Artikel 1.1.006.2 – Die zwei Gesichter der UCI

19.06.

Dem internationalen Radsportverband UCI kann man wirklich viele berechtigte Vorwürfe machen. Er bevorzugt seine Topathleten, nimmt fragwürdige Spenden an, tritt nicht konsequent auf und trifft gerne Entscheidungen von oben herab.


Am Freitag hat dieser Weltverband eine neue Regelung eingeführt, die für eine positive Entwicklung des Radsports insbesondere seiner Doping-Bekämpfung fundamental sein könnte. Ab dem 1. Juli, am Vortag des Tour de France Starts, dürfen zukünftig in ihrer Fahrer-Karriere überführte Dopingsünder nicht mehr im Management & Stuff eines Radsportteams tätig sein. Der neue Artikel 1.1.006.2 im UCI-Regelwerk besagt:


„No licence to participate in the sport as Staff under clause 1.1.010 (general manager, team manager, coach, doctor, paramedical assistant, mechanic, driver or other function as specified on the licence) shall be granted to a person who has been found by an appropriate body to have violated as an athlete the UCI’s Anti-Doping Rules or the anti-doping rules of any other organisation.


However a licence may be granted if all three of the following conditions are fulfilled:
(1) the person concerned committed a violation only once,
(2) the said violation was not sanctioned with an ineligibility for two years or more and
(3) five years have elapsed between the moment of the violation and the first day of the year for which the licence is granted.


Furthermore, no licence to participate in the sport as a staff member under clause 1.1.010 shall be granted to a person who has been found by a court of law or other competent body to have been guilty of facts which can reasonably be considered to be equivalent to a violation of the UCI’s Anti Doping Rules and who was a medical doctor at the time of such facts .


This clause applies in case of violations committed as from 1st July 2011.“



Diese Regel wird dem Radsport mit Sicherheit helfen. Nur durch eine Reinigung der Basis können Strukturen geschaffen werden, die einen neuen sauberen Aufbau ermöglichen. So richtig jubeln werde ich bei der UCI nie können, aber aufgegeben habe ich den Verband ebenfalls nicht. Da gibt es ganz andere Sportverbände


Und warum wird die neue Regeln nicht rückläufig angewandt werden? Neben der rechtliche Hürde gäbe es erhebliche logistische Probleme. Denn u.a. folgende Personen müssten sich ab sofort nach einem neuen Job umschauen:

• Laurent Biondi (Sport Director von Ag2r)
• Guido Bontempi (Sport Director von Astana)
• Laurenzo Lapage (Sport Director von Astana)
• Erik Boyer (Team Manager von Cofidis)
• Igor Gonzales des Galdeano (General Manager von Euskatel)
• Alvaro Gonzales des Galdeano (Team Manager von Euskatel)
• Jonathan Vaugthers (General Manager von Garmin-Cervelo)
• Rolf Aldag (Team Manager von HTC-Highroad)
• Brian Holm (Sport Director von HTC-Highroad)
• Eric Zabel (Berater von HTC-Highroad)
• Kim Andersen (Team Manager von Leopard Trek)
• Alberto Volpi (Ass. Team Manager von Liquigas)
• Marc Sergeant (Team Manager von Omega Pharma-Lotto)
• Patrick Lefevere (General Manager von Quickstep)
• Bjarne Riis (General Manager von Saxo Bank)
• Fabrizio Guidi (Sport Director von Saxo Bank)
// updated 21.06. – work in progress

Kleine nostalgische Videoschau:





Die Liste ist noch lange nicht vollständig. Wer die Namen fortführen kann, bitte in den Kommentaren ergänzen, werde ich aktualisieren.

Die UCI bleibt wie ich sie kenne. Ein Weltverband mit zwei Gesichtern. Halbherzig bleibt der Spalt geöffnet, der den Betrügern im Sport weiterhin genügend Raum zur Entfaltung lässt.

Weiterführende Links:
• Shane Stokes (Velonation) über die Lücken des neuen Artikels
• cycling4fans listet bereits seit 2007 die Teamverantwortlichen oder Teamangestellten von ProTour-Teams auf, die im Laufe ihrer Karriere sanktioniet wurden oder Doping gestanden hatten. (Hinweis, danke @danieldrepper)