten, nehmen wir Sie gern auf unseren Verteiler auf. Sie können es aber auch selbst abonnieren unter oder in den Lounges der Deutschen Bahn oder der Lufthansa kostenfrei mitnehmen.

Mit besten Grüßen
Christian Klaue
DOSB-Pressesprecher”


[Update 29.09.]
Endlich habe ich Zeit gefunden mit Herrn Klaue ein telefonisches Gespräch zu führen. Meine Überschrift unter dem Stichwort “Bauchschmerzen” werde ich auch nach seinen Äußerungen nicht abändern, denn der weiche Schreibtstil der SPORTSFREUND-Autoren ist nicht wegzureden. Das Magazin wirkt in vielen Teilen nun mal wie eine Verbandszeitschrift. Nun hat Kruse Klaue mir gegenüber noch einmal betont: Der DOSB unterstützt den SPORTSFREUND in keiner Weise finanziell. Die Pro-Bono-Anzeigen darf schließlich jedes Medium frei verwenden, ohne dafür kassieren zu müssen. Selbst Jens Weinreich hat in der Vergangenheit feierlich zugegriffen.. An dieser Stelle greife ich das obere Zitat von Chefredakteur Bärmann noch einmal auf: “Wir tauschen uns auf inhaltlicher Ebene mit dem DOSB aus, eine enge Kooperation bestehe jedoch nicht.” Bei meiner Nachfrage wird Herr Klaue etwas konkreter. Der DOSB helfe zum Teil bei Vermittlung von Gesprächspartner und Themen. Astreiner Deal.

Arbeitet so ein unabhängig journalistisches Medium?

3 Kommentare zu "SPORTSFREUND: Themenvielfalt mit einer Prise Bauchschmerzen"

  1. Pingback: Getestet: Sportsfreund at ***textilvergehen***

  2. Lieber Herr Sachse,

    gern helfe ich Ihnen mit einer Information weiter, die Ihnen offenbar noch fehlt, die Sie aber leider nie bei uns angefragt haben.

    Der DOSB unterstützt das Magazin Sportfreund nicht finanziell. Wir begrüßen jedoch sehr, dass es den Sportsfreund gibt und wünschen dem Team größtmöglichen Erfolg.

    Ich konnte auch keine Werbeanzeigen – Mehrzahl – entdecken, sondern lediglich eine Anzeige. Dabei handelt es sich um die Pro-Bono-Anzeige des DOSB, die Sie gern auch auf Ihrer Website einsetzen können. Sie finden diese unter: http://www.dosb.de/probono

    Der DOSB selbst gibt viermal pro Jahr ein Magazin namens Faktor Sport heraus. Falls Sie dieses rezensieren möchten, nehmen wir Sie gern auf unseren Verteiler auf. Sie können es aber auch selbst abonnieren unter http://www.faktorsport.net oder in den Lounges der Deutschen Bahn oder der Lufthansa kostenfrei mitnehmen.

    Mit besten Grüßen
    Christian Klaue
    DOSB-Pressesprecher


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