Power Snooker: Sexy, sassy, elegant

30.10.

Nichts fällt ihm schwerer als zu warten. Ronnie O’Sullivan ist ungeduldig. Wenn der Spielball auf dem Tisch liegt, soll er möglichst schnell gelocht werden. Ist der Gegner dran, soll er den Schuss wagen oder eine Safety spielen, aber bitte nicht lange überlegen. Die klassische Snookerspielweise seiner Kollegen hat “The Rocket” Ronald Antonio O’Sullivan schon oft zur Weißglut getrieben. Wohl gemerkt wir reden von dem Spielmodus, der ihm drei Weltmeistertitel bescherte und zum größten Snooker Spieler aller Zeiten machte. Immer wieder hatte O’Sullivan sich für Regeländerungen ausgesprochen, höchstes Anliegen: Das Spiel muss schneller werden!

Jetzt ist es soweit. Heute soll die Revolution des Snookersports beginnen. In der O2 Arena in London wird das erste Power Snooker Turnier der Geschichte ausgetragen. Acht Top-Player werden an den Tischen stehen, ganz vorne mit dabei, natürlich: Ronnie O’Sullivan.
Einer der beiden Gründer von Power Snooker, Rod Gunner, beschreibt den Hintergrund seiner Idee auf der Seite des Veranstalters wie folgt:

“It had struck me for some time that the game of snooker needed a new and exciting transfusion. Having seen how Twenty20 cricket has revitalised that sport, I am delighted to have come up with the concept of Power Snooker and seen the positive reaction from within the game.”

Wie bei der schnelleren Cricket Variante Twenty20 soll mit Power Snooker eine neue Spielvariante eingeführt werden, als Ergänzung zum klassischen Spielmodus, nicht als Ersatz. Die Unterstützung der WPBSA wird dadurch garantiert wie der Vorsitzende des Snooker Weltverbandes Barry Hearn betont:

“In this new time for World Snooker, it is important for us to embrace new formats and new ideas. World Snooker welcome the Power Snooker event which we hope will bring new audiences and new fans to the sport.”

Wie genau funktioniert nun Power Snooker? In dem überraschend trockenen Video des Veranstalters erklärt “The Rocket” die wesentlichsten Regeländerungen:



Die Regeln der traditionellen Snooker Spielweise bleiben bestehen, werden allerdings durch viele entscheidende Veränderungen ergänzt, sodass die ursprünglichen Regeln nur noch punktuell in Anspruch genommen werden:

• Es zählen nur Punkte, keine Frames
• Matches sind auf 30min. begrenzt, Uhr startet mit Berührung der ersten roten Kugel und wird nur nach Beenden eines Frames gestoppt
• 20sec. Shot Clock, bei Zeitüberschreitung erhält der Gegner 20 Extra-Punkte
• 9 (statt 15) rote Kugeln werden beim Pulk in Diamantenform angeordnet
Bei einem Break Beim Eröffnungsbreak müssen min. zwei rote Kugeln eine Bande berühren, damit der Spieler am Tisch bleibt
• in der Mitte des Pulks, liegt der PowerBall, wird er gelocht, beginnt ein 2min. PowerPlay, indem jeder Ball doppelt zählt.
• Wird mit dem Spielball aus der PowerZone (Area hinter der Baulk-Line) heraus gelocht, zählen Farben doppelt
• Century Break bringt 50 Extrapunkte, wird das Kunststück im folgenden Frame wiederholt sind es 100 Punkte etc.
• Fouls zählen im PowerPlay doppelt, Kugeln können nach jedem Foul innerhalb der PowerZone neu platziert werden
• bei Unentschieden nach 30min. entscheidet der Final Shot: Wer locht als Erstes die Schwarze?

Soviel zu den getrackten Regeln auf dem Tisch. Die wirklich interessanten Veränderungen spielen sich allerdings drumherum ab. Rod Gunner nennt die drei “Brand Criteria” von Power Snooker: “sexy, sassy and very elegant.”
Da wären zum einen die Power Girls, in London angeführt von Nacktmodel Hollie Peeers. Was die Mädels wirklich während eines Matches veranstalten, wird mir im Vorfeld nicht ersichtlich, läuft auf eine plumpe Sex Sells Auslegung hinaus. Der edle Glanz soll durch individuelle Designer Outfits der Spieler geschaffen werden, womit der klar definierte Klamotten-Katalog aus der klassischen Version wegfällt. Und zu guter letzt, die aus meiner Sicht spannendste Veränderung, womit wir dann auch bei “sassy” wären: Die Spieler werden mit Mikrofonen ausgestattet und sollen während der Spiele mit den Fans interagieren. Snooker Spieler als Entertainer, na dann bin ich doch sehr gespannt!

Da haben die Gründer Rod Gunner und Ed Simons schon kräftig gesiebt. In der Theorie scheint die Transfusion zu einer massentauglichen Variation gelungen. Shot Clock, PowerTimes, Individualismus und Interaktion sind aus meiner Sicht die wichtigen Stichpunkte. Die Lover der klassischen Spielweise (Beispiel Pro Snooker Blog, Beispiel Eurosport-Kommentator Rolf Kalb) betrachten die Veränderungen erwartungsgemäß skeptisch. Ab 13 Uhr kann sich jeder sein eigenes Bild machen, dann beginnen die Matches in London. Die deutschen Zuschauer können auf Eurosport und Eurosport 2 das komplette Turnier verfolgen.

2 Kommentare zu "Power Snooker: Sexy, sassy, elegant"

  1. Das mit den Girls hat doch auch ganz sicher der O’Sullivan veranlasst. Wirkt als würde man sicher gehen wollen, dass auch wirklich jemand zuschaut, als würde die Ihrem eigenen Konzept nicht trauen. Könnte natürlich auch ironisch gemeint sein…


  2. Ne also ich kann mich mit dieser Sportart nicht anfreunden. Das hat mit Snooker nicht mehr viel zu tun. Dazu noch die Atmosphäre, die eher an Dart (da passr sie ja auch gut) erinnert.


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