Müller-Wohlfahrt: Der Arzt, dem die Fußballstars vertrauen
Wenn Bayern- und DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt eine Diagnose spricht, dann glaubt Fußball-Deutschland ihm. Viele Sportler und Medien sind voll des Lobes. Doch von Wissenschaftlern wird seine Arbeitsweise kritisiert, mit intensiver Werbung für Produkte begibt er sich auf dünnes Eis.
Hier geht es zur kompletten Geschichte, die Daniel Drepper, Sebastian Krause und ich im Team recherchiert haben.
Neben der deutschen Fassung findet sich auf fussballdoping.de zusätzlich eine englische Kurzfassung der Recherche.
Rückblick: Vor zwei Wochen haben wir eine erste Recherche über wirtschaftliche Fehlschläge von Müller-Wohlfahrt veröffentlicht, die im WAZ Rechercheblog und Deutschlandfunk veröffentlicht wurde.
Fuentes Urteil gesprochen – Revision abwarten
Vor ein paar Minuten kam die Mail rein.
Eufemiano Fuentes 1 Jahr + 4 Jahre Berufsverbot.
Ignacio Labarta bekommt 4 Monate
In der Realität werden beide auf Grund der spanischen Gesetzgebung nicht sitzen, sondern auf Bewährung frei rumlaufen können.
Die restlichen Mitangeklagten Schwester Yolanda und die beiden Teamchefs Vicente Belda und Manolo Saiz wurden freigesprochen.
Alles nicht wegen Dopings, sondern auf Grund eines “Verbrechnen gegen die öffentliche Gesundheit.” Das habe ich hier schon erläutert. Einfach oben durch die Timeline klicken.
Das ganze kann (und wird wahrscheinlich) noch in Revision gehen.
[Update 17.5.] Yup. Staatsanwaltschaft.
Solange werden auch keine Blutbeutel vernichtet. Und genau das ist die traurige Nachricht des Tages: Das spanische Gericht wird der WADA keinen Zugang zu den in Barcelona gelagerten Blutbeuteln gewähren.
Da ich noch in der Schreibstube sitze, binde ich hier erstmal nur die drei spanischen Dokumente des Gerichts inklusive Urteilsverkündigung ein. Wer die Sprache beherrscht, darf sehr gerne auf interessante Passagen aufmerksam machen.
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Unsere Recherche zum Wunder-Doc
Die Medien feiern ihn als erfolgreichen Wunderheiler, als den Arzt, dem die Promis vertrauen. Bastian Schweinsteiger, Usain Bolt und Bono gehören zu seinen Kunden: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist der wohl bekannteste Sportarzt der Welt. Seit 1977 betreut er den FC Bayern München, seit 1995 die Fußball-Nationalmannschaft. Doch schaut man hinter die Fassade, stumpft der Glanz ab: Wie erst jetzt nach unseren Recherchen bekannt wird, säumen wirtschaftliche Fehlschläge den Weg von Müller-Wohlfahrt. Zwei Firmen, die Müller-Wohlfahrts Namen tragen, sind bilanziell überschuldet. In seiner Praxis im Alten Hof in München ist Müller-Wohlfahrt nur Mieter. Die pompösen Räume und Geräte mietet Müller-Wohlfahrt von Fußball-Mäzen Dietmar Hopp.
Die Geschichte über Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt habe ich gemeinsam mit Daniel Drepper geschrieben. Die komplette Story gibt es im Rechercheblog der WAZ. Wir bleiben dran und recherchieren weiter zu Müller-Wohlfahrt, zu Dietmar Hopp und zu geschäftlichen Verbindungen im Fußball. Aber auch zu Müller-Wohlfahrts Arbeit als Sportmediziner.
Haben Sie Informationen oder Hinweise? Schreiben Sie mir, meinem Kollegen Daniel Drepper oder rufen Sie uns an. Über die verschlüsselte Upload-Plattform der WAZ gibt es auch eine Möglichkeit uns anonym zu benachrichtigen. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.
jonathan.sachse[at]gmail.com
0151/40522403
König Teamarbeit – besonders für Freiberufler!
Vor einem Jahr hätte ich diesen Blogeintrag nie schreiben können. Eine größere Teamarbeit mit freien Kollegen hielt ich für utopisch. Zu viel Konkurrenz in allen Bereichen. Kampf um Themen, Informanten, Kunden. Insbesondere die Freien müssten doch auf ihr Alleinstellungsmerkmal im hart umkämpften Markt des Journalismus achten, dachte ich.
Heute weiß ich’s besser. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Team von freien Journalisten bietet jede Menge Vorteile. Insbesondere im Vergleich mit etablierten Redaktionsstrukturen kann ein Paket von freien Journalisten punkten.
In den folgenden Äußerungen konzentriere ich mich auf aufwändigere Geschichte. Bei einer Recherche über 1-2 Tage kommen die folgenden Vorteile nicht zu tragen, da wird ein einzelner Freier in der Regel effektiver arbeiten können. Mir geht es um größere Recherche, die sich unter Umständen auf ganz Deutschland (oder größer) beziehen.
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SNACKBREAK (7)
Diesen Blogeintrag unter diesem Serientitel einzuordnen, mag unpassend klingen. Ich denke, dass Christian Frommert mit der Überschrift “Snackbreak” umgehen können wird. So heißt nun einmal hier die Kategorie für Einträge, in denen ich Themen veröffentliche, die mir mehr oder weniger on- oder offline über den Weg gelaufen sind und in der Regel leicht zu konsumieren sind.
Heute wird’s etwas schwerer verdaulich. Dazu gleich mehr.
Ursprünglich wollte ich nur ein paar Sätze über die Seiten 155-177 schreiben. In diesem Kapitel berichtet Christian Frommert in seiner ansonsten monothematischen Autobiografie “Dass iss halt was!” über seine Zeit als Kommunikationschef von Telekom/ T-Mobile über die Suspendierung von Jan Ullrich (2006), Patrik Sinkewitz (2007) und die Folgeerscheinungen. In der Post-Telekom-Radsport-Ära schildert Frommert in einem Absatz eine Situation vor der kleinen Untersuchungskommission an der Uni Freiburg. Dort musste Frommert am 11. Juni 2008 aussagen (s. 169). Ein halbes Jahr zuvor stieg sein Arbeitgeber als Sponsor im Radsport aus:
Als alles vorbei war, musste ich vor Ausschüsse und Untersuchungsgremien. Dort saßen Menschen, die nicht einmal rudimentär eine Ahnung davon hatten, was mein Job war, keinen Schimmer davon, wie ein Radteam funktionierte, wie die Infrastruktur rund um so ein Unternehmen aussah. Ohne jeglichen Aufklärungswillen stellten sie pflichtschuldig die falschen Fragen und wollten nur das eine: es lieber nicht so genau wissen. Die, die es treffen sollte, hatte es ja längst getroffen. Wieso als dran rühren? Das eigene Haus schön sauber halten. Am Ende müsste man ja vielleicht selbst noch eine Verantwortung übernehmen. Bloß nicht. Also bitte nur die halbe Wahrheit und nichts als die halbe Wahrheit.






