Deutsche Volleyball-Bundesliga startet in die neue Saison

20.10.

Heute startet die deutsche Volleyball-Bundesliga der Herren in die neue Saison. Wieder einmal steht die DVL vor der großen Herausforderung, sich auf dem deutschen Sportmarkt zu behaupten. Das Produkt Volleyball Bundesliga soll möglichst bald in einer Reihe mit den ersten Ligen der Sportarten Handball, Basketball und Eishockey genannt werden. Der Weg dorthin ist ausgesprochen aufwändig. Erstmal Anschluss halten lautet das Motto.

Vor ein paar Tagen präsentierte der DVL-Vorsitzende Michael Evers in Dresden die Imagekampagne “Echte Menschen. Echte Stars”. Ein Personalisierungskonzept, welches die Sportler nahbarer machen soll, raus aus der lokalen Nische, hin zur deutschlandweiten Aufmerksamkeit. In Produkten ausgedrückt, heißt das: Zwei Viral-Spots verbunden mit einem Videowettbewerb, die Kampagnen-URL www.echte-stars.de und ein Spieler-Geburtstagskalender – also bislang nicht viel. Den Spot mit Linda Dörendahl (USC Münster) und Salvador Hidalgo Oliva (SCC Berlin) findet ihr embedded. Wer gefallen finden sollte, gelangt hier zum Zweiten.



Ähnlich wie in der Fußball Bundesliga, haben mehrere Volleyball Bundesligisten die Sommerpause genutzt, um in den Social Media Bereich vorzustoßen. Die Top-Vereine VfB Friedrichshafen, Generali Haching und SCC Berlin besitzen mittlerweile alle eine eigene Facebook Page, selbst der Ligaverband ist dort seit gut einem Monat zu finden. Wirklich verfolgenswert ist der Twitterkanal des SCC, auf dem drei Spieler und der Teammanager des Vereins regelmäßig personalisierte Tweets absetzen, zum Teil mit exklusivem Content. So wurden die Verletzungen der kompletten Diagonalbesetzung kurz vor Saisonauftakt als erstes über diesen Kanal kommuniziert.

Genug zur Eigenvermarktung der Liga, kommen wir zur Außenbetrachtung und der Medienreichweite. Diese stellt ein echtes Problem dar. Liefen vor zwei Jahren garantiert wöchentlich drei Spiele aus den Bundesligen bei sportdigital.tv, wurden im letzten Jahr in einer abgespeckten Version nur noch vereinzelt Partien bei spobox.tv übertragen. Diese Saison sieht es noch düsterer aus, Torsten Endres versucht es positiv zu formulieren:

“Wir verhandeln immer noch mit unserem Partner aus der vergangenen Saison spobox, um die erfolgreiche Zusammenarbeit fortzusetzen, führen aber auch mit anderen Anbietern Gespräche.”

Meine Übersetzung: Wir versuchen verzweifelt die Volleyball Bundesliga TV/ Online Rechte zu verkaufen, hoffentlich springt uns nicht auch noch spobox ab. Ohne eine Übertragung würde die Volleyball-Liga keinen Schritt voran kommen. Allein durch Pressemitteilungen, Posts in den Social Media Kanälen und ein paar Berichten in der Presse lassen sich keine neuen Fans generieren.

Die Liga sollte eigentlich auch von der Leistung der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Italien profitieren. Das DVV-Team belegte dort Rang 8, feierte den größten Erfolg seit 36 Jahren und den Aufstieg in die Top Ten der Weltrangliste. Doch die statistisch schicken Ergebnisse, bildeten nicht die realen Leistungen der Nationalmannschaft ab. Durch den unverständlichen Spielmodus ( 3 Gruppenphasen!) konnte sich Deutschland 6 Niederlagen in 9 Spielen erlauben und zog beinahe noch ins WM-Halbfinale ein. Dazu gesellten sich Manipulationsvorwürfe gegen das russische und brasilianische Team. Von überschwänglicher Medienberichterstattung konnte der DVV daraufhin nur träumen. Dementsprechend wütend äußerte sich SCC-Manager respektive Mäzen Kaweh Niroomand diese Woche bei der Saisonauftakt-PK:

“Die Liga braucht endlich eine Nationalmannschaft, die den Durchbruch schafft. Die Vereine arbeiten seit Jahren am Anschlag, um die Liga attraktiver zu machen. Wenn die Leistung der Nationalmannschaft nicht stimmt, bringt das nichts.”

Kleine Randbemerkung zum Modus: Das Spielsystem soll laut FIVB-Präsident Jizhong Wei für die kommenden Turniere angepasst werden. Bei der vom CEV organisierten EM 2011 in Österreich/ Tschechien wird dies schon der Fall sein (Eine Gruppenphase, dann Playoffs). Warum Wei allerdings bei dem irrsinnigen Turniermodus so überrascht auf die Manipulationsmöglichkeiten reagierte, verwundert mich schon sehr.

Noch ein paar Sätze zur sportlichen Situation in der Volleyball-Bundesliga. Experten mögen mich hier gerne korrigieren, aber aus verschiedenen Ecken wird ein erneuter Durchmarsch des VfB Friedrichshafen in dieser Saison als unwahrscheinlich eingestuft. Das Team vom Bodensee befindet sich in einer echten Umbruchphase. Ein Septett wurde behalten, allerdings standen davon in der Regel nur Joao José, Lukas Tichacek und Marcus Böhme in der Starting-Six. Drei Mannschaften wollen Timing beweisen und die Serie von 6-Häfler-Meisterschaften in Folge beenden: Generali Haching mit einem eingespielten Kader und einem bis in den Himmel motivierten Steuerwald Ferdinand Tille (als bester Libero bei der WM ausgezeichnet) will nicht nur im Pokal, sondern endlich auch im Liga-Finale am VfB-Thron ruckeln. Der Erzfeind SCC Berlin mit Transfer-Coup Scott Touzinsky und der Max-Schmeling-Crowd im Rücken lechzt nach einer Finalpartie. Schließlich evivo Düren, zuletzt eher mit dem “vierten Rad am Wagen” Image des “4. Besten” behaftet, zählt wohl auch in dieser Spielzeit nur zum erweiterten Favoritenkreis. Für die Liga fehlte zuletzt die Konstanz. Mit ein wenig Losglück sollte aber im Pokal wieder alles drin sein.

Zu guter Letzt: Die Saison wird heute Abend (ab 19 Uhr im Livestream) mit dem “Derby” SCC Berlin vs. Königs Wusterhausen eröffnet, inkl. Premiere der DVL-Saisoneröffnungsfeier. Zur Einstimmung folgt ein kleiner Trailer, den ich für das Game geschnitten habe. Wie man meiner Vita entnehmen kann, bin ich für die Berliner zeitweise beruflich tätig. Versuche auch hier objektiv zu berichten, wirklich journalistisch werde ich allerdings kaum über die Berliner Jungs berichten können, zu viel Nähe, verzeiht.

5 Kommentare zu "Deutsche Volleyball-Bundesliga startet in die neue Saison"

  1. Pingback: Umzug - Die Reise geht weiter! - volley|rad

  2. Pingback: Twitted by jsachse

  3. Bei Haching ist dir ein kleiner Fehler unterlaufen: Zuspieler Steuerwald hat den Verein verlassen, bester Libero bei dder WM war natürlich der Hachinger Ferdinand Tille.


  4. Pingback: Volleyball-Pokal: Haching tritt gegen Berlin an

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